Eine missglückte Baumfällaktion am Rand der Bundesstraße 286 ist für einen 27-Jährigen richtig teuer geworden. Bei der Aktion im Januar 2020 fiel ein Ast auf die Straße, beschädigte ein Auto und die Leitplanke. Den dabei entstandenen Schaden von rund 40000 Euro zahlt der Mann in Raten ab. Jetzt sind noch 3600 Euro dazu gekommen.

Das Amtsgericht Kitzingen hat den Handwerker zur 60 Tagessätzen zu 60 Euro verurteilt, wegen eines fahrlässigen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr.

Der Mann hatte einen Strafbefehl bekommen, Einspruch eingelegt und den auf die Rechtsfolgen beschränkt. Damit hatte er die Vorwürfe eingeräumt, quasi ein Geständnis abgelegt. Der Sachverhalt war also in der Verhandlung vor dem Amtsgericht klar: Der Mann wollte aus Gefälligkeit einem Bekannten helfen und einen Baum in der Nähe der B 286 bei Wiesentheid entfernen. Dabei ist dann einiges schief gelaufen.

"Das Schwert der Motorsäge blieb in dem Stamm stecken", erzählte der in Holzarbeiten erfahrene Mann dem Gericht. Als er dann den Baum von der anderen Seite ansägte, passierte es. Der Stamm verdrehte sich, fiel trotz einer eingesetzen Seilwinde in Richtung Straße auf einen anderen Baum. Dort löste sich ein Ast, fiel auf die Straße und traf einen vorbeifahrenden Volvo.

Schlaflose Nächte

"Da war ein Schutzengel im Spiel", sagte Richterin Patricia Finkenberger nach dem Blick auf die Unfallfotos: "Sie haben unheimliches Glück gehabt, dass da niemand verletzt wurde."  "Gott sei Dank", sagte der Angeklagte, "ich habe heute noch schlaflose Nächte". Auch wenn es keinen Personenschaden gab, an dem entstandenen Sachschaden wird er noch lange zu knabbern haben. Der hat sich auf rund 40000 Euro summiert, rechnete sein Anwalt vor. Eine Versicherung gebe es nicht. "Für die nächsten Jahre wird er damit zu tun haben, 500 Euro pro Monat zurückzuzahlen."

"Unglückliche Umstände"

Klar war allen Beteiligten, dass nicht nur der Schutzengel im Spiel war, es war auch eine "Verquickung unglücklicher Umstände", die zu dem Unfall führten. Es stand aber auch fest: Mindestens zwei Fehler hat der Holzfäller gemacht: Einmal ist der Sicherheitsabstand von mindestens einer Baumlänge zur Straße nicht eingehalten worden. Zum anderen war die bei der Aktion verwendete Seilwinde zu schwach, um den Baum zu halten. Unterm Strich ergibt sich so ein "fahrlässiger gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr".

Und für den forderte der Staatsanwalt auch wegen des "enormen Schadens" 90 Tagessätze zu 60 Euro. Die Höhe der Tagessätze hielt der Verteidiger für angebracht, bei der Anzahl schlug er mit Blick auf seinen nicht vorbestraften und geständigen Mandanten eine Reduzierung an. So kam es dann auch. Am Ende waren es 60 Tagessätze und insgesamt 3600 Euro. Die Kosten des Verfahrens kommen noch dazu. Unterm Strich ein hoher Preis für eine "reine Gefälligkeit".