Das Klärwerk Kitzingen an der Straße nach Marktsteft ist 36 Jahre alt. Dennoch lieferte es auch 2016 „hervorragende Reinigungsleistungen“. Und es ist auf dem Weg zur energieautarken Anlage. Das heißt, es produziert in absehbarer Zeit soviel Strom und Gas, wie es selbst verbraucht.

Seit 2013 Baustelle

Das geht aus dem Jahresbericht von Betriebsleiter Jürgen Orth hervor. Der arbeitet mit seinen Kollegen seit 2013 auf einer Baustelle. Seit drei Jahren wird die rund 8,8 Millionen Euro teure Generalsanierung der Anlage Stück für Stück verwirklicht. Bis alle Maßnahmen umgesetzt sind, wird es vermutlich bis 2020 dauern.

Runderneuerte Anlage

Dann haben die Kitzinger und die an der Anlage beteiligten Partnergemeinden (Rödelsee, Sulzfeld, Marktsteft, Buchbrunn und Mainbernheim) eine runderneuerte Kläranlage. Wobei Betriebsleiter Jürgen Ort bei einem Baustellenbesuch vor ein paar Monaten klar stellte: „Wir machen nichts Neues, wir sanieren vor allem die Altanlagen.“

Einige Daten

Das im Jahr 1980 in Betrieb gegangene und 1990 erweiterte Klärwerk ist auch heute technisch auf dem neuesten Stand. In seinem Bericht hat Orth Daten zusammengetragen.

Danach wurden 2016 4,3 Millionen Kubikmeter Abwasser gereinigt. Seit Inbetriebnahme sind 157 Milliarden, 437 Millionen und 470 Tausend Liter gereinigt worden, hat Orth ausgerechnet.

Seit 2004 erhält das Werk für seine Reinigungsleistungen jeweils die Note eins. Die biologische Reinigung erreicht 99 Prozent. Die organische und anorganische Belastung des Abwassers wird um 96 Prozent reduziert. Bei der Stickstoffbelastung sind es 85 und beim Phosphor sind es 93 Prozent. Zusammengefasst ist das die „hervorragende Reinigungsleistung“, die Orth erwähnt.

Energie eingespart

Punkten kann das Werk auch in Sachen Energie. So wurde der Stromverbrauch seit 2013 von 1,35 Millionen Kilowattstunden auf rund 1,15 Millionen um 15 Prozent gesenkt. Beim Strom, der zugekauft werden musste, gab es eine Reduzierung vom 65 Prozent. 100 000 Euro Einsparungen waren das allein 2016. Der Verbrauch von Erdgas reduzierte sich um 70 Prozent. Kosteneinsparung: 40 000 Euro im Jahr.

Blockheizkraftwerke

Möglich gemacht haben das einmal die 2013 installierten Blockheizkraftwerke, die neben Strom auch Abwärme produzieren. Die haben 560 000 Euro gekostet und haben sich nach vier Jahren komplett amortisiert, so Orth.

Abwasser aus Prichsenstadt

Erheblich verbessert wurde die Energiebilanz durch die Annahme von Abwasser eines Lebensmittel produzierenden Betriebs aus Prichsenstadt. Das hoch konzentrierte Abwasser verbessert die Faulgasproduktion. Mit dem Gas wird im Klärwerk Kitzingen so viel Strom erzeugt, dass sich die selbst eine kostenlose Annahme dieses Abwassers rechnet.

Bald autark

Unterm Strich hat das Klärwerk 2016 exakt 74 Prozent der benötigten elektrischen Energie selbst erzeugt. Orth ist sich sicher: Mit der Inbetriebnahme der Photovoltaikanlage in diesem Jahr ist das Werk auf dem Weg zu „einer rechnerisch fast autarken Anlage“.

Bei Wärme das Ziel erreicht

Das Ziel einer wärmeautarken Anlage sei erreicht. Der komplette Wärmbedarf für die Faulbehälter, in denen der Faulschlamm auf 40 Grad erhitzt wird, die Heizung des Betriebsgebäudes und die Warmwassererzeugung wird durch die Abwärmenutzung der Blockheizkraftwerke gedeckt.

Noch viel zu tun

Damit fällt der Rückblick positiv aus, der Ausblick auf 2017 arbeitsreich. Zwölf Maßnahmen sind in der Planung. Die reichen von Austausch der Belüfterelemente in der Belebungsbecken, über den Bau der schon erwähnten Photovoltaikanlage bis zum Austausch von Steuerungselementen, für die es keine Ersatzteile mehr gibt.