Hat Kitzingen ein Profil? Wenn ja, ist es aktuell? Womit identifizieren sich die Kitzinger selbst? Welches Bild haben Einheimische und Fremde von der Stadt? Und: Muss und kann man dieses Image attraktiver machen?
Um all diese Fragen drehte sich im Finanzausschuss am Donnerstag eine engagierte Diskussion. Mit 5:8 Stimmen lehnte es die Mehrheit am Ende ab, einen professionellen "Profilbildungsprozess" - Kostenpunkt: rund 50 000 Euro - anzustoßen. Das letzte Wort hat jedoch nächsten Donnerstag der gesamte Stadtrat.
Wein, Main, Garten, Fastnacht, historische Altstadt - dies sind unbestritten Kitzinger Stärken. Dr. Brigitte Endres-Paul (SPD) fand jedoch, dass die "vielen Schlagworte nicht richtig mit Leben gefüllt sind". Eine unverwechselbare Charakteristik, wie sie zum Beispiel Salzburg als Mozartstadt oder Wolfsburg als Autostadt habe, gebe es für Kitzingen nicht. Endres-Paul erinnerte an Workshops des Stadtmarketing-Vereins, die im vergangenes Jahr genau dieses Ergebnis erbracht hätten.

"Uns fehlt eine Dachmarke. "

Diese müssten die Kitzinger in Seminaren mit professioneller Unterstützung einer Marketingfirma entwickeln um umsetzen, so dass sich die Wahrnehmung der Stadt bei Bürgern und Touristen positiv verändere.
Viele Ausschussmitglieder fanden dieses Ziel zwar generell nicht schlecht, die Umsetzung war ihnen aber offenbar zu schwammig. "Ich verstehe das nicht. Was soll dabei herauskommen?", fragte zum Beispiel Rosmarie Richter (UsW) und auch Andrea Schmidt (ödp) gab zu, dass sie "einfach nichts damit anfangen" könne. Das Schlagwort, das eine Stadt beschreibe - etwas "Dürerstadt" für Nürnberg - habe sie noch nie beeindruckt. Außerdem müsse das Image einer Stadt doch immer von den Bürgern gebildet werden.
So solle es ja auch sein, erklärte Oberbürgermeister Siegfried Müller (UsW), der bei den Zusammenkünften des Stadtmarketing-Vereins dabei war. "Es geht darum, das, was wir haben, mit Leben zu füllen und professionell nach außen zu tragen." Mit einem neuen Slogan sei es längst nicht getan: "Nur dafür wären 50 000 Euro rausgeschmissenes Geld."
Julia Then von der Tourist-Info Kitzingen betonte, dass die Schwierigkeit in der Umsetzung liege - das sei bei den STMV-Tagungen klar geworden. Bei der Profilbildung gehe es nicht nur um einen Begriff, sondern zum Beispiel auch um Wohnen und Wirtschaft; deshalb sei das Thema auch bei der Stabsstelle des Oberbürgermeisters angesiedelt.
Mehrere Räte, unter anderem Karl-Heinz Schmidt (UsW) und Jutta Wallrapp (FBW-FW), wandten ein, es gebe doch schon zahlreiche Ideen, ein Leitbild und Erfahrungen aus dem Städtebaulichen Entwicklungskonzept ISEK. Der OB entgegnete: "Die Profilbildung hat nichts mit anderen Konzepten zu tun."

"Da drin steckt eine Riesen-Chance", äußerte sich Bauamtsleiter Oliver Graumann ungewohnt emotional.

Er begrüße den SPD-Vorschlag sehr, da er in seiner Zeit in Potsdam die positiven Auswirkungen der Profilierung erlebt habe. Dieser "höchst professionell geführte Prozess" sei aufs Mittun der Menschen ausgerichtet. "Es geht nicht darum, einen Dritten zu beauftragen, der Sie bespaßt."
Diese Worte überzeugten Klaus Christof (KIK) nicht - im Gegenteil. Der Bürgermeister wetterte, dass sich schon eine ganze Industrie von externen Beratern aller Art gebildet habe, "weil in der Kommune niemand mehr selbst Verantwortung übernehmen will". Gerade das Individuelle, das Besondere einer Stadt könnten nur die Menschen vor Ort erkennen, "nicht der Dritte, der dafür bezahlt wird".
Es sei ein "schlechtes Bild, dass keiner der Verwaltung die Kompetenz hat, den Prozess selbst zu gestalten", ging Christof zum persönlichen Angriff über. Graumann ließ sich nicht provozieren und sagte nur: "Sie verstehen mich einfach nicht."
Nach der Wortschlacht beantragte Dr. Brigitte Endres-Paul schließlich namentliche Abstimmung, was Kopfschütteln und laute Missmutsbezeugungen auslöste. Der Antrag wurde dann auch mit 2:11 Stimmen abgelehnt. Dieses Ergebnis kommentierte Wolfgang Popp (KIK) mit den Worten "Schade, ich wollte eigentlich wieder mal in die Zeitung" - und sorgte so zum Schluss doch noch für einen gemeinsamen Lacher quer durch die Fraktionen.