Premiere für Kitzingens Oberbürgermeister Stefan Güntner: Über ein Jahr nach seinem Amtsantritt leitete er erstmals eine Bürgerversammlung, am Montagabend in Hoheim. "Das ist eine Bürgerversammlung und keine Bürgermeisterversammlung", sagte der OB und entsprechend gestaltete er auch das Treffen mit den Bewohnern des Stadtteils.

Erster Teil: Der Ortsrundgang zu den "Brennpunkten". Denn, so Güntner, auch wenn er und die – zu diesem Zeitpunkt noch nicht allzu viele – Stadträte sich vor Ort einigermaßen auskennen, ein direkter Blick schärft die Kenntnis und die Diskussion läuft hier dann auch leichter.

Und so war der erste Halt auch nicht verwunderlich: Am Ende der Fröhstockheimer Straße steht die Halle, für die eine Nutzungsänderung zu einem Postverteilzentrum beantragt ist. Das sorgt seit Wochen bei Anwohnern für Aufregung, die auch am Montagabend deutlich artikuliert wurde: Mehr Verkehr wird da befürchtet, mehr Lärm dadurch, mehr Abgase und das alles zu nachtschlafender Zeit (wir berichteten).

Güntner: "Da werden wir wohl mal die Baukontrolle vorbeischicken"

Das alles stößt durchaus auf Verständnis beim Oberbürgermeister, deshalb, so Güntner, wurde auch die Nachbarschaftsbeteiligung sehr großzügig ausgelegt, was wohl nicht jedem Beteiligtem recht war. Aber, auch das machte Güntner deutlich: Der Ausgang des Prüfungsverfahrens ist offen. Alles hängt von der Betriebsbeschreibung ab, die die Grundlage für die Prüfung einer Genehmigung oder auch Ablehnung ist. Wer am Ende entscheidet, auch das ist offen und hängt von der Vorgeschichte der Halle ab. Gibt es einen Bebauungsplan oder war da einmal eine Privilegierung für die ehemalige Kelterstation – auch das wird geprüft und fließt mit ein, ob der Ausschuss oder die Verwaltung über die Nutzungsänderung entscheidet.

Auch eine Erkenntnis, die bei einer offenen Vorort-Diskussion leichter zu erlangen ist: Zum einen werde in der Halle bereits "gewerkelt", wie eine Anliegerin erzählte, und zum anderen sind in einem Hallenteil Firmen untergebracht, die nächtens Lkw-Motoren lange laufen lassen. "Da werden wir wohl mal die Baukontrolle vorbei schicken", sagte Güntner. Und die soll prüfen, ob da schon ohne Genehmigung umgebaut wird und ob die derzeitige Nutzung auch genehmigt ist.

Zu den Bedenken, dass hier bei einer Nutzungsänderung zu schnell gefahren werde, wie auch an anderen Stellen im Ort, hatte Güntner eine Neuigkeit für die ganze Stadt dabei: Wenn der Stadtrat noch vor der Sommerpause einer Verwaltungsvorlage zustimmt, dann wird die Stadt selber in die Geschwindigkeitsmessung einsteigen. Bis zum 1. Januar 2022 dürfte dann ein Dienstleister dafür gefunden und mögliche Messstellen mit der Polizei abgesprochen sein.

Wasser in den Kellern: Hauseigner müssen für entsprechende Rückschlagventile sorgen

Wasser bei den starken Regenfällen der vergangenen Wochen auf den Straßen und teils auch in den Kellern: Auch die Hoheimer sind gerade hier am Ende der Fröhstockheimer Straße leidgeprüft. Schuld daran, so Tiefbauer Hilmar Hein – die Topografie, extreme Niederschläge und der Maisanbau am Hang oberhalb der Straße lassen das Wasser nach unten rauschen. Kein Kanalsystem kann das aufnehmen. In den Kellern, so Hein, müssten die Hauseigner für entsprechende Rückschlagventile sorgen. Und außerhalb wird sich die Stadt kümmern. Der Generalentwässerungsplan soll überarbeitet werden. Und da soll ein erster Schwerpunkt der Abfluss des Oberflächenwassers in die Vorfluter sein.

Eh die Versammlung dann im Sportheim endete, besuchten die rund 50 Teilnehmer der Ortsbegehung noch den Friedhof. Im ersten Teil könnte wegen Schichtwasser ein Aus für die Erdbestattungen im Sarg drohen, im zweiten Teil sollen die Urnenbestattungsmöglichkeiten erweitert werden. Da bis September das Bauamt wieder personell voll besetzt sein wird, könnte in absehbarer Zeit auch das Friedhofsgebäude in Angriff genommen werden. Ob Neubau oder Sanierung, das ist noch offen. Güntner nahm auch die Anregung einer Toilette und einer Bestuhlung dort mit.

Im Sportheim selber gab es prinzipiell die gleichen Fragen und Anregungen wie zuvor schon bei der Begehung, dort dann allerdings mit über 70 Teilnehmern.