„Was kann der heilige Benedikt den Menschen von heute über Arbeit, Sehnsucht nach Freiheit oder Würde sagen?“ Das fragen gleich zwei Ausstellungen, die bis zum 29. Juli jeweils Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr in den Räumen des Egbert-Gymnasiums zu sehen sind. Eine davon entstand in Münsterschwarzach. Schüler der fünften bis zehnten Klasse schufen Holzstelen, die in zehn Stationen in das Leben des heiligen Benedikts einführen.

Die Schüler lasen zunächst Texte aus der Vita Benedikts und drangen dabei in die Glaubens- und Lebenswelt des Mittelalters ein, berichtete Religionslehrerin Esther Zeiher. Dann setzten sie ihre Gedanken und Empfindungen in Kunstwerke um: aus zwei Meter hohen Holzblöcken entstanden Stelen. Eindrucksvoll helfen die in der Schulkapelle aufgestellten Kunstwerke, die einzelnen Lebensabschnitte des Heiligen zu verstehen. Dabei werde auch das innere Reifen Benedikts im Ruf Gottes erfahrbar.

Die zweite Ausstellung „Mit unseren Händen, aber mit deiner Kraft“ entstand 2006 in Kloster Cascinazza bei Mailand. Sie versuche zu zeigen, was Benediktiner ausmachen und wonach und woraus sie leben„, führte Bruder Julian Glienke in deren Thematik ein. Es gehe Benedikt immer um etwas Größeres, um eine Perspektive, die den Menschen übersteige. Das gelte für alle Bereiche des Lebens. Gerade in den heutigen unruhigen, krisenhaften Zeiten Europas könne nur die Überwindung der reinen Zweckorientierung Antworten auf die drängenden Zukunftsfragen geben.

Arbeit und Gebet

Den Festvortrag zur Vernissage hielt Abt Theodor Hausmann aus der Benediktinerabtei St. Stefan in Augsburg. Er hob vor allem die Sicht Benedikts auf Bildung und Arbeit hervor. Unter anderem auch den menschlichen Umgang Benedikts mit dem Scheitern. Einen Mitbruder tröstete dieser nach einem großen Missgeschick: „Sei nicht traurig, gehe einfach wieder an deine Arbeit!“ Die Arbeit gebe im Leben äußerliche Orientierung und Zukunftsausrichtung.

Es gehe dabei jedoch nicht nur um die Sicherung des Lebensunterhaltes, sondern auch um eine innere Haltung. Verbunden mit dem Gebet und dem Gottesdienst seien die Werke der Hände genauso Teil des geistigen Weges der Mönche. Sie wiesen den Benediktiner darauf hin, dass Aufbauen und Wachstum Lebensaufgabe sei. Gott habe den Menschen dabei das Miteinander-Bauen anvertraut. Von dieser Haltung könnte Europa viel lernen, war sich Hausmann sicher.

Wenn man um die Freiheit und auch die Möglichkeit des Nein-Sagens wisse, könne man überzeugt Ja sagen. Dies gehe aber nur, wenn Menschen spürten, dass sie zu einem Ziel Ja sagten, das ihnen helfe zu leben, sagte der Abt. Eine Antwort auf die aktuellen Terroranschläge könnte nicht das Klammern an vermeintliche Sicherheit geben, sondern nur eine persönliche Lebensüberzeugung. Hier könnten die Christen der Gesellschaft ein kraftvolles Bild einer verheißungsvollen Zukunft schenken. Das Gegenteil davon, nämlich narzisstische Verirrung, die nicht nur in der Politik herrsche, zerstöre Europas Zukunft.

Im Anschluss an den Vortrag vertieften Generaloberin Schwester Katharina Ganz (Oberzell), Studiendirektor Herbert Müller (Leiter des Tagesheims) und Joseph Oertel (Schülersprecher des EGM) im Podiumsgespräch mit Abt Theodor die Impulse aus dem Festvortrag.

Musikalisch gestaltet wurde die Feierstunde von Katharina Gebauer (Klarinette) und Pater Rhabanus Erbacher (Klavier) sowie Johannes Hiebl (Violine) und Amos Kroth (Klavier).