Schülerinnen, Schüler und Musiker des Gymnasiums Marktbreit zusammen mit dem Träger- und Förderverein ehemalige Synagoge Obernbreit e.V. erinnerten in einer Lesung aus ihren Briefen von 1938 bis 1941 an das Schicksal der jüdischen Familie Lauber aus Marktbreit.

Nach einer kurzen notwendigen Einführung in die Judenpolitik des Dritten Reiches durch Dr. Richter übernahmen Kobi Brühl, Laura Herrmann, Isabel Mayer und Paul Sagstetter die Lesung.

Der Briefwechsel zwischen den noch in Marktbreit lebenden Eltern, dem schon nach Palästina aus gewanderten Sohn und der Tochter, die scheinbar in Brüssel in Sicherheit lebt, zeigt in erschütternder Weise die Situation der Eltern. Auch sie wollen auswandern. Zunächst macht die Mutter sich sorgen um das Wohl der Kinder, ob der Sohn auch die neuen Kleider schont oder die Tochter es gut bei den Verwandten und Freunden hat. Die Eltern überlegen erst - traurig über den Verlust der Heimat - dann von Woche zu Woche mit schwindender Hoffnung , welche Geräte sie mitnehmen müssen, um in Palästina auf eigenem Hof Landwirtschaft zu betreiben. Die Pogromnacht in Marktbreit erlebte die Tochter noch zu Hause. Die Dreizehnjährige beschreibt sie in einer Dichte, die 84 Jahre später niemand im Auditorium unergriffen ließ.

Die zunehmend resignative Grundstimmung in den Briefen weicht langsam einem hektischen Bemühen um die nötigen Formalitäten für die Ausreise.

Man spürt direkt, wie sich die Schlinge um die Laubers unaufhaltsam zuzieht. Bei den von den zuständigen Ämtern vergebenen Quoten, bekommen sie schlechte Platzziffern. Die nötigen Gelder können sie allein nicht aufbringen; Bitten bei Verwandten und Bekannten sind vergebens.

"Wenn die Hoffnung langsam stirbt" hatten die Schülerinnen und Schüler als Thema der Lesung gewählt. Wie weit die Hoffnung geschwunden ist, wird wohl nur der verstehen können, der weiß, was es bedeutet, wenn, wie in den letzten Briefen beschrieben, ein Bauer seine Pferde und Kühe weggeben und seine Äcker verkaufen muss.

Frieda, Karl und Susi Lauber wurden 1942 deportiert und ermordet.

Damit die Erinnerung ans sie nicht nicht stirbt, gaben die Schülerinnen und Schüler den Laubers Stimmen. Etwa 60 Besucher haben sie gehört in der ehemaligen Synagoge Obernbreit, dem Ort der Erinnerung und des Gedenkens.

Die Schülerinnen und Schüler mit ihrem Betreuer Dr. Arno Richter, und die Musiker des kleinen Ensembles unter OStR Oltsch haben in eindrucksvoller Weise ein Beispiel für Erinnerungskultur gegeben.

Von: Friedrich Heidecker (Pressereferent, Träger und Förderverein ehemalige Synagoge)