Einen besonderen Urlaubspriester hat noch bis Ende nächster Woche die Pfarreiengemeinschaft St. Hedwig im Kitzinger Land: Pater Charbel Bteich, ein Libanese, unterstützt Pfarrer Gerhard Spöckl. An diesem Sonntag, 6. September, feiert der Maronitenpater in der katholischen Stadtpfarrkirche St. Johannes um 10.30 Uhr (ab 10 Uhr Information und Einführung) die Messe nach syrisch-maronitischem Ritus. Die Maroniten sind eine der größten und ältesten Religionsgemeinschaften im Libanon.

1980 wurde Charbel (= „die Geschichte Gottes“) Bteich im Libanon geboren. Als er gerade zehn Monate alt war, starb sein Vater. Die Mutter musste in großer Armut mit ihren vier Kindern alleine durchkommen. Nach der Schule studierte er Computer-Ingenieurwissenschaft mit dem Abschluss Master im Jahr 2003. Er arbeitete erfolgreich als EDV-Ingenieur bei großen Firmen, aber irgendwann genügte ihm das nicht mehr als Lebensinhalt.

Immer noch war der junge Computeringenieur in Kontakt mit dem Kloster, in dem er seine Schulzeit verbrachte. So fand er 2006 seinen neuen Lebensinhalt im Dienst an Gott im Maronitenorden, abgekürzt OMM (Mariamitischer Maroniten-Orden der seligen Jungfrau Maria). Er studierte Theologie in Rom. 2013 bekam er ein deutsches Sprachstipendium in München für zwei Monate. Um noch besser Deutsch zu lernen, ging er nach der Diakonenweihe Anfang 2014 in die deutsche Gemeinde in Rom. Am 1. August 2014 wurde Charbel Bteich im Libanon zum Priester geweiht. Im Februar 2015 lernte er in Rom den Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann kennen, der ihn als Ferienpriester nach Würzburg einlud.

So kam nun zum 1. August Pater Charbel nach Kitzingen. Ende kommender Woche geht es wieder nach Rom. Dort wird er im Fach Fundamentaltheologie promovieren.

Pater Charbel ist durch seine Familie und den Orden noch sehr eng mit dem Libanon und der politischen, gesellschaftlichen und menschlichen Situation verbunden. Der Libanon, so erzählt er, wurde einst als die „Schweiz des Orients“ bezeichnet. Durch den Bürgerkrieg (1975-1990) und die Einbeziehung in die militärischen Auseinandersetzungen mit Israel und Syrien wurde nahezu alles im Land zerstört, auch der bereits damals sehr zerbrechliche Frieden.

Inzwischen gebe es auch eine Christenverfolgung durch muslimische Organisationen. Von den vier Millionen Libanesen waren bis vor einigen Jahren die Hälfte Christen, inzwischen schätzt Pater Charbel deren Zahl nur noch auf etwa 40 Prozent. Viele verlassen das Land, weil sie verfolgt werden.

Bei allen politischen Verwirrungen und Krisen muss das kleine Libanon mit vier Millionen Einwohnern zwei Millionen Flüchtlinge verkraften, viele aus Syrien. In finanzieller und gesellschaftlicher Sicht sei dies im Vergleich zur Flüchtlingssituation in Deutschland vor allem eine menschliche Katastrophe. Es fehle an Unterkünften. Von staatlicher Seite sei eine Versorgung der Flüchtlinge völlig unmöglich. Die Menschen müssen aber irgendwie überleben. So gebe es eine hohe Kriminalitätsrate.

In den staatlichen Schulen sei kaum noch Unterricht möglich. Es gebe viele Klagen der Eltern, dass die Kinder nicht mehr in libanesischer Sprache (einem arabischen Dialekt) unterrichtet werden können. Das Engagement der Christen für die Flüchtlinge sei auch im Libanon sehr groß. Gelebter Glaube ist nach Auffassung von Pater Charbel der einzige Weg, Frieden und ein wenig Toleranz in den Nahen Osten zu bringen. Das gelte auch für Europa und für Kitzingen.

Kontakt: Wer Pater Charbel in den wenigen Tagen noch kennen lernen möchte, ist zu dem maronitisch-syrischen Gottesdienst am Sonntag, 6. September, um 10.30 Uhr, in St. Johannes in Kitzingen eingeladen. Für ein persönliches Gespräch ist Pater Charbel über das Pfarramt St. Johannes erreichbar unter Tel. (0 93 21) 71 77.