Die St. Nikolaus Kapelle, im hinteren Teil der katholischen Stadtpfarrkirche St. Bartholomäus untergebracht, barg lange Zeit ein Geheimnis. Entdeckt wurde es 1990, als der Backsteinfußboden geöffnet wurde. Zum Vorschein kam eine kleine Fahne, die sich nach einem Gutachten als eine ehemalige Wallfahrtsfahne aus dem ersten Drittel des 17. Jahrhunderts entpuppte. Sie war regelrecht bestattet worden. Wann genau, warum und von wem, wird sich wohl nie herausfinden lassen, sagt Claudia Entschladen, freiberufliche Textilrestauratorin aus Bamberg. „Doch sie war angesichts der unbekannten Zeit unter dem Fußboden in einem überraschend guten Zustand“, berichtete die Restauratorin. Im Gottesdienst in der Stadtpfarrkirche, der die Wallfahrt nach Burgwindheim abschloss, stellte Entschladen die neue alte Fahne in der proppevollen Kirche vor und erntete für ihre Arbeit stürmischen Applaus.

Der Stoff der Fahne ist Seidendamast, die Farbe wird wohl Purpur gewesen sein, „ein sehr dunkles Lila“. Die Musterung des Stoffes legte die Vermutung nahe, dass die Fahne ungefähr zwischen 1600 und 1630 entstanden sein könnte, „aus dieser Zeit sind noch sehr viele Fahnen mit einem solchen Muster erhalten geblieben“. Da die Pfarrei die Fahne gern restauriert haben wollte, erging ein Spendenaufruf an die Bevölkerung, und es kam genug Geld zusammen, um die Restaurierung in Auftrag zu geben. Gut einen Monat war die Restauratorin beschäftigt, „die Fahne hat ja auch eine überschaubare Größe“, sagte Entschladen. Außerdem war sie trotz ihres möglichen Alters und der „unbekannten Verweildauer“ unter dem Backsteinfußboden in einem wirklich erstaunlich guten Zustand. „Sie lag ja nicht nur viele Jahrzehnte im Boden, sondern war auch als Wallfahrtsfahne benutzt worden, deshalb ist ihr wirkliches Alter nur sehr grob zu schätzen.“ Natürlich wird die Fahne jetzt bei den nächsten Wallfahrten mit eingebaut werden.