Die Begeisterung steht Architekt Friedrich Staib ins Gesicht geschrieben, als er am Freitagnachmittag einer Besuchergruppe Details der Architektur für das neue Zentrum für Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE-Station) im Alten Hafen in Marktsteft erläutert. Dieser älteste Hafen Bayerns, der viele Jahre des Dornröschenschlafs hinter sich hat, soll demnächst nicht nur durch die Umweltstation des Landkreises, sondern auch durch ein Restaurant und ein Hotel eines Inklusionsbetriebs, eine Groß-Küche und Läden zu neuem Leben erweckt werden.

Rund 60 Personen nutzen bereits in der ersten Stunde die Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen des Alten Hafens zu werfen. Nachdem der Stadtrat Marktsteft einige Tage zuvor mit der Genehmigung des Haushalts und des Bauantrags grünes Licht für die Sanierung des Hafens gegeben hatte, sollte an diesem Freitagnachmittag auch die Öffentlichkeit einen Blick auf das immerhin gut sieben Millionen Euro teure Vorhaben werfen können.

Platz für Hotel, Restaurant und Geschäfte

Reichert hat die Begrüßung der Gäste übernommen, die immer wieder in kleineren Gruppen oder als Einzelpersonen und nicht nur aus Marktsteft, sondern auch aus umliegenden Gemeinden das Hafengelände über die Untere Maingasse betreten. Künftig sollen auf dem Platz vor den Gebäuden Fahrräder parken können. Die einstöckige Front dort wird Ladengeschäfte beherbergen, das größere Haus die Gastronomie und im Obergeschoss die Gästezimmer.

Links vorbei geht es zum neuen Haupteingang mitten in einer 70 Meter langen Gebäudefront, wo der Architekt wartet. In einem neu gestaltetem Foyer, so Staib, werden die Besucher auf die verschiedenen Einrichtungen verteilt: Rechts geht es in die BNE-Station, links in die Großküche und geradeaus in die Gastronomie – alles wird barrierefrei gestaltet. Der Blick aus diesem "Zentrum des Ankommens", wie es Staib bezeichnet, führt durch das Restaurant direkt auf das Hafenbecken.

Dass hier gestalterisch viel möglich ist, macht Staib mit wenigen Gesten deutlich: Da sind in den Wänden lange Stahlträger sichtbar, die Öffnungen darunter sind einfach nur zugemauert, was leicht wieder zu öffnen ist. Die fabrikähnliche Konstruktion der Hallen lädt zu großzügigen Lösungen ein.

Hohe preußische Kappendecken, die schon immer ausbetoniert waren, sollen erhalten bleiben. Der große Gastraum wird von vier alten gusseisernen Säulen geprägt. "Ich will mit dem Bestand umgehen, so wie er ist: mit vorhandenen Bruchsteinen, mit Ziegeln und mit Metall", sagt Staib, der gleichzeitig weiterdenkt.

Denn für ihn, der am gegenüber liegenden Mainufer in Sulzfeld lebt, ist diese Umweltstation mit allem Drumrum eine große Chance für das südliche Maindreieck, die Landkreisgrenze überschreitend, wie die ILEK es hier von Randersacker bis Sulzfeld auch schon macht. "Was passiert mit der Landschaft bei fortschreitendem Klimawandel?", fragt er mit Blick auf die Weinberge auf der anderen Mainseite. Antworten darauf könnte die Umweltstation gerade an dieser Stelle geben.

Wasser und viel Grün prägen diese Anlage, wie eine Fortsetzung des Rundgangs zeigt. Hinter dem Restaurant direkt am Hafen liegt der achteckige Rumpf des ehemaligen Krans – künftig die "Hafenbar" – und weiter folgt die Außenbewirtung des Restaurants, ebenfalls direkt am Wasser. Den Abschluss der Gebäude hin zum Main bildet der hohe Schornstein, der etwas mitgenommen aussieht, weil etliche der Backsteine schon aus dem Gemäuer gebrochen sind. Aber, so Reichert, die Statik ist geprüft - die Konstruktion hält. Sie muss nur etwas ausgebessert werden.

Und so könnte der hohe Kamin zu dem werden, was die Umweltstation, der gesamte Hafen für die Stadt Marktsteft und das gesamte südliche Maindreieck werden soll: ein Leuchtturm für die Region.