Am 3. August 2018 schlug der Blitz in die Kapelle St. Michael in Obervolkach ein. Der Turm und das Dach wurden dabei arg in Mitleidenschaft gezogen. Als erste Sicherungsmaßnahme gegen eindringende Feuchtigkeit erhielt der Turm ein "Planenhäubchen" aus Kunststoff. Zweieinhalb Jahre später ragt das grüne Turmkondom immer noch über dem angrenzenden Friedhof. Hat die Stadt Volkach als Eigentümerin das Kirchlein vergessen?

Die Sanierung der 1716 erbauten Kapelle in der Michaelistraße steht seit fast 15 Jahren auf der Agenda von dritter Bürgermeisterin Gerlinde Martin. Immer wieder hat die Stadträtin aus Obervolkach das undichte Dach und die Reparaturbedürftigkeit im Ratsgremium angesprochen. Als 2018 der Blitz einschlug, entschied man sich, Nägel mit Köpfen zu machen, zumal der Schaden der Versicherung gemeldet und von dieser anerkannt wurde. Für die Kapelle wurde ein Gesamtkonzept entwickelt, bei dem der undichte Turm gemeinsam mit dem Dachtragwerk und dem Kirchenschiff renoviert werden soll. Auf dem Turm wurde eine grüne Schutzhülle installiert.

Finanzen verhindern Reparatur

Es blieb bislang bei der Zwischenlösung, denn die klammen städtischen Finanzen ließen bislang keine Reparatur zu, zumal, so der Beschluss. "15 000 Euro sind im diesjährigen Haushalt eingestellt", erklärt Gerlinde Martin. In den kommenden beiden Jahren sollen dann jeweils 200 000 Euro für Sankt Michael bereitstehen. Nur 15 000 Euro in diesem Jahr bedeutet: es wird nicht viel geschehen. "Der Turm soll heuer abgebaut werden und das Dach abgedichtet", schildert das stellvertretende Stadtoberhaupt die mutmaßlich nächsten Maßnahmen. Martin befürchtet, dass ein Sturm die grünen Planen zerreißen könnte, was wieder Wassereintritt in das Gotteshaus zur Folge hätte. In den Jahren 2022 und 2023 rechnet sie mit dem Wiederaufbau des Turms und der Renovierung.

Um die Kosten für die nicht häufig genutzte Kapelle künftig zu reduzieren, hat sie eine Idee, die sie auch schon im Stadtrat vorgetragen hat. "Eine Urnenwand in den Innenraum der Kapelle", erklärt Gerlinde Martin. Das würde Geld in die Kasse bringen und zu einer sinnvollen Nutzung des denkmalgeschützten Kirchleins führen. Glasscheiben würden das Kolumbarium, wie die Urnenwand im Innern genannt wird, sauber abschließen und mit den Namen der Verstorbenen versehen. Bevor Martins Anregung umgesetzt werden könnte, will sie sich aber erst einmal die Rückendeckung in der Bevölkerung holen. "Ich muss ja wissen, ob die Obervolkacher das überhaupt akzeptieren und für gut heißen", erläutert sie.

Auch Bautechniker fehlt

Dass die Umsetzung der Kapellensanierung nicht nur an den Finanzen liegt, weiß Bürgermeister Heiko Bäuerlein. Das Bauamt der Stadt sei momentan personell nicht in der Lage, weitere Maßnahmen zu beginnen. "Die Reparatur der Kapelle ist deshalb in Prioritätsstufe zwei", sagt der Stadtchef. Seit langem sei die Stadt auf der Suche nach einem Bautechniker und in einem Monat verlässt auch noch Bauamtsmitarbeiter Ottmar Böhnlein seinen bisherigen Arbeitgeber. Wenn es gut läuft, kommt laut Bäuerlein im September wieder ein Mitarbeiter hinzu, ein gelernter Zimmerer, der sich der Kapelle annehmen könnte. Darauf hoffen jetzt die Stadtoberen, denn die Kapelle ist ein Denkmal, das es zu erhalten gilt.