Die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie haben unsere Gesellschaft nicht nur wirtschaftlich schwer getroffen. Eine kuriose Situation ergibt sich auch für die Kitzinger Hofräte Walter Vierrether, Jürgen Reitmeier und Alexander Nuss mit ihren Hofstaats-Damen. Denn der Fränkische Weinfestkalender liegt längst im Müll, weil heuer kaum ein Weinfest stattfinden dürfte, da bis 31. August Großveranstaltungen verboten sind.

"Nach dem Winter vermisse ich die Weinfeste schon lange", sagt Walter Vierrether und spricht seinen Hofstaatsdamen aus der Seele.  Ein Hofstaat ohne Weinfeste – das ist zwar kaum vorstellbar, doch jetzt harte Realität – deswegen hörte sich diese Redaktion bei den Majestäten um.

Eine Majestät, die die Entwicklung voll treffen könnte, ist die Etwashäuser Gärtnerkönigin Celine Lang. Im Vorjahr gekrönt, endet ihr Amtsjahr traditionell im Oktober dieses Jahres, was bedeuten würde, nicht ein Weinfest als Gärtnerkönigin erlebt zu haben. "Das ist schon eine blöde Situation", sagt die 18-Jährige, die aber wenigstens ein paar Hofratsempfänge im Kitzinger Rathaus und die "Weinselige Narrensitzung" begleiten durfte. Sie hätte nichts dagegen, ein Jahr anhängen zu dürfen. Kirchweihpräsident und Burschenschaft-Vorsitzender Markus Volbers meint: "Darüber können wir reden; da sollten wir flexibel sein".

Regentschaft möglicherweise verlängern

Die Verlängerung der Regentschaft der Königin macht ihm weniger Sorgen als die Frage, ob die Kirchweih in Kitzingens Gärtnervorstadt überhaupt gefeiert werden kann. Zusammen mit Sickershausens Weinprinzessin Ina Borawski absolvierte Lang zuletzt den Bonuslauf der VR Bank Kitzingen, aber ansonsten gibt es wenig Gelegenheit für die Weinprinzessinnen, sich zu treffen. "Es ist schon schade, kein Weinfest feiern zu dürfen", pflichtet ihr die Kleinlangheimer Weinprinzessin Julia Kerzner bei. Denn so sei es nicht möglich, sich noch besser kennen zu lernen und Freundschaften im Zeichen der Krone zu pflegen.

Die Kitzinger Siedlerkönigin Fabienne Lampert wurde im August 2019 in ihr Amt eingeführt und durfte zumindest noch die Weinfesteröffnung in Albertshofen miterleben. "Ich will auch eine schöne Abkrönung", erzählt die Kinderpflegerin, die daher noch ein Jahr anhängen möchte, zumal die Abkrönung heuer mitsamt der Siedlerkerm ins Wasser fällt. Die Nenzenheimer Hoheit Lisa Belz war die erste Hoheit, die heuer ihr eigenes Weinfest sausen lassen musste. Wie manche ihrer Kolleginnen denkt sie über eine Verlängerung ihrer Amtszeit nach. 

Die neue Großlangheimer Hoheit Sandra Helmer ist entspannt, will sie von Haus aus mindestens zwei Jahre am Kiliansberg regiert. In Sulzfeld sollte Sarah von Brunn heuer die Nachfolge ihrer Schwester Anika von Brunn antreten, aber die beiden verschoben den Wechsel kurzerhand um ein Jahr, um der Nachfolgerin einen schöneren Antritt zu bescheren.

Zusammen für den guten Zweck laufen

Nadine Müller, Weinprinzessin aus Neuses am Berg, kann die Misere ertragen, hat sie doch schon zwei Amtsjahre mit schönen Erlebnissen hinter sich und macht jetzt sogar noch ein Jahr weiter, weil sich im Glatzen-Dorf keine Nachfolgerin gefunden hatte. "Das Abtswinder Weinfest hat mir am besten gefallen", verrät die 23-Jährige, denn die Hochstimmung dort im Festzelt mit Krachern wie den "Troglauer Buam" sei jedes Jahr ein Highlight.

Das Abtswinder Weinfest im Oktober wäre vielleicht vom staatlichen Verbot-Bannstrahl verschont geblieben, doch auch dieses späte Weinfest wurde jetzt schon abgesagt. "Uns wäre das Risiko als Veranstalter zu groß gewesen", begründete Sigrid Koos, Vorstandsmitglied des Ausrichters, des Fremdenverkehrs- und Heimatvereins Abtswind, die Absage.

Die zur Tatenlosigkeit verurteilten und etwas gelangweilten Majestäten nehmen deswegen gerne die Möglichkeit wahr - wenn auch nur in Duos oder Kleingruppen – beim VR Bank Bonuslauf mitzumachen. "Wir sind rund 30 laufende Leute in unserer Gruppe", verkündet Walter Vierrether. Sie alle laufen nicht für eine Vereinskasse, sondern erlaufen die ausgelobte Prämie zugunsten der Kitzinger Lebenshilfe.