Die Liste ist lang. Etliche Einträge hat der Mann schon im Bundeszentralregister stehen. Doch die bisherigen Verfahren wegen Beleidigung, Betrugs, Diebstahls, Hausfriedensbruchs, Bedrohung, Leistungserschleichung, vorsätzlichen Vollrausches, Trunkenheit am Steuer und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte haben den 53-Jährigen aus dem Landkreis offensichtlich wenig beeindruckt.

Jetzt stand er schon wieder vor dem Richter. Als er wegen Sachbeschädigung vor dem Richter stand, räumte der jetzige Rentner vorbehaltlos ein, in einer Filiale der Sparkasse Mainfranken aus Frust einen Prospektständer und acht größere Blumentöpfe im Wert von 828 Euro umgeworfen und zerstört zu haben. "Das ist alles so passiert", kommentierte er die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft. Er kam ohne Rechtsbeistand, wurde aber von seinem Betreuer begleitet. Eine Begründung für sein Verhalten lieferte er gleich mit. Zwei Tage hintereinander habe er bei besagter Sparkasse vorgesprochen und sich nach einem Geldeingang erkundigte. Das Geld sei am 24. überwiesen worden, am 31. aber immer noch nicht da gewesen.

Seinem kleinen Sohn, den er in Abwesenheit der Mutter versorgt, hatte er ein Geschenk versprochen. Für ihn sei es einfach unerklärlich gewesen, weshalb auch die Bank nicht wusste, wo das Geld geblieben sein konnte. "Am ersten des Monates wäre das Geld gepfändet gewesen", wusste er. Er habe eine unheimliche Wut verspürt und Ärger, denn die Angestellten hätten ihn wegen seiner ständigen Nachfragerei auch noch ausgelacht.

Mit ein wenig Stolz bekannte er, sich bei den bisherigen Verhandlungen jeweils selbst verteidigt zu haben. Er beklagte jedoch, dass jeder schon bei einer Kleinigkeit die Polizei hole. Inzwischen glaube er schon deshalb schuldig zu sein, weil er als stadt- und amtsbekannt gelte.
"Mein Ärger hatte an diesem Abend eine gewisse Klimax erreicht", gestand er. Die Betreuung sei er freiwillig eingegangen, da ihm "schon mal der Vogel rausfliege". Er könne nicht verstehen, wie er vor Gericht als strafmündiger Bürger, von der Bank aber als Idiot behandelt werde.

"Es ist mir durchaus bewusst, dass ich fehlerhaft gehandelt habe, dafür muss ich bestraft werden", gab er unumwunden zu. Zugleich versprach er, zukünftig gelassener zu reagieren. Zur Schadensregulierung bot er an, ab Dezember 2012 monatlich 50 Euro aufzubringen. Angesprochen habe ihn deswegen noch niemand.

Gestörte Impulskontrolle


Der Betreuer sprach von einer gestörten Impulskontrolle und wies auf rückständige Miet-, Gerichts- und Umzugskosten hin, die voraussichtlich nicht zu begleichen seien. Der Staatsanwalt stellte fest, dass die Verurteilungen mit Geldstrafen bislang keinerlei Wirkung zeigten und nun ein hoher Sachschaden verursacht wurde. Eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten sei deshalb angemessen. Wegen erneuter Wiederholungsgefahr sei eine Bewährung nicht zu rechtfertigen.

In durchaus gepflegter Wortwahl stellte der Angeklagte dar, ein solches Plädoyer schon erwartet zu haben. Die Straftaten seien zwar aus Frustration entstanden, nicht aber aus Jux und Tollerei. Er sei kein wildes Tier und wolle keine Straftaten mehr begehen. Garantieren könne er das allerdings nicht, auch nicht nach einem Gefängnisaufenthalt.

Sein Betreuer ergänzte, dass er sich eine Strafe mit ambulanter psychotherapeutischer Behandlung als Auflage und Bewährung gut vorstellen könne. Den Angeklagten hielt er dafür geeignet. Der wiederum räumte ein, damit leben zu können.

Sechs Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung mit dreijähriger Bewährungszeit lautete schließlich das Urteil. Richter Marc Betz ließ das nicht überwiesene Geld nicht als Grund gelten, dermaßen auszurasten - selbst wenn der Angeklagte dringend auf das Geld angewiesen gewesen sei. Der Sachschaden sei zudem nicht unerheblich.

Auch wenn er es für sehr wahrscheinlich hält, dass der Angeklagte wieder vor Gericht erscheinen wird, setzte er Vertrauen in den Angeklagten. Der Richter machte die Teilnahme an einer Therapie zur Auflage. Diese ambulante Therapie müsse er antreten und auch beenden. Zusätzlich sind 120 Stunden soziale Hilfsdienste abzuleisten.
"Ich gebe Ihnen den guten Rat, die Auflagen einzuhalten, sonst geht es ab in den Knast", gab der Richter dem Angeklagten mit auf den Weg. Nach drei Jahren könne die Strafe erlassen werden.