Heulende Motoren, röhrende Auspuffanlagen, Reifen, die qualmend quietschen bis sie platzen. Alles Geräusche, die Ottonormalverbraucher binnen kürzester Zeit auf die Palme bringen und zum Telefon greifen lassen, um die Polizei zu rufen. Nicht so in Geiselwind.

Da jagt das Geräusch einer getunten Auspuffanlage, von durchdrehenden Reifen oder einem aufbrüllenden Motorradmotor mit einer Geräuschentwicklung eines startenden Düsenflugzeugs, den Fans höchstens wohlige Schauer über den Rücken. Wo Uneingeweihte erschreckt zusammenzucken, huscht ihnen ein freudiges Lächeln übers Gesicht.

Wir sind in Geiselwind beim 12. Bike and Music Weekend. Es ist Samstagvormittag, das Thermometer strebt der 30 Grad Marke entgegen. Seit Donnerstag wird hier gefeiert. Und zwar nicht nur ein klein wenig, sondern es wird richtig Party gemacht. 15 Bands an vier Tagen, fast rund um die Uhr - das geht an die Substanz.
Rings um den Ort stehen Zeltstädte. Ein Shuttleverkehr bringt die Besucher von dort aufs Festgelände.

Zwischen Zelten und Pavillons qualmen bereits seit dem Vormittag die Grills. Ein kräftiges Steak zum Frühstück als Grundlage muss sein. Einige, die es in der Nacht nicht mehr bis in ihr Zelt geschafft haben, schlafen noch seelenruhig - ungeachtet des schnell zunehmenden Trubels ringsum - auf dem Grünstreifen am Rand des Geländes. Tropentemperaturen plus Bier Hard-Rock und Heavy-Metall Musik fordern ihren Tribut.


Pausenlos treffen Besucher in kleinen und größeren Gruppen ein. Motorradclubs, erkennbar an ihren „Kutten“, sind aus ganz Deutschland angereist. Es sind wild aussehende Burschen dabei und Mädels mit nichts außer knappen Tops und Hotpants bekleidet auf schweren Maschinen. Kaum jemand, der seinen Körper nicht mit Tattoos hat verzieren lassen. Ein Muskelpaket trägt auf dem Rücken eingraviert sogar das Abbild des Motorblocks seiner Harley Davidson.

Das Kultmotorad ist hier in allen Variationen vertreten: Chopper, Sportster, Streetbikes, aber kaum eines von der Stange. Fast alle tragen die ganz persönliche Handschrift ihrer Besitzer. Mal in mattem Schwarz, meist mit viel Chrom, eines sogar mit vergoldetem Rahmen, ziehen sie die Besucher an wie Magneten. Neben den Harleys sind auch einige bullige Kraftpakete der raren US-Marke Buell zu sehen.



Doch nicht nur schwere Motoräder sind ausgestellt. Kinder, Jugendliche und Erwachsene flitzen auf minimalistischen Pocket-Bikes und Quads, teilweise mit Beiwagen an der Seite, zwischen den Besuchern umher. Fantasiekonstruktionen aus Holz, eine fahrende Biertischgarnitur, ein aus eisernen Gitterkörben zusammengeschweißtes Gefährt, eine Stretch-Limousine mit Pool an der Stelle, wo sonst zwei Sitzreihen sind oder ein selbstfahrender Wohnwagen auf drei Rädernd, rufen kopfschüttelndes Erstaunen hervor.

Motorräder, mit Ofenrohren oder Schalltrichtern als Endschalldämpfer und vor allem die ausgestellten Dragster sind dicht umlagert. Bis zu 3000 PS bringt so ein Rennmotor auf die Straße. Die enorme Leistungen wird durch mechanische Aufladung und die Verwendung spezieller Kraftstoffe wie Methanol oder Nitromethan erzielt. Begeistert sind die Besucher von den zahlreichen US-Cars und Hot-Rods.

Letztere sind meist mit V8 Motoren aufgemotzte Straßenfahrzeuge aus den 40er und 50er Jahren, die in den USA Kultstatus genießen und auch hier immer mehr Liebhaber finden. Beifall gibt es für ein Gruppe Mädels, die sich – mit so gut wie nichts am Körper - auf der Bühne liebevoll der Motorradwäsche widmet oder für die Girls, die ihren Körper beim Body-Painting in ein Gesamtkunstwerk verwandeln lassen.

Tägliche Höhepunkte der vier heißen Tage von Geiselwind sind einmal mehr die atemberaubenden Stunt-Shows von Rainer Schwarz, Ricardo Domingos und Oliver Ronzheimer. Nicht minder atemberaubend, vor allem wegen des dabei kiloweise verbrennenden und sich in beißenden Qualm auflösenden Reifengummis, der „Burnout“ Wettbewerb.

Das Bike and Music Weekend, das erstmals vor 17 Jahren stattfand, hat bis heute nichts von seiner Faszination verloren. Die Zahlen sprechen für sich: Zwischen 20.000 und 25.000 Besucher, bis zu 8000 Bikes und über 100 US-Cars haben auch heuer wieder den kleinen Ort im Steigerwald angesteuert.