2019 war Corona noch fern, und dennoch war es für Banken kein leichtes Jahr: Das Zinstief hält an, die Margen sind klein, und der Markt ist umkämpft. Bislang hat sich die Fürstlich Castell'sche Bank in ihrer Nische behaupten können. Die Privatbank punktet mit der Vermögensverwaltung bei Privat- und Firmenkunden, Kirchen und Stiftungen vor dem Hintergrund ihrer jahrhundertealten Tradition.

Das vergangene Jahr trübte dennoch die Bilanz. Während das Zinsergebnis angesichts des Umfelds geradezu geplant nach unten ging, wie es Pressesprecher Harald Dürr im Gespräch mit der Redaktion formuliert, lag der Rückgang im Provisionsgeschäft unter den Erwartungen. Vor Jahren gab die Bank das Ziel aus, 2020 die 20-Millionen-Grenze überspringen zu wollen. Tatsächlich stagnierte die Zahl 2019 bei 14,7 Millionen Euro.

Bilanzsumme leicht gesunken

Da auch die Bilanzsumme von über einer Milliarde auf nunmehr 973 Millionen Euro gesunken ist, findet Wachstum zurzeit nicht statt. Vor diesem Hintergrund überrascht, dass die Privatbank ihren Jahresüberschuss auf 3,5 Millionen Euro erhöhen konnte.

Die Erklärung findet sich in der Beteiligung der Castell-Bank an der Schweinfurter Mercator-Leasing. Jahrelang hat die Bank ihre Beteiligung an dem Leasing-Unternehmen ausgebaut und erntet längst die Früchte. 2019 brachte das 5,8 Millionen Euro ein – ein Standbein, das der Castell-Bank Freude macht, gerade weil es unabhängig von der Entwicklung im operativen Bankgeschäft floriert.

Anders als üblich schüttet die Privatbank, die zu gleichen Teilen zwei Besitzern gehört, nicht den größten Teils des Gewinns aus, sondern belässt ihn nahezu vollständig im Haus. Damit steigt die Kernkapitalquote auf 13 Prozent. Für die Bank, sagt Pressesprecher Dürr, ist das ein wichtiges Fundament, um ihre Unabhängigkeit zu steigern. Denn im Corona-Jahr 2020 setzt die Castell-Bank auf Risiko- und Kostenminimierung, um krisenfest zu bleiben. 

Diesen sicheren Hafen schätzen offensichtlich ihre Kunden. Trotz des Abgangs mehrerer Abteilungsleiter und Kundenbetreuer und des Wechsels im Bankvorstand in den vergangenen Monaten sei der Kundenstamm im Wesentlichen stabil geblieben, erklärt Dürr. Da es sich oft um langjährige Beziehungen handele, habe die Bank auch in der Corona-Krise schnell und unbürokratisch helfen können. So habe man einigen Firmenkunden Kredite und Darlehensaussetzungen zugesagt oder auf direktem Weg staatliche Förderkredite weiterleiten können, um Pleiten zu verhindern.

Bislang keine Kredite abgeschrieben

Mit dieser Hilfe, so hofft Dürr, werde man gemeinsam "die schwierige und noch nie dagewesene Zeit überstehen". Abschreibungen auf offene Kredite habe die Castell-Bank jedenfalls bislang nicht vornehmen müssen. 

Für die Kunden nahezu unbemerkt hat die Bank mit ihrem IT-Dienstleister ihr Kernbankensystem umgestellt. Das allerdings war nach Castell-Angaben eine große interne Herausforderung. Bewährt hat sich laut Sprecher Dürr das Digitalbanking-Standbein "insight". Es ermögliche zwar die digitale Antragsstellung in der Vermögensverwaltung, "aber dahinter steht immer ein Mensch in der Vermögensanlage". Computergenerierte Algorithmen lehnt die Bank in diesem Sektor ab. 

Einen Treffer hat das Geldhaus nach eigener Darstellung  mit seinen Generationenfonds gelandet. "Die Volumina bewegen sich oberhalb der Erwartungen", freut sich Dürr über die Nachfrage. Die Castell-Bank bietet mit ihren Fonds nachhaltige Geldanlagen in ethisch und ökologisch unbedenklichen Branchen an.

Hoffnung auf Rückkehr zum Normalzustand

Den zwischenzeitigen Personalabfluss hat die Castell-Bank wieder wett gemacht. Dürr zufolge gehören 215 Angestellte zur Kernmannschaft des Hauses. Sowohl durch die eigene Ausbildung als auch durch Neuzugänge seien die Lücken gefüllt worden. 

Kurzarbeit ist in der Bank kein Thema. Einschränkungen in den Öffnungszeiten gibt es allenfalls coronabedingt. Doch mittlerweile sei es kein Problem, wieder persönliche Gespräche zu führen.

Veränderungen plant das konservative Geldhaus heuer nicht. Das Ziel für die Bank und ihre Kunden formuliert Dürr so: "Möglichst bald wieder in den Normal-Zustand kommen."

Castell-Bank

Die Privatbank hat ihren Sitz in Castell (Lkr. Kitzingen) und ihre Zentrale in Würzburg. Sie unterhält elf Standorte, die meisten in Franken, aber auch in Heilbronn, Ulm und München.
Das traditionsreiche Geldhaus wurde 1774 gegründet und nennt sich die älteste Bank Bayerns. Sie gehört zu gleichen Teilen den Inhabern Ferdinand zu Castell-Castell und Otto zu Castell-Rüdenhausen.
Die Fürstlich Castell'sche Bank ist bundesweit in der Vermögensanlage und regional im Firmenkundengeschäft tätig. 
Quelle: Castell-Bank