Kontinuität ist Trumpf, und dauernde Arbeit mit Kindern ist Alltag in der Frühförderstelle der Kitzinger Lebenshilfe. Zwar hat es einen Leitungswechsel gegeben, weil Brigitte Sauer-Geipel als 60-Jährige kürzer treten wollte. Doch davon ist in der Einrichtung nichts zu spüren. Der Übergang der Verantwortung zu den neuen und gleichberechtigten Leiterinnen Christine Geschwandter und Julia Armbruster verlief völlig geräuschlos.

Sie teilen sich die Leitungsfunktion und arbeiten dennoch in der direkten Arbeit mit den Kindern weiter. Und in ihrer Vorgängerin haben sie bei Bedarf eine gute Ratgeberin. Brigitte Sauer-Geipel hatte die Frühförderstelle 28 Jahre geleitet und hörte dann nicht auf, sondern die Diplompädagogin rückte als Halbtagskraft nur ins zweite Glied.

Als sie 1987 dort begonnen hatte, waren es noch fünf Mitarbeiter für 36 betreute Kinder, heute sind es 192 Kleinkinder, um die sich 19 Mitarbeiter kümmern. Sie machte zwei Umzüge von der St. Martin-Schule zur ehemaligen Rheindorf-Praxis in der Friedrich-Ebert-Straße und später zum heutigen Standort in der Inneren Sulzfelder Straße mit. Die Frühförderstelle betreut rund 60 Prozent der Kleinkinder im Haus und die anderen im heimischen Wohnumfeld. Teilweise sind die betreuten Kinder erst wenige Monate als, meist geht es um Entwicklungsverzögerungen, aber auch um Verhaltensauffälligkeiten wie ADHS, teilweise sind es auch behinderte Kinder.

"Es geht oft um ganz banale Dinge wie das Krabbeln und Laufen oder den Kindern Spaß an ihrer Stimme zu vermitteln", sagt Julia Armbruster. Ein zentrales Ziel ist es, die Kindern das Spielen zu lehren und darauf einzuwirken, dass das auch die Eltern übernehmen. Die Arbeit der Pädagogen und Therapeuten sei im besten Sinne Hilfe zur Selbsthilfe für Familien und Erziehende. In der Regel erfahren die Kinder zwei Stunden pro Woche Pädagogik oder Therapien.

"Wir haben ein super engagiertes Team, das mit allen Eventualitäten zurechtkommt", findet Christine Geschwandtner. In den vergangenen Jahrzehnten habe sich das Verhältnis von den Frühförderstelle-Mitarbeitern geändert, heute werden die Eltern mehr als Partner gesehen. "Wir verstehen uns eher als Begleiter in einem Lebensabschnitt und arbeiten nicht mit dem erhobenen Zeigefinger", versichert Christine Geschwandtner. Ihre Kollegin Julia Armbruster findet die Elterngruppen-Angebote der Lebenshilfe als sehr hilfreich, können sich doch dort betroffene Eltern austauschen und sich in der Betreuung und Erziehung ihrer Kinder ergänzen.

"Es läuft alles bestens bei uns, nur eine noch bessere staatliche Finanzierung wäre hilfreich", meint Brigitte Sauer-Geipel. "Der Freistaat Bayern leistet sich eine sehr umfassende Form der Förderung, die deutschlandweit führend ist", meint Julia Armbruster, die deswegen relativ zufrieden zeigt mit der staatlichen Finanzierung, auch wenn es noch besser sein könnte. "Hoffentlich ist die Corona-Pandemie bald vorbei", äußert Christine Geschwandtner einen Wunsch, denn wegen der Beschränkungen sind seit geraumer Zeit keine Gruppenangebote möglich.