Für ein besonders Jubiläum zeichnete Iphofens katholischer Pfarradministrator, Pater Adam Was, im Sonntagsgottesdienst Berthold Ruß aus. Der Iphöfer erhielt eine Ehrenurkunde der Erzdiözese Bamberg und einen Geschenkkorb für seine 50-jährige Organistentätigkeit. "Es ist ein Geschenk für eine Gemeinde, wenn sie einen guten Organisten hat", sagte Adam Was am Palmsonntag und lobte: "Sie sind seit fünf Jahrzehnten ein wichtiger Baustein am lebendigen Haus Gottes."

Während dieser langen Zeit hat Ruß Generationen von Gläubigen auf ihrem Lebensweg bei freudigen Anlässen wie Taufen, aber auch bei vielen Beerdigungen, mit seiner Musik begleitet. "Sie haben es mit Ihrem Orgelspiel verstanden, immer wieder die Herzen der Menschen zu berühren und gleichzeitig die Menschen zum Lobe Gottes zu führen", würdigte der Pater den Jubilar. Und der Pfarradministrator bedankte sich im Namen der ganzen Pfarrei mit einem Vergelts`Gott: "Sie haben zuverlässig, freundlich und ehrwürdig einen beispielhaften Dienst geleistet."

Berthold Ruß war das Musizieren förmlich in die Wiege gelegt worden, war sein Vater Franz Ruß doch studierter Musiker gewesen. Bei ihm lernte Berthold Ruß das Klavierspielen. Als sein Vater erkrankte, fragte der damalige katholische Pfarrer in Hüttenheim, Franz Bünger, den damals 16-Jährigen, ob er denn nicht einspringen könnte. "Es war genau der 23. März 1971, als ich meinen ersten Gottesdienst spielte", erinnert sich der heute 66-Jährige noch gut. Bis 1990 war er alleine Organist in Hüttenheim, ehe Christian Brückner dazu kam.

Berthold Ruß wechselte 1990 nach Sulzfeld, und seit 2008 bedient er die Orgel in der Iphöfer Stadtkirche. "Ich habe aber auch schon in mehreren anderen Kirchengemeinden ausgeholfen", sagt der Jubilar, der nicht lange fragt, wenn er um Hilfe gebeten wird. Dann kann es schon vorkommen, dass er an einem Wochenende drei bis vier Einsätze bestreitet. Dabei spielt er auf unterschiedlich gebauten Orgeln. Während er in Hüttenheim wie auch in Sulzfeld mit Blickrichtung zum Altar spielte, sitzt er in Iphofen genau andersherum. "Man muss schon regelmäßig üben, um gewappnet zu sein", sagt der Organist, der am liebsten Weihnachts- und Marienlieder spielt.

Gewöhnlich bekommt er zehn Minuten vor Gottesdienstbeginn den Liederzettel von den Geistlichen wie Adam Was in Iphofen oder einige Jahre von Jürgen Taumüller in Sulzfeld. Bisweilen wird er auch von Gruppen zum Orgelspielen gebucht. In 50 Jahren blieben auch kuriose Erlebnisse nicht aus. So war vergangenes Jahr etwas mit der Urlaubsvertretung für Adam Was etwas schief gelaufen, was dazu führte, dass der Gottesdienst erst mit einer halben Stunde Verspätung starten konnte, bis ein Pater als Ersatzmann aus dem Kloster Schwarzenberg in Scheinfeld gefahren kam.

Zuhause übt er auf einem Harmonium oder einem Keyboard, um alles aus dem Eff-Eff zu beherrschen. Für den Hausgebrauch spielt der musikalische Mann, der seit langen Jahren im Sulzfelder Gesangverein singt, auch Gitarre und Akkordeon. Ob Gesang oder instrumental, es vergeht kaum eine Woche, in der Berthold Ruß das Lob Gottes musikalisch verkündet oder in einer anderen Form das Hobby Musik auf der Agenda steht.