Sie lieben es naturverbunden und müssen mit etwa drei Litern Wasser pro Tag auskommen – das gute Dutzend Mädchen und Jungen, das seit September den Waldkindergarten am Fuße des Hüttenheimer Tannenbergs besucht.

Rund ein halbes Jahr ist vergangen, seit der große Bauwagen mit Vollausstattung und großzügiger überdachter Terrasse den letzten Schliff bekommen hat. Am Sonntag wurde die Waldkindergartengruppe des Kinderhauses Sternenhimmel offiziell eingeweiht.

Das ganze Jahr geöffnet

Das Interesse und die Freude waren groß: Rund 300 Besucher, darunter neben Eltern, Verwandten und Freunden auch der Hüttenheimer Posaunenchor, waren gekommen, um den Waldkindergarten zu bestaunen, der das ganze Jahr über geöffnet hat. Hier gibt es keine Plastikrutsche oder sonstige Spielgeräte, die man im Laden kaufen kann: Ein Webstuhl aus Leinen und Ästen, ein Tipi-Zelt aus Weiden oder eine Dosenwerf-Station aus nachwachsenden Rohstoffen sind beispielsweise in den Außenanlagen zu finden.

Beim Herzstück, dem Bauwagen, haben die Verantwortlichen darauf geachtet, dass die Einrichtung zweckmäßig und sämtliche gesetzlichen Bestimmungen erfüllt sind. Es ist also alles da, was man in einem Kindergarten braucht, und auch wenn der Ansatz hinter dem gesamten Projekt ein sehr erdverbundener ist, befindet sich das gesamte Interieur auf dem aktuellsten Stand.

Bürokratische Hürden: Keine in Sicht

„Ich bin sehr froh, dass alle mitgespielt haben. Die Eltern als fleißige Helfer, Pfarrer Matthias Subatzus als Dienstherr und die Gemeinde Willanzheim sowie das Landratsamt als zuständige Behörden“, betonte Leiterin Katja Kahl. Während der Recherchen, wie man einen solchen Waldkindergarten betreibt, sei sie viel herumgekommen und habe von vielen bürokratischen oder ideologischen Hürden erfahren, die den Betreibern im Wege standen – nicht so in Hüttenheim. Auch das Engagement der Eltern sei riesig gewesen und sogar in Zahlen zu fassen: Rund 1000 Arbeitsstunden hätten Mamas und Papas investiert.

Idee reifte langsam

Während vieler Waldbesuche mit den Kindern sei im Team des Kinderhauses in den vergangenen Jahren die Idee eines Waldkindergartens langsam herangereift, bis sie eines Tages ausgesprochen wurde und man sich an die Umsetzung machte.

Begeistert zeigte sich auch Landrätin Tamara Bischof, die sich an ihre Kindheit in den Hassbergen erinnert fühlte, wo es noch weitaus mehr Wald gebe. Sie lobte das Engagement der evangelischen Kirchengemeinde, die den Waldkindergarten mit vorangetrieben hatte und den Eigentümer des Areals, den Pfründestiftungsverband der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, überzeugen konnte, den Kindergarten hier entstehen zu lassen.

Die Kinder bereicherten den offiziellen Teil der Einweihung mit Lied-, Tanz- und Lese-Einlagen während des Gottesdienstes, in dem Dekan Ivo Huber seinen Segen für die Einrichtung aussprach.