Wiesentheid

Bringt die digitale Schießanlage neuen Schwung für die Wiesentheider Schützengesellschaft?

Der Verein hat sein Domizil seit fast 40 Jahren im ehemaligen Bahnhof. Dort wurde vieles umgebaut. Jetzt folgt ein digitaler Schießstand. Doch die Zukunft des Vereins ist ungewiss.
Die Schießstände der Wiesentheider Schützen im alten Bahnhof werden derzeit erneuert. Die Schützenmeister Johann Reimche (links) und Günter Möderl sehen darin einen wichtigen Schritt in die Zukunft für den kleinen Verein. Foto: Andreas Stöckinger
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Das Domizil der Wiesentheider Schützengesellschaft hat seinen eigenen Charme. Es ist nicht eines dieser neu gebauten Sportheime, wie sie vielfach in der Gegend zu finden sind. Es ist der frühere Bahnhof des Marktes, in dem sich die Schützen seit 1984 eingerichtet haben. Das Haus selbst ist ein markantes, mit Bruchsteinen errichtetes Gebäude, das um 1893 entstand. Damals wurde die Bahnlinie von Kitzingen nach Gerolzhofen eröffnet.

Der letzte Personenzug auf der Strecke nach Kitzingen dürfte Anfang der Achtzigerjahre gefahren sein. 1984 erwarb es der Markt Wiesentheid, gleich danach richteten sich die Schützen dort ein. Schützenmeister Günter Möderl weiß noch, dass der 1973 wiedergegründete Verein damals nach Sportstätten in der alten Schule und im Gemeinschaftshaus in Untersambach froh war, endlich sein eigenes Heim zu haben.

Seitdem pflegt der Verein das Kleinod Bahnhof, das im oberen Geschoss bewohnt ist. Im Erdgeschoss erinnert vor allem eines noch an die Zeiten, als die Steigerwaldbahn noch fuhr. Gleich nach dem Eingang steht der alte Fahrkarten-Schalter, als wären dort erst kürzlich die letzten Zugtickets verkauft worden.

Heute ist dort der schmale Gastraum, der für den geselligen Teil dient. "Der Schalter ist das einzige Überbleibsel von damals", schaut Schützenmeister Günter Möderl auf den Bereich. Die Wand habe man extra erhalten. Ansonsten bauten die Schützen in den Jahrzehnten einiges um, damit sie sich hier wohlfühlen können. So wurde eine Theke eingerichtet, ein Stammtisch geschaffen und manches mehr. Immer wieder hat der mit rund 70 Mitgliedern in Wiesentheid eher kleine Verein in Eigenregie Verbesserungen vorgenommen.

Böden wurden verlegt, die Wände neu gestrichen, alles in Eigenregie. "Wir hätten noch einiges mehr zu tun, aber wir müssen erst einmal die Schießstände herrichten", sagt mit Johann Reimche der zweite Schützenmeister und einer der Aktivposten. Er meint damit, dass es höchste Zeit sei, den sportlichen Teil des Gebäudes zu modernisieren. Das sind die sechs Schießstände im hinteren Teil des länglichen Gebäudes, der einst als Lagerhalle des Bahnhofs diente.

Der Stand wurde zunächst etwas tiefer gesetzt, damit die Senioren im Sitzen besser zurechtkommen, erläutert Möderl. Außerdem wird dort künftig bei den Wettkämpfen auf digital umgestellt, der Schütze kann gleich auf dem Bildschirm sehen, wo sein abgegebener Schuss gelandet ist. Die Scheibe muss nicht mehr eigens eingeholt werden wie bisher.

Bei anderen Schützenvereinen ist das längst Standard, eigentlich keine große Sache, mit rund 20.000 Euro Investition sind die Wiesentheider im 21. Jahrhundert angekommen. Doch dieser Betrag ist für den kleinen Verein, der gerade noch zwei Mannschaften aufrecht hält, nicht so leicht zu stemmen.

Zum Glück schießt der Schützenbund einiges zu, genauso wie der Markt Wiesentheid. Denn die Vereinskasse der kleinen Gesellschaft gibt nicht viel her. Überhaupt kämpfen die Schützen seit Jahren um ihren Fortbestand. Es fehlt an Nachwuchs, der sei nicht so leicht zu bekommen, meint Möderl. Das Angebot an Vereinen sei in Wiesentheid groß, das Schießen generell nicht so in Mode, verweist er auf zwei Probleme. Erschwerend komme hinzu, dass Kinder erst ab einem Alter von zwölf Jahren zum Schießsport dürfen.

Mit der moderneren Anlage hofft der Verein, auch für neue Mitglieder und Interessenten attraktiver zu werden. Das wäre dringend nötig, meint Möderl, damit im alten Bahnhof auch in Zukunft Betrieb herrscht.