Seinen 1200. Geburtstag feiert Castell in diesem Jahr. Nach der großen Jubiläumsfeier im Sommer stand jetzt die Kirchweih im Mittelpunkt – mit dem traditionellen Auftritt der Bürgerwehr am Dienstag – und mit einem besonderen Schauspiel, das sich die Kirchweihjugend für den Umzug am Sonntag ausgedacht hatte.

So gab es an diesem Kirchweih-Sonntag keine „normale“ Kirchweih-Predigt. Verlesen wurden die besten Sprüche der vergangenen 50 Jahre. Vortragen durften diese jeweils auch die damaligen Prediger, die alle zusammen auf einem „Ehren-Wagen“ im Umzug mitfuhren.

Dichter, Denker, Kerwaprediger

Mit Frack und Zylinder hatten sich die 14 früheren sowie die drei aktuellen Prediger stilecht gewandet. Eine Schärpe in den Casteller Farben Rot und Weiß zierte den Anzug, auf den Bändern stand: „Dichter-Denker, Kerwaprediger.“ Auf der Rathaustreppe standen schließlich die Herren aufgereiht, als mit Philipp Baumann einer der aktuellen Prediger die vielen Besucher bei angenehm-herbstlichen Temperaturen begrüßte.

Es gehe darum, auch bei der Predigt die 1200 Jahre Castell gebührend zu feiern, deswegen wolle man keine normale Predigt herunter leiern. „Jedes Schandmaul von damals verliest seinen eigenen Spruch“, hieß das Motto der „Best of-Kirchweihpredigt von 1967 bis 2016“.

Ein Mitteilungsblatt der anderen Art

Gestreift wurde die komplette Geschichte. Die aktuellen Prediger Christopher Langmann und Joachim Paul garnierten das Ganze mit manch aktuellem Schwank. Einiges davon wurde auf den Wagen dargestellt, die die Kirchweih-Jugend gebaut hatte. Zum Schmunzeln war außerdem das nicht ganz ernst zu nehmende „Mitteilungsblatt“, das die Jugend wieder herausgab. Im Anschluss an den Umzug mit Predigt zog die Feier-Gesellschaft mit Musik in die Gasthäuser.

Das Kirchweih-Finale am Dienstag gehörte wieder traditionell der Bürgerwehr, womit in der Gemeinde diesmal gleich doppelt Feiertag war. Der traditionelle Auszug der Männer in Frack und Zylinder fiel auf den Allerheiligen-Tag, zu dem Dekan Günther Klöss-Schuster auch besinnliche Worte an die rund 100 angetretenen Casteller schickte. Er verteilte außerdem Anstecknadeln mit der Luther-Rose als Symbol mit Blick auf das 500.

Jahr der Reformation. 2017 fällt der Casteller Kirchweih-Dienstag auf den Reformationstag am 31. Oktober, beides wird dann wohl zusammen gefeiert. In seiner Ansprache vor der Wehr richtete Klöss-Schuster ein großes Dankeschön an die Bürger, die im Jubiläumsjahr auch den unterfränkischen Kirchentag in Castell zu einem „überragenden Ereignis“, gemacht hätten.

Blick zurück in Trauer

Zuvor hatten sich Bürgermeister Jochen Kramer und Ferdinand Erbgraf zu Castell-Castell bei der Bürgerwehr ausdrücklich bedankt. Bürgermeister Kramer hob den „überragenden Jubiläums-Umzug unserer Kirchweihburschen“ vom Sonntag hervor. Die jungen Leute hätten ein Gespür für Tradition und Humor bewiesen. Generell habe Castell im Festjahr gezeigt, „was es ist und was es kann“. Einen vollen Erfolg nannte er die Festlichkeiten bis dato.

Castell habe in diesem Jahr auch Trauer getragen, erinnerte Bürgermeister Kramer an den Tod von Albrecht Fürst zu Castell-Castell im Frühjahr. In dem Zusammenhang dankte Erbgraf Ferdinand zu Castell-Castell bei der Station des Umzugs im Schlosshof, dass die Bürgerwehr seinem Vater zu dessen Tod die Ehre erwiesen habe. Die Familie habe viel Anteilnahme erfahren.

Schlosstanz und Schießen

Er habe mit seiner Familie zugestimmt, dass der traditionelle Schlosstanz am Nachmittag des Kirchweih-Dienstags trotz des Trauerjahres stattfinden solle. „Meinem Vater war die Kirchweih und die Tradition immer sehr wichtig. Er hätte das auch so gewollt“, sagte er. Zunächst aber folgte das Schießen der Bürgerwehr auf dem Gelände oberhalb der ehemaligen Kegelbahn des Gasthofs Grüner Baum.