Ein strahlender Herbsttag, die Sonne gleißt von einem stahlblauen Himmel. „Normalerweise wäre jetzt gut was los hier“, sagt Simone Mergenthaler von der Iphöfer Touristinfo. Auf dem Wohnmobilstellplatz am Herrengraben steht zu dieser Zeit ein einziges Wohnmobil. Eigentlich dürfte es gar keines sein, denn mit der Verschärfung der Corona-Regeln ist seit 2. November auch das Reisen verboten. Das bayerische Wirtschaftsministerium teilte der Redaktion bereits vorige Woche auf Anfrage mit: „Übernachtungsangebote zu touristischen Zwecken sind untersagt.“ Das gilt nicht nur für Hotels, Pensionen und Ferienhäuser, sondern eben auch für die beliebten Camping- und Wohnmobilstellplätze.

Die Stadt Iphofen hat darauf reagiert und mehrere Hinweisschilder aufgehängt. Für „touristische Übernachtungen“, heißt es, sei der Platz gesperrt. Ganz zu verhindern ist es gleichwohl nicht, dass Wohnmobile den Platz am Einersheimer Tor ansteuern, der auf einer Teilfläche des öffentlichen Parkplatzes liegt. Und so steht an diesem sonnigen Donnerstagmorgen tatsächlich ein Wohnmobil mit Karlsruher Kennzeichen in einer der Buchten, ein Versorgungskabel ist in eine der Feststationen geklemmt, vom Fahrer keine Spur. Mit der Umgestaltung des einst so staubigen Parkplatzes hat die Stadt die Zahl der Buchten von drei auf neun erweitert, während der Sommermonate waren sie meist alle belegt.

Trotz Verbot gibt es Anfragen von Wohnmobil-Reisenden

Jetzt, in den Herbstferien, wäre der Strom der Wohnmobilreisenden noch einmal angeschwollen. Eine letzte Welle im Jahr hätte es gegeben, wie Simone Mergenthaler sagt. Corona hat die Welle gebrochen. Am Montag, dem ersten Tag des Teil-Lockdowns, kamen die ersten Anrufe, die sie und ihre Kolleginnen in der Früh erreichten, dennoch von Wohnmobil-Touristen. „Ich denke, sie wussten, dass es verboten war, aber sie haben trotzdem gefragt, ob es möglich ist zu kommen.“ War es nicht.

Auch Alexander Nuss hat diese Anrufe in der Kitzinger Touristinfo erhalten, vor allem in den ersten Tagen des Teil-Lockdowns. Auch er musste die Leute vertrösten auf Ende November, wenn die Lage mit Blick auf das Infektionsgeschehen neu bewertet wird. In Kitzingen war es einfacher, den Platz abzuriegeln. Eine Absperrung an der Zufahrt am Bleichwasen, versehen mit einem Schild, das wirkt. 72 Wohnmobilstellplätze stehen am Kitzinger Mainufer zur Verfügung – eigentlich.

Wegen des Corona-Abstandsgebots wurde die Zahl auf 66 reduziert. Sie liegen an diesem Donnerstagmorgen in der milden Herbstsonne, menschenleer. Im Gras funkeln Tautropfen wie kleine Diamanten. Wer hier unterwegs ist, bekommt eine Ahnung dessen, was möglich wäre, wenn die Leute dürften, wie sie wollten. Wohnmobilismus boomt, das spürten sie auch in Kitzingen, nachdem der Platz am Mainufer nach dem ersten Lockdown am 30. April wieder geöffnet war. „Urban, mediterran und doch ganz fränkisch“ – so kommt Kitzingen in der Tourismuswerbung daher. In diesen Herbsttagen ist auch Kitzingen nicht mehr als eine Kommune wie Tausende andere in Deutschland: eine Stadt im Shutdown.