Die Corona-Zahlen steigen wieder, auch im Landkreis Kitzingen. Stand Freitag, 12 Uhr, sind 30 Personen an Corona erkrankt. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt eigenen Berechnungen des Landratsamtes nach bei 18,7 und weicht extrem von der vom LGL am Freitag, 18. September, veröffentlichen Inzidenz von 4,4 ab. Diese Abweichung beobachtet das Gesundheitsamt schon seit einiger Zeit, die Zahlen sind kontinuierlich angestiegen, was sich aber in der veröffentlichten Inzidenz nicht widergespiegelt hat, heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes.

"Die Abweichung ist sehr unerfreulich und wir stehen im permanenten Austausch mit dem LGL und dem Softwarehersteller, was den zuständigen Mitarbeitern – sowohl im Gesundheitsamt als auch in der IT-Abteilung – einiges an zusätzlicher Arbeit beschert", erklärt Dr. Jan Allmanritter, der Leiter des Gesundheitsamts.

An das LGL werden die Zahlen täglich übermittelt und dabei gibt es auf Seiten der verwendeten Schnittstelle seit einem Software-Update technische Probleme, so dass die Fälle von mehreren Tagen beim LGL nicht eingearbeitet werden können – obwohl sie vom Gesundheitsamt zeitgerecht gemeldet wurden. Der Anbieter der Schnittstelle arbeitet an dem Problem, bisher hat aber noch keine der aufgezeigten Lösungen funktioniert. Auch andere Gesundheitsämter verwenden dieses Programm und hatten zum Beispiel nach Updates das Problem, dass Daten von Bürgern falsch zugeordnet wurden.

"Werte zeichnen falsches Bild"

Allmanritter betont: "Uns ist es wichtig, auf die Abweichung der tatsächlichen Werte von den vom LGL veröffentlichten Werte hinzuweisen, denn der niedrige Wert zeichnet ein falsches Bild." Landrätin Tamara Bischof ergänzt: "Manch einer wiegt sich vielleicht in einer trügerischen Sicherheit und das ist bei den aktuell steigenden Zahlen fatal." Gerade in Verbindung mit privaten Feiern in Würzburg, die dort die Zahlen ansteigen ließen, sind auch einige Corona-Fälle im Landkreis Kitzingen aufgetreten. Die zweite größte Gruppe der derzeit Infizierten sind Kontaktpersonen von Reiserückkehrern, die bereits unter Quarantäne standen.

Bürgertelefon wieder aktiv

Im Hintergrund laufen im Landratsamt bereits gedanklich die Vorbereitungen, wenn die bayernweite Inzidenz-Warnstufe von 35 erreicht wird. Konkrete Maßnahmen hängen aber vom Infektionsgeschehen ab und werden zu gegebener Zeit veröffentlicht.

Eine Reaktion ist, dass ab Montag, 21. September, vorerst wieder ein Bürgertelefon geschaltet wird, denn die Flut an Anrufen nimmt aktuell verstärkt zu. Damit hat das Bürgertelefon exakt drei Monate pausiert, ruhend gestellt wurde es am 22. Juni. Es ist vorerst künftig täglich erreichbar von 10 bis 12 Uhr unter der bekannten Nummer 09321/928 1111. Sollten die Zahlen sowie die Nachfragen wieder sinken, wird es wieder ruhend gestellt.

Situation in den Kindertagesstätten

Gute Nachrichten gibt es von der Krippe St. Maria in Dettelbach, für Kinder und Personal wurde die Quarantäne am Donnerstag 24 Uhr aufgehoben, so dass am Freitag, 18. September, der Betrieb wieder starten konnte. Bis Donnerstagabend waren auch alle Ergebnisse der Kindertagesstätte St. Barbara in Iphofen eingetroffen, demnach ist neben der Mitarbeiterin noch ein Krippenkind positiv getestet. Wie lange im Einzelnen die Quarantäne dauert – da es unterschiedliche Kontaktzeitpunkte gab – wird den Betroffenen mitgeteilt.

Nach drei Wochen wurden bereits rund 1900 Menschen an der Teststrecke in Albertshofen getestet, bei diesen Tests ergaben sich 19 positive Corona-Fälle. In der Regel waren dies Kontaktpersonen, die vom Gesundheitsamt zum Testen gebeten wurden, echte "Zufallsfunde" gab es bisher nicht. Zusätzlich werden aktuell auch viele Bürger mit Symptomen beim Hausarzt beziehungsweise Vertragsärzten getestet, auch hier sind regelmäßig positive Fälle dabei. Hinzu kommt eine große Menge an Tests in Einrichtungen wie Kindergärten, Seniorenheimen oder Gemeinschaftseinrichtungen, die direkt von den Mitarbeitern des Gesundheitsamts vor Ort durchgeführt werden.

"Bitte halten Sie sich an die AHA-Formel – Abstand, Hygiene, Alltagsmaske – und werden Sie nicht leichtsinnig", appelliert Landrätin Tamara Bischof an die Vernunft der Bürger und fügt an: "Bisher sind wir gemeinsam gut durch die Pandemie gekommen, helfen wir alle zusammen, dass das auch so bleibt."