Der Landkreis Kitzingen könnte sich durchaus mit dem Begriff „Sonnenblumen-Landkreis“ schmücken. Rund 80 Prozent des gesamten unterfränkischen Sonnenblumenanbaus sind hier zu finden – im Kitzinger Raum stehen etwa die Hälfte der im Freistaat angebauten Pflanzen, weil sie die speziellen klimatischen Bedingungen schätzen.

„Trocken und mit Sonnenstunden bis in den Herbst, das sind die idealen Voraussetzungen“, erläutert Gerd Düll vom Amt für Landwirtschaft in Kitzingen bei einem Termin in Rüdenhausen. Vor allem eine speziell gezüchtete Sorte an Sonnenblumen, aus denen nach dem Mahlen das HO 90+, also „High oleic 90 plus“ wird, gedeiht dort prächtig.

Sehr sensibel sei die Pflanze. Nur wenige Kilometer weiter, in den höher gelegenen Lagen des Steigerwalds, funktioniere der Anbau schon nicht mehr. So sind die Sonnenblumen dieser speziellen Sorte für etwa 100 Landwirte einer Erzeugergemeinschaft im Landkreis Kitzingen zu einem wichtigen Standbein ihres Betriebs geworden.

In Rüdenhausen, wo Landwirt Uwe Pfeiffer seit 2003 eine Ölmühle zum Pressen der Körner betreibt, informierten das Amt für Landwirtschaft in Kitzingen zusammen mit Herbert Pfriem und Rudolf Schaller von der Erzeugergemeinschaft über die gegenwärtige Situation des Anbaus sowie über den derzeitigen Reifestand der Früchte.

Die Spezialsorte HO 90+ ist mit einem Gehalt von mehr als 90 Prozent Ölsäure als Produkt für Medizin und Ernährung, aber auch als Spezialschmiermittel bestens geeignet. Sie führt den höchste Gehalt an Ölsäure, der bei allen natürlichen Pflanzenölen erreicht wird, noch wesentlich höherer, als er bei Öl aus Raps oder Oliven liegt.

Deswegen ist der Anbau der HO 90+ Sonnenblumen eine Nische. Auf rund 750 Hektar Fläche bauen etwa 100 Betriebe im Landkreis diese Sonnenblumenart an. 35 Prozent des Ertrags geht in die Öl-Produktion, der Rest wird zu wertvollem, stark eiweißhaltigem Futter, etwa für Geflügel, verarbeitet.

Gleichzeitig gilt der Anbau dieser Sonnenblumen-Sorte im Landkreis als ein besonderes Beispiel für den Begriff der Nachhaltigkeit. Das Produkt wächst hier, es wird hier gelagert, gepresst und auch verarbeitet. „Durch die Erzeugerkette sind Sortenreinheit und Qualität gegeben, genau wie es der Abnehmer möchte“, erläutert der Vorsitzende der Gemeinschaft, Herbert Pfriem. „Für uns ist wichtig, dass das Qualitätsniveau gehalten wird“, betonte Gunter Eitel von der Firma DAKO. Nahezu alle Mineralöle in der Schmiermittel-Industrie können diese sogenannten Esteröle ersetzen. Die Gemeinschaft der Landwirte stellte sich um, von vormals hauptsächlich Getreideanbau auf die Nische mit den Sonnenblumen. Noch stünden die Pflanzen gut da, die Sonnenblumen vertrügen die Hitze mit am besten von allen Feldfrüchten.

Allerdings meinte es das Wetter in diesem Jahr nicht günstig mit den Sonnenblumen. Mitte April musste auf recht feuchten Böden gesät werden, die Pflanzen sind niedriger als sonst. Ob sich das auf den Ertrag auswirke, so Vorsitzender Pfriem, müsse man abwarten.

Wichtig wäre Regen im August, damit die Pflanzen weiter wachsen können. „Entscheidend ist die Wärme bei der Abreife im Herbst. Die Pflanze muss komplett ausreifen, wegen der hochwertigen Öl-Zusammensetzung. Die Wärme ist außerdem wichtig, weil sich sonst Schimmel bilden kann“, führt Pfriem aus. Für die Landwirte bringen Verträge mit dem Abnehmer eine gewisse Sicherheit. Den Preis regelt, wie bei Getreide, der Weltmarkt, die Aussichten sind nicht schlecht, gerade bei der Qualität. Vor etwa sechs Jahren schoss die Nachfrage nach Sonnenblumen nach oben, auf über 2000 Hektar Fläche wurden im Landkreis Kitzingen produziert, wie Gerd Düll ausführt. Mittlerweile sei der Anbau auf 750 Hektar zurückgegangen.

Begehrt ist das Öl aus den HO 90+-Sonnenblumen einerseits in der Industrie, wie Dr. Bastian Theis von DAKO verdeutlicht. „Für uns ist es eine sehr wichtige Rohstoffquelle“. Im Bereich Nahrungsmittel hat das Öl aus den heimischen Sonnenblumen ebenso große Wertschätzung. Das kalt gepresste Öl wird von Handelsketten wie Edeka gezielt als Produkt aus der Region vermarktet. Zudem soll auch die Vermarktung des beim Pressen abfallenden Materials als hochwertiges Tierfutter weiter voran getrieben werden.