Wer sich derzeit mit Thomas Reichert als Bürgermeister von Marktsteft unterhält, der kommt an einem Thema sicher nicht vorbei: Der BNE-Station, der Station "Bildung für nachhaltige Entwicklung" des Landkreises, die im alten Hafen in der Stadt am Main errichtet werden soll. Nach etlichen Anlaufschwierigkeiten in der Planungsphase kann es wenige Tage nach diesem Gespräch endlich soweit sein: Der Stadtrat soll den Bauantrag verabschieden.

Schon vor seiner Wiederwahl im März war die BNE-Station eines der beherrschenden Themen in der Stadt, jetzt steht es für Reichert ganz oben auf der Agenda. "Es war ein langer und schwieriger Weg dorthin" sagt Reichert. Und: "Ich bin aber sicher, dass bis auf einen oder zwei Räte alle dem zustimmen werden. Vielleicht haben wir den einen oder anderen Fehler gemacht", resümiert der Bürgermeister über ein Projekt, das wegen der Finanzierung, immerhin geht es um mehrere Millionen Euro, schnell auf der politischen Ebene gelandet ist, jetzt aber wohl weitgehend in trockenen Tüchern ist.

Auf Betteltour

"Wir müssen natürlich unseren Teil dazu beitragen", so Reichert, die Eigenleistung von 1,1 bis 1,3 Millionen Euro seien aber machbar, wie der Haushalt zeigt. "Ich war wirklich auf Betteltour", es gibt aber genügend Fördertöpfe, das Projekt zu sichern", so Reichert, der auch sagt, dass das alles ohne viele Helfer, die entsprechende Türen öffneten, kaum möglich gewesen wäre - und auch entsprechend Zeit gekostet hat.

Und warum das alles? Weil Thomas Reichert eine Vision hat: Die Stadt Marktsteft "mehr in den Fokus zu stellen". Denn da sieht er seine Stadt doch ein wenig unterrepräsentiert. Gute Straßenanbindung, Gewerbe, Schule und Kindergarten, das alles ist da, aber mehr Aufmerksamkeit wünscht er sich schon für seine Stadt. "Da kann BNE zeigen, was es in Marktsteft gibt, was dann rundum entsteht, etwa eine Marina, ein Schaugarten und weiteres, das wird sich entwickeln."

Kindergarten, Kanäle und Straßen

Wäre es nur BNE, Reichert könnte sich schon fast entspannt zurück lehnen, aber Baustellen in der Stadt gibt es etliche - und das bei einer "nach wie vor angespannten Haushaltslage", auch wenn "die Gewerbesteuereinnahmen nur relativ gering zurück gehen". Auf jeden Fall sollten nach Reicherts Meinung die Kindergarten- und die Kanalsanierungen parallel laufen. Und bei den Kanälen heißt das auch oft, dass die Straßen in der Stadt gleich mitgemacht werden müssen. Da schmerzt der Wegfall der Straßenausbaubeiträge gleich doppelt.

Nächste Baustelle ist die Schule. Auch hier muss saniert werden, aber erst nach dem Kindergarten und wenn klar ist, wie die offene Ganztagsschule aussehen wird. Vorteil hier: Die erst kürzlich beschlossenen zentrale Wärmeversorgung durch ein Privatunternehmen, an der neben Kindergarten und Schule auch die Mehrzweckhalle angeschlossen werden kann, schafft finanzielle Freiräume und auch Klarheit, über den tatsächlichen Energieverbrauch der einzelnen Einrichtungen.

Nächste Baustele: die Kläranlage Michelfeld, die wohl vor dem Aus steht. Dass die Michelfelder dann einen Anschluss an das Marktstefter Kanalnetz und die Einleitung ihres Abwassers in die Kitzinger Kläranlage in Kauf nehmen müssen ist eine Seite. Die andere: Wie werden die Michelfelder an der Sanierung des Kanalnetzes in Marktsteft beteiligt? Da gibt es noch einiges an Überzeugungsarbeit für den Bürgermeister zu leisten, auch hier werden Fördermitteltöpfe anzuzapfen sein.

"Nach wie vor eine angespannte Haushaltslage."
Marktstefts Bürgermeister Thomas Reichert muss aus wenig Geld viel machen

Bleiben noch die "weichen Faktoren". Wie kann in nächsten Sommer eine ähnliche Situation an der Badebucht an der Fähr wie in diesem Jahr verhindert werden - ohne Schmutz, ohne Dreck ohne Wildparker und Fäkalien. Und zur Vision des Bürgermeisters gehört auch das ehemalige Kleidergelände, das weiter zur Naherholung für die Marktstefter entwickelt werden soll, zum Flanieren, zum Spazieren und auch zum Picknick für Familien. Eine Voraussetzung dafür ist, dass "die Zusammenarbeit im Stadtrat weiter so zufriedenstellend bleibt", wie sie sich nun, nach der Wahl, zeigt.