Die Arbeitswoche von Conny Hügelschäffer ist sicherlich länger als 38 Stunden. Der Senior-Chef der gleichnamigen Druckerei aus Mainbernheim steht seit Kindesbeinen an den Druck-Maschinen im Familienbetrieb. Während andere nach Feierabend allerdings Garten, Motorrad oder Modelleisenbahn pflegen, lässt der Job ihn auch dann nicht los. Aber so wie er ausgeübt wurde, als der 62-Jährige vor rund 50 Jahren zum ersten Mal die Maschinen bediente. Denn Conny Hügelschäffer hat sich einen Traum erfüllt und in Volkach alte Buchdruck-Maschinen wieder aufgestellt und hergerichtet.

Dass die „Druckerei wie anno dazumal“ in Volkach steht, ist kein Zufall: Aus dem Haus stammt seine Ehefrau Gabriele. Wo jetzt die alten Maschinen wieder angeworfen werden, stand einst die Schreinerei ihres Großvaters Otto Schmidt. Gabriele hatte Typographin gelernt und arbeitet bis heute in Mainbernheim mit.

Während der technische Fortschritt im Lauf der Jahrzehnte voranging und die „alten Schätzchen“ in der Mainbernheimer Firma modernen Gerätschaften weichen mussten, besinnen sich die Hügelschäffers in ihrer Volkacher Buchdruckerei auf die „schwarze Kunst“, wie das alte Buchdruckhandwerk manchmal genannt wird.

Sie können noch Schriften im Bleisatz setzen, wissen, wie man mit der Druckerschwärze umgeht und auf was man achten muss, damit der Druck auch gelingt. Das Grundprinzip ist zwar immer noch so, jedoch beschränkt sich die Handarbeit heutzutage oft auf die Eingabe von Befehlen am Computer.

Die waren noch nicht erfunden, als die Maschinen aus der Volkacher Nostalgie-Buchdruckerei ihre Glanzzeiten hatten. Dort steht beispielsweise eine Andruckpresse aus den 1950er-Jahren, ein weiteres Modell, das den Zweiten Weltkrieg überlebt hat oder ein Pensionär der Bundesdruckerei, den Conny Hügelschäffer aus Dresden nach Mainfranken geholt hat. „Die wurden ausgemustert, ich konnte sie für einen Appel und ein Ei erwerben“, sagt Hügelschäffer. Wohlwissend, dass er noch viel Geld in die Restaurierung stecken musste, bis diese wieder liefen.

Ersatzteile gibt es nur noch selten, da sind Leute mit Know-how gefragt. Das ist freilich auch nötig, um wie einst erlernt Grußkarten, Einladungen oder Visitenkarten anzufertigen. Aber „Buchdrucken ist wie Fahrrad fahren. Man verlernt es nicht“, erklärt Hügelschäffer.

Ein bisschen Mitschuld am Retro-Projekt tragen sicher auch Junior-Chef Manuel und dessen Bruder Daniel, der ebenfalls im Familienbetrieb arbeitet. Sie benötigten im Mainbernheimer Firmengebäude Platz auf dem Dachboden. Dort lagerten fein säuberlich in Regalen sortiert die Schriftsätze und Utensilien, von denen man sich im Zuge der Digitalisierung nicht trennen wollte und erst mal dort aufhob.

Auch diesmal wollte keiner so recht tabula rasa machen. „Wenn mancher Buchstabe erzählen könnte, welche Mitteilungen er schon auf Papier brachte“, kommt Hügelschäffer ins Schwärmen. Manche Bleisatzschriften haben 80 oder 90 Jahre auf dem Buckel und sind im Familienbesitz seit den ersten Tagen des Betriebes Ende der 1920er-Jahre.

„Einfach drauf los“ drucken die Hügelschäffers in Volkach aber nicht. So gibt es immer noch Liebhaber der alten Buchdruckerkunst, die ihre Drucksachen bei Hügelschäffer auf traditionelle Weise erstellen lassen. Diese Kunden schwören auf den besonderen Charme der alten Technik.

Aber auch neue Wege gehen die Hügelschäffers mit ihrer Buchdruckwerkstatt. Zusammen mit den befreundeten Kommunikationsdesignern Arndt Poser und Dirk Nitschke und deren Kitzinger Agentur „atelier zudem“ haben sie eine Idee entwickelt, wie man das nostalgische Buchdruckverfahren sogar zum Ereignis werden lässt: Besucher einer solchen Veranstaltung erleben in Volkach bei einem Abendessen oder einer Weinprobe einen schönen Abend. Dabei begeben sie sich auf die Spuren von Johannes Gutenberg, dem Erfinder des Buchdrucks, und erfahren alles über die alte Technik. Schließlich gestalten sich die Teilnehmer, unter Anleitung der Profis, selbst mit Bleisatz und Linolschnitt ihre eigenen Drucksachen.

An eine kommerzielle Nutzung der Buchdruckerei denkt Conny Hügelschäffer allerdings nur am Rande. Dafür sei der Spaßfaktor einfach zu hoch. „Man darf nicht vergessen, dass es im Grunde ein aussterbendes Handwerk ist, welches wir betreiben. Dieses gilt es aber zumindest in Erinnerung zu halten, und genau das versuchen wir mit unseren Veranstaltungen“, beschreibt der Mainbernheimer seinen Ansporn.