Die Strategie von Bund und Ländern könnte sich bald ändern: Wenn die Impfstoff-Lieferungen besser ins Laufen kommen, könnten auch die Hausärzte beim Impfen helfen. Je mehr Ärzte sich beteiligen, desto schneller geht es – so die einfache Rechnung. Aber geht sie auf?

Nach Auskunft des Landratsamts Kitzingen gehen die Impfungen gegen das Coronavirus in den Heimen auf die Zielgerade. Parallel erhalten nun die nicht mobilen Landkreis-Bürger über 80 Jahre Besuch durch die mobilen Impfteams zuhause. Dazu müssen sich die Betroffenen über ihre Hausärzte anmelden lassen. Bis zu 250 Bürger könnten das im Landkreis Kitzingen sein, schätzt die Kreisbehörde. Ihre Zahl ist zwar überschaubar, dafür aber der zeitliche Aufwand für die Impfteams groß.

Nach der Bevölkerungsgruppe mit höchster Priorität werden inzwischen auch Angehörige der zweiten Priorität geimpft. Auch Lehrer und Erzieher können sich laut Landratsamt für eine Impfung anmelden, am besten individuell und über die bekannten Internetseiten oder Telefonnummern.  Sie sollen den Impfstoff von Astrazeneca erhalten, der in größeren Mengen vorhanden ist.

Hausärzte wollen sich gern beteiligen

Neuen Schwung in die Impfkampagne könnte das Einbeziehen der Hausärzte bringen. Seitens der Bundes- und Landespolitik könnte der Startschuss dafür Ende März, Anfang April fallen. Das Landratsamt wünscht sich deren Beteiligung ausdrücklich, wie Landrätin Tamara Bischof auf Anfrage dieser Redaktion betont. Allerdings möchte die Landrätin erst die bestehenden Impfzentren im Landkreis möglichst gut auslasten. Sie haben ihre Kapazitätsgrenze mangels Impfstoff längst noch nicht erreicht.

"Die Hausärzte sind hoch motiviert und würden sofort mit dem Impfen loslegen", sagt Dr. Klaus Kolbert. Er ist der Koordinierende Impfarzt für den Landkreis Kitzingen und selbst oft mit den mobilen Impfteams unterwegs. Schließlich gehöre das Impfen zu den ureigensten Aufgaben der Ärzte.

Den Praxen nicht zu viel aufbürden

Allerdings stellt der Arzt, der in einer Gemeinschaftspraxis in Wiesentheid arbeitet, klar, dass es für die Einbeziehung der Hausärzte Bedingungen gebe. Zunächst müsse genügend Impfstoff vorhanden sein. Außerdem dürfe man den Praxen nicht die Priorisierung der Patienten aufbürden. Kolbert erklärt, dass es schwierig wäre, mit den Patienten zu diskutieren, wer geimpft werden dürfe und wer nicht. Das würde große Unruhe in den Praxen verursachen. Schließlich müsse die Verwaltung der Impfung verschlankt werden. Wenn er mit dem mobilen BRK-Team unterwegs ist, sei immer eine Verwaltungskraft mit Laptop, Drucker und Scanner dabei.

Wenn diese Bedingungen erfüllt seien, rechnet Kolbert mit einer breiten Unterstützung seiner Kollegen. Andernfalls, so glaubt er, würden nur Schwerpunktpraxen dazu in der Lage sein, den Aufwand zu stemmen. "In meiner Praxis sind wir sechs Ärzte, 14 Mitarbeiter und haben sechs Sprechzimmer. Da können Sie Kapazitäten freihalten. Das kann der Einzelkämpfer mit einer Arzthelferin und einem Sprechzimmer aber nicht so einfach", erklärt Kolbert. Noch sind also hohe Hürden gesetzt, bevor die Impfung beim Hausarzt beginnen kann. In nächster Zeit will das Landratsamt mit den niedergelassen Ärzten über konkrete Schritte dahin beraten.