Kleinlangheim war eine Hochburg des Zwetschgenanbaus in Franken. Allerdings ist davon nicht viel geblieben. Zwei Frostjahre (1924 und 1929) und ab den sechziger Jahren die Mechanisierung der Landwirtschaft und die Flurbereinigung verdrängten den Zwetschenanbau. Die 100-Jahr-Feier des Fränkischen Klein- und Obstbrennerverbands auf der Würzburger Festung dieses Jahr rückte Kleinlangheim wieder in den Blickpunkt, denn hier war der Zusammenschluss 1914 gegründet worden.

Andrea Bätz aus Obervolkach ist Geschäftsführerin des Fränkischen Klein- und Obstbrennerverbands mit seinen 1700 Mitgliedern und hat gemeinsam mit Kleinlangheims Bürgermeisterin Gerlinde Stier über die Marktgemeinde die Geschichte des Obstanbaus recherchiert. Stier weist auf das Gemeindewappen hin: Das Schaf im unteren Teil belegt das Schafrecht aus dem Jahr 1441; auf der anderen Seite steht ein Obstbaum, der im 19. Jahrhundert nachträglich ins Wappen aufgenommen wurde – als Symbol für den ausgeprägten Zwetschgenanbau und die damit verbundenen Brennrechte.

In Pfarrbüchern von 1833, 1864 und 1914 ist die Blüte des „Zwetschgendorfs“ festgehalten, was der Heimatforscher und Geschäftsführer des Kirchenburgmuseums in Mönchsondheim, Reinhard Hüßner, beschreibt: Der brandenburgische Kastner Fenk, zugleich ein großer Kleinlangheimer Bauer, setzte um 1745 auf seinen Sandfeldern Zwetschgenbäume. Der Erfolg reizte andere Bauern zur Nachahmung. Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts habe Kleinlangheim geradezu ein Monopol im Zwetschgenanbau und -handel besessen.

1878 standen in der Gemarkung 19 000 Zwetschgenbäume. Das Dorf zählte gerade einmal 1200 Einwohner, so die Aufzeichnungen in der Dorfchronik. „Unsere Frankenzwetschgen waren noch vor 100 Jahren ein namhafter Handelsartikel auf den Obstmärkten“, fand Stier heraus. In England waren die Kleinlangheimer Dörrzwetschgen besonders beliebt und fanden ihren Weg sogar bis nach Übersee.

Auch beim Veredeln der Zwetschgen waren die Kleinlangheimer erfahren. Es gab in der Gemeinde noch bis vor dem Zweiten Weltkrieg über 50 Brennrechte. Großbrennereien aus Würzburg und dem Rheinland kauften hier ein. Nach den Frostjahren mussten Tausende Bäume gerodet werden. Auch die Konkurrenz aus dem Rheinland und dem Ausland bewirkten den Absatzrückgang.

Auch nach der Flurbereinigung und dem Wandel in der Landwirtschaft, die Kleinlangheims Zwetschgenanbau klein gemacht haben, blieb die Zwetschge für die fränkische Brennkultur prägend, hält Verbandsgeschäftsführerin Andrea Bätz fest: 1989 wurden die Begriffe Fränkisches Zwetschgenwasser, Fränkisches Kirschwasser und Fränkischer Obstler von der Europäischen Union geschützt.

Ziel des Verbandes ist laut Bätz, mit der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau die Zwetschge als „hochkarätiges“ Produkt neben dem Wein zu etablieren.