Wer derzeit an der Volkacher Bundeswehrkaserne vorbeikommt, hat den Eindruck, dass dort Ruhe herrscht. Der Parkplatz ist während der Corona-Krise deutlich leerer und am Kaserneneingang kontrollieren die Wachposten nur ab und zu ein Fahrzeug.  Doch das bedeutet keinesfalls, dass hier die Arbeit heruntergefahren wird. Im Gegenteil.

Das Bataillon stellt sich gerade mit militärischer Präzision auf eine eventuelle Krisenbewältigung ein. "Wir haben einen gewissen Teil unserer Soldaten ins Homeoffice geschickt, um im Falle einer Infizierung im Standort nicht zu viele gesundheitsbedingte Quarantänefälle zu haben, was unsere Einsatzbereitschaft gefährden könnte," erläutert der Kommandeur Frank Dannenberg. "Durch ein ausgeklügeltes Bereitschaftssystem können aber die Soldaten, je nach Dringlichkeit, sofort oder verzögert, in den Standort zurückgerufen werden."

"Fertige Pläne gibt es zum Beispiel, wenn medizinische Geräte besonders schnell transportiert und vielleicht auch noch geschützt werden müssen."
Kommandeur Frank Dannenberg

Laut dem Bataillonschef stehen etwa die Hälfte der Soldaten bereit, die zivilen Behörden im Rahmen der Amtshilfe zu unterstützen. Dies ist im Artikel 35 des Grundgesetztes genau geregelt: Hilfeleistung in Form von  Amtshilfe als technisch-logistische Unterstützung. "Dazu sind wir als Logistikbataillon besonders gefragt," sagt Oberstleutnat Dannenberg und ergänzt: "Fertige Pläne gibt es zum Beispiel, wenn medizinische Geräte besonders schnell transportiert und vielleicht auch noch geschützt werden müssen und dafür gerade in dieser Kombination kein ziviles Unternehmen zur Verfügung steht. Oder wenn ganz schnell vor einem Krankenhaus Zelte für weitere Behandlungsplätze aufgebaut werden müssen. Hier wird von Fall zu Fall eine Entscheidung durch das Landeskommando Bayern nach Anfrage ziviler Behörden getroffen."

Das Herzstück im Bataillon ist die OPZ, die Operative Zentrale. Dort werden zentral alle Informationen und Anforderungen gesammelt. Und von hier aus kann der Leiter, Major Daniel R., alle Kräfte aktivieren. "Wir haben alles genau  registriert, was wir an Transportmöglichkeiten haben."

"Bisher haben wir noch keinen erkrankten Soldaten, lediglich fünf Verdachtsfälle, die aber nach Tests nicht bestätigt wurden."
Kommandeur Frank Dannenberg

Der Major erklärt, dass ihm dazu drei "Marscheinheiten" zur Verfügung stehen: drei Großgruppen, die im Schichtdienst mit unterschiedlichen Einsatzbereitschaftszeiten Dienst tun. An 365 Tagen im Jahr. Rund um die Uhr. Auch da gilt der Grundsatz: möglichst wenig Personen im Standort bei ständiger Erreichbarkeit zu Hause. "In Bezug auf das Virus haben wir Glück" sagt der Kommandeur Dannenberg. "Auch wir setzen alle Regelungen der Hygienemaßnahmen im vollen Umfang um. Wir halten Sicherheitsabstände ein, streichen Besprechungen mit zu viel Personal und vermeiden unnötige persönliche Kontakte. Bisher haben wir noch keinen erkrankten Soldaten, lediglich fünf Verdachtsfälle, die aber nach Tests nicht bestätigt wurden." Für Notfälle habe man den Sanitätsbereich mit Ärzten und Quarantänemöglichkeiten.

Der Standortchef unterstreicht : "Auch für unsere Soldaten gilt, dass die Bundesrepublik Deutschland vor einer sehr großen Herausforderung steht und dass wir Aufträge im Rahmen der Amtshilfe mit höchster Priorität erfüllen müssen. Dennoch ist unser Grundauftrag die militärische Sicherheit."

Nach Afghanistan im Herbst

Der Kommandeur weist auf die anstehenden Auslandeinsätze im Herbst hin, so zum Beispiel in Afghanistan und Irak, wo jetzt schon die ersten Vorbereitungen getroffen werden müssen. Doch trotz allem: Der Bataillonskommandeur ist zuversichtlich. Wichtig ist ihm der Hinweis auf das sehr gute Verhältnis zu den Menschen in der Region. Er dankt allen, die auch für die Soldaten das Leben in Volkach aufrecht erhalten: "den Kassenkräften und Angestellten in den Supermärkten, in Apotheken, in Tankstellen und anderswo. Und den Lehrern und Betreuern, die unter schwierigen Bedingungen unsere Kinder so herausragend betreuen."

Welche Hilfe die Bundeswehr leistet
- Hilfeleistung in Form von Amtshilfe als technisch-logistische Unterstützung auf Grundlage des Artikel 35 Abs.2 Grundgesetz (GG)
- Hilfeleistung bei Naturkatastrophen oder besonders schweren Unglücksfällen auf Grundlage des Art. 35 Abs.2 und 3 GG
- Soforthilfe zu Gunsten von Behörden

Quelle: Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe