Die Nachricht lässt aufhorchen: Viele Beschäftigte von Reinigungsfirmen erhalten von ihren Arbeitgebern angeblich keine der vorgeschriebenen Masken zum Schutz vor einer Corona-Ansteckung gestellt. Arbeitgeber knauserten am Arbeitsschutz und ließen ihre Beschäftigten den dringend benötigten Mund-Nasen-Schutz aus eigener Tasche zahlen. Dies behauptet der mainfränkische Bezirksverband der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). Die IG BAU versteht sich als Sprachrohr der nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (Stand: 30. Juni 2020) 349 sozialversicherungspflichtig sowie 263 geringfügig Beschäftigten der Reinigungsbranche im Landkreis Kitzingen. Eine Umfrage bei den in der Kritik stehenden Branchen-Unternehmen in Kitzingen ergibt jedoch in weiten Teilen ein anderes Bild.

"Wir stellen unseren Mitarbeitern immer entsprechend der Tätigkeit und Umgebungssituation persönliche Schutzausstattung unentgeltlich zur Verfügung", antwortet Peter Weiß, Geschäftsführer Technik des Unternehmens Moritz Fürst aus Nürnberg, das auch im Landkreis Kitzingen tätig ist, auf Anfrage dieser Redaktion. Atemschutzmasken während der Corona-Pandemie zählten natürlich auch dazu, so Weiß weiter.

Art der Maske variiert je nach Anforderung

Die Schutzkategorie der Masken richte sich jeweils nach der Gefährdungslage in der die Mitarbeiter eingesetzt sind. FFP2-Masken würden so etwa in intensivmedizinischen Bereichen eingesetzt. In Verwaltungsbereichen trügen seine Mitarbeiter aktuell medizinischen Mund-Nasen-Schutz (OP-Masken), solange sich dort weitere Nutzer aufhielten. Wenn nur die Reinigungskraft vor Ort ist, müsste diese auch keine Maske tragen. "Generell sind unsere Mitarbeiter nicht verpflichtet, Schutzmasken bei der Arbeit zu tragen", stellt Weiß klar.

Die IG BAU geht in ihrer jüngst veröffentlichten Pressemitteilung von anderen Voraussetzungen aus. "Das Tragen einer Atemschutzmaske ist aktuell Pflicht und erst recht notwendig, wenn Beschäftigte sich am Arbeitsplatz einer erhöhten Infektionsgefahr aussetzen", stellt darin der Bezirksvorsitzende der Gewerkschaft, Michael Groha, fest. Er fordert von den Reinigungsfirmen in der Region, "umgehend für ausreichend Atemschutzmasken zu sorgen, am besten nach dem FFP2-Standard".

Gesetzgeber sieht keine generelle Maskenpflicht vor

Fordert die Gewerkschaft also etwas, was Reinigungsfirmen im Kreis Kitzingen längst erfüllen, und mehr, als der Gesetzgeber verlangt? In der Corona-Arbeitschutzverordnung des Bundesarbeitsminsiteriums vom 21. Januar ist tatsächlich nichts von einer generellen Maskenpflicht für Arbeitnehmer zu lesen. Diese gilt demnach allerdings für Bereiche, in denen eine erhöhte Ansteckungsgefahr besteht. Diese Ansicht vertreten auch die von dieser Redaktion befragten Reinigungsfirmen – und versorgen eigenen Angaben nach ihre Mitarbeiter mit Schutzmasken, wenn auch nicht grundsätzlich mit solchen nach FFP2-Standard und in unterschiedlichem Umfang.

Steven Ellison, der als Objektleiter in Kitzingen das Unternehmen Amthor vertritt, sagt, dass sein Unternehmen seine hier rund 30 Beschäftigten generell kostenfrei mit OP-Masken ausstattet. FFP2-Masken gebe es für Arbeiten in bestimmten Bereichen. "Die Gesundheit unserer Mitarbeiter ist uns wichtig", sagt er. Deshalb sei die Zahl der Masken, die ein Mitarbeiter erhält, auch nicht limitiert. Wer eine wünsche, der erhalte auch eine. Nur müsse er sich selbst darum kümmern.

"FFP2-Masken sind bei uns Standard", sagt Geschäftsführer Volker Lang von Aplawia. Dies gelte für alle rund 65 Angestellten des Kitzinger Vereins, der über die Haushaltshilfe "Gute Geister" sowie die SDA GmbH auch zum Teil im Bereich Gebäudereinigung aktiv ist.

Manche Kunden verlangen Masken beim Reinigungspersonal

Immerhin "erst einmal" drei FFP-2-Masken gibt die Gebäudereinigung Titan aus Buchbrunn nach Auskunft von Petra Fischer ihren circa 180 Mitarbeitern aus. Dies sei eine freiwillige Leistung, wie sie sagt, denn es bestünde eben keine Maskenpflicht. Allerdings gebe es Kunden, die verlangten, dass die Reinigungskräfte solche Masken während der Arbeit tragen.

Gewerkschafter Groha berichtet von Betroffenen aus der Reinigungsbranche, die von ihren Arbeitsgebern – wenn überhaupt – nur einfache OP-Masken kostenlos erhielten, und die dann auch noch mehrere Tage halten müssten. Sollte es tatsächlich solche Unternehmen in seiner Branche geben, kann Gökhan Hasanoglou dies nicht verstehen. Der Geschäftsführer der Gebäudereinigung Rappelt GmbH in Kitzingen versorgt seine 63 Beschäftigten kostenfrei mit FFP2-Masken und – falls es die Arbeit erfordert – auch zusätzlich mit Schutzkitteln. Trotz des erschwerten Arbeitens unter Maske und Kittel seien seine Mitarbeiter über die Ausstattung froh, sagt Hasanoglou. "Es geht ja auch um deren eigene Gesundheit."

Dass die Masken in den vorgeschriebenen Bereichen auch getragen werden, das kontrollieren beim Unternehmen Moritz Fürst die unmittelbaren Vorgesetzten, erklärt Geschäftsführer Technik Weiß. Dafür erhielten die Beschäftigten je nachdem, unter welchen Bedingungen sie mit Maske arbeiten müssen, auch Erschwerniszuschläge bezahlt, soweit der Rahmentarifvertrag dies vorsieht. Die IG BAU fordert: Diese Zulage sollte allen Maskenträgern zustehen.