Seit Mittwochnachmittag ist es offiziell: Der Landkreis Kitzingen hat den Corona-Inzidenzwert 50 gerissen. Damit steht die Corona-Ampel auf rot. Das zieht laut Bayerischen Gesundheitsministerium schärfere Schutzmaßnahmen nach sich. Etwa dürfen sich jetzt nur noch maximal fünf statt bisher zehn Menschen oder zwei Hausstände treffen. In Schulen gilt für alle Jahrgangsstufen Maskenpflicht auch am Platz. Eine Sperrstunde ab 22 Uhr, Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen ab 22 Uhr und ein Alkoholverkaufsverbot an Tankstellen ab 22 Uhr sind weitere allgemeinen Vorgaben, die greifen.

Laut einer Pressemitteilung des Landratsamtes Kitzingen prüft die Behörde analog zur Stadt München und dem Landkreis Ebersberg eine Ausnahme zur Maskenpflicht in Grundschulen. Bis dies entschieden ist, müssen Grundschüler allerdings eine Maske tragen. 

An der bis 26. Oktober geltenden Maskenpflicht sowie dem Alkoholverbot für die bereits festgelegten Straßen und Plätze in Kitzingen und Volkach ändert sich laut Landratsamt nichts. Für Kindertagesstätten gibt es Neuerungen: In allen Einrichtungen der Kindertagesbetreuung und in Heilpädagogischen Tagesstätten sind möglichst feste Gruppen zu bilden, offene oder teiloffene Konzepte sind untersagt, schreibt die Kreisbehörde.

Viele der aktuell festgestellten Corona-Infektionen sind laut Landratsamt auf das Ausbruchgeschehen bei der Firma Kräuter Mix in Abtswind zurückzuführen, wobei das Ergebnis der Reihentestung der dortigen Mitarbeiter noch ausstehe. Die Firma selbst teilt mit, dass ihr derzeit 13 Corona-Erkrankte unter den Mitarbeitern bekannt seien. Die restlichen Fälle verteilten sich über den gesamten Landkreis und durch alle Altersgruppen, informiert die Kreisbehörde.

Infektionszahlen entwickeln sich rasant

Von den seit Pandemie-Beginn im März erfassten 371 Corona-Fällen im Landkreis – Stand Mittwochmittag – gelten laut Landratsamt inzwischen 313 wieder als gesund. Die Zahl der Index-Fälle, also der akut an Covid-19 Erkrankten, gibt das Landratsamt mit 54 an. Vier Menschen starben an dem Virus. Wie das Landratsamt außerdem mitteilt, befinden sich aktuell 228 Landkreisbürger als Kontaktpersonen 1 (sogenannte KP1) in Quarantäne.

Generell gilt dabei: Die Zahlen im Landkreis steigen derzeit täglich, wenn nicht gar stündlich . Aus diesem Grund zeigt die veröffentlichte Karte auch die bis zum Redaktionsschluss am Dienstagabend veröffentlichten Infektionszahlen, die da noch von insgesamt 359 Corona-Infizierten im Landkreis ausgingen. Diese haben sich, wie die oben genannten Zahlen zeigen, bis Mittwochmittag bereits wieder überholt – und werden auch Donnerstagmorgen nicht mehr aktuell sein.

Angeführt wird die Liste mit den Zahlen vom Dienstag von der Stadt Kitzingen mit inzwischen 139 Fällen, davon wurde ein Fall in Hoheim registriert. Mit einigem Abstand folgt Dettelbach mit 32 Meldungen, davon entfallen drei Corona-Erkrankungen auf Effeldorf und jeweils eine auf Bibergau und Mainsondheim.

Auf der dritten Position der Corona-Landkarte nach Hauptorten findet sich Volkach mit 22 Einträgen, drei davon entfallen auf Astheim. Am anderen Ende der Skala rangieren Sulzfeld und Markt Einersheim: Von dort wurden bisher noch keine positiven Tests gemeldet. Wobei das alles eine Momentaufnahme ist: Derzeit steigen die Zahlen stark an.

Aufatmen im Mai

Damit ist die von vielen Fachleuten prognostizierte zweite Welle im Landkreis angekommen. Nach dem Pandemie-Start im März hatte es Ende Mai ein leichtes Aufatmen gegeben, als es nach vielen Wochen erstmals keine Neuinfektion gegeben hatte. Die Zahl stoppte damals bei 191 Fällen. Drei Menschen aus dem Landkreis waren in dieser ersten Phase an den Folgen von Covid-19 gestorben.

Die Landkarte sah damals noch ein wenig anders aus: Sechs Orte waren damals ohne Infizierte, davon blieben nun nur noch zwei übrig. Und noch etwas hat sich geändert: Kam zunächst etwa die Hälfte der Corona-Fälle im Kitzinger Land aus der Großen Kreisstadt mit ihren gut 21 000 Einwohnern, hat sich das Verhältnis inzwischen gedreht: Den 139 Kitzingern stehen 220 Erkrankte aus dem Umland gegenüber.

Dettelbach auf Platz zwei

Eine Änderung erlebte ebenfalls die Rangfolge: Zunächst reihte sich Volkach hinter Kitzingen ein, danach folgte Dettelbach. Hier gab es inzwischen einen Platz-Tausch, in Dettelbach zogen die Fallzahlen um einiges mehr an. Längst ist auch die Corona-Teststrecke in Albertshofen wieder in Betrieb, die zwischenzeitlich auf „ruhend“ gestellt worden war. Das hat sich jetzt gründlich verändert, die Kapazitäten wurden jetzt sogar noch einmal von 180 Test am Tag auf 260 aufgestockt.

Vergleicht man die bisher zweimal für die Landkreis auf Gemeindeebene veröffentlichten Corona-Zahlen, lässt sich für die einzelnen Orte einiges ablesen: In Prichsenstadt etwa verdoppelte sich die Fallzahl von zunächst drei auf dann sechs und jetzt elf. In Marktsteft ging es von fünf auf acht und nun auf zwölf. Dettelbach kam von neun auf zwölf und liegt jetzt bei 32.

Sieben-Tage-Inzidenz schnellt hoch

Dass die Corona-Zahlen zunehmen, spiegelt auch die Sieben-Tage-Inzidenz, die das RKI täglich für alle Landkreise in Deutschland veröffentlicht. Diese Kennziffer soll das Infektionsgeschehen regional vergleichbar machen. Sie sagt aus, wie viele Menschen einer Region in sieben Tagen neu erkrankt sind, bezogen auf jeweils 100 000 Einwohner der Region. Der Wert lag für den Landkreis Kitzingen lange sehr niedrig, für den 1. August etwa noch bei 0,0 und eine Woche später bei 1,1. Mitte August sprang der Wert von 4,4 auf 11,0. Anfang dieser Woche ging es dann von 37,3 auf 41,7 am Dienstag und aktuell (Mittwoch) 51,6.

Bei der Eindämmung ruht das Hauptaugenmerk entsprechend auf Kitzingen: Nach der Reihentestungen von vier Schulklassen gibt es aktuell neben einer Maskenpflicht für mehrere öffentliche Plätze auch ein Alkoholverbot für bestimmte Bereiche.

Bei Fragen rund um Corona: Das Bürgertelefon am Landratsamt Kitzingen unter Tel. (09321) 928-1111 ist von Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr erreichbar.