Als Verantwortlicher für die Wirtschaftsförderung im Kitzinger Landratsamt überblickt Frank Albert die Bedeutung, die 5G-Mobilfunk nicht nur für die heimische Wirtschaft hat. Das Thema ist ein Entscheidendes, findet er.

Frage: Reicht LTE (4G) nicht für die meisten Anwendungen aus? Warum braucht es überhaupt 5G?

Frank Albert: Für viele Anwendungen von privaten Nutzern reicht LTE momentan noch aus. Hier gilt jedoch, dass sich die Technik weiterentwickelt, täglich neue Apps und Anwendungen auf den Markt gebracht werden und sich – einhergehend mit der schnell wachsenden Anzahl 5G-fähiger Endgeräte – entsprechend neue Anwendungen etablieren werden, für die eine LTE-Bandbreite nicht mehr ausreicht. Im Bereich der wirtschaftlichen Nutzung wird LTE zukünftig nicht mehr ausreichen. Die Automatisierung und Digitalisierung der Wirtschaft – von der Produktion hin zur Dienstleistung jedweder Art – verlangt eine stabile Netzinfrastruktur. Schon jetzt setzen zunehmend mehr Unternehmen auf eigene 5G-Campus-Netze. Man muss sich vor Augen führen: 5G hat eine bis zu 40-mal schnellere Signallaufzeit als LTE. Die Verzögerung beträgt nur noch eine Millisekunde. Reaktionszeiten, die Menschen nicht wahrnehmen können. Im wirtschaftlichen Kontext geht es um Bandbreite, da der Datenaustausch zwischen Maschinen, Anlagen und Robotern immer mehr im Fokus einer Smart Factory steht. Eine weitere Anwendung, die ohne 5G gar nicht möglich ist, ist das autonome Fahren. Ausgehend von den Städten und Metropolen wird das autonome Fahren auch den ländlichen Raum erreichen. Um hier nicht den Anschluss zu verlieren, muss der ländliche Raum jetzt in die Infrastruktur der Zukunft investieren.

Spielt 5G als Standortfaktor schon jetzt eine Rolle?

Albert: Schnelles Internet – und das zeigt uns auch die aktuelle Home-Office Debatte in dieser außergewöhnlichen Pandemiezeit – ist mittlerweile eine Grundvoraussetzung für modernes Arbeiten. Unternehmen werden sich eine Neuansiedlung daher definitiv auch unter dem Aspekt einer optimalen Infrastruktur ansehen. Und hierunter fällt eine schnelle und stabile Internet- und Mobilfunkanbindung. Regionen, die hier ihre Hausaufgaben nicht machen, werden im Wettbewerb um Menschen und Unternehmen das Nachsehen haben. Denn nicht nur der Ort, an dem sich ein Unternehmen physisch ansiedelt, auch der Ort, an dem sich Menschen niederlassen, um zu wohnen und zu arbeiten, muss über eine optimale Internetanbindung verfügen.

Wäre es akzeptabel, im Landkreis dauerhaft Gegenden zu haben, in denen es kein 5G gibt?

Albert: Ein eindeutiges Nein. Mobilfunkanbindung gehört aus meiner Sicht mittlerweile zur Daseinsvorsorge, ähnlich anderer Infrastrukturen wie Strom und Wasser. Will man tatsächlich gleichwertige Lebensverhältnisse erreichen – übrigens sind diese sogar im Grundgesetz der BRD in Artikel 72 als Staatsziel festgeschrieben –, so gehört hierzu auch, einen gleichwertigen Zugang aller Bevölkerungsteile zu schnellem Internet zu ermöglichen, unabhängig von ihrem Wohnort innerhalb Deutschlands.

Was kann der Landkreis unternehmen, um den 5G-Ausbau voranzubringen?

Albert: Der Landkreis kann seine Kommunen dabei unterstützen, in engem Austausch mit dem Breitbandmanager des Landkreises Kitzingen beim Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung und mit dem Bayerischen Breitbandzentrum zusammen Anträge im Rahmen der neuen bayerischen Gigabit-Richtlinie zu stellen. Es geht darum, überall dort, wo eine wirtschaftliche Nutzung durch die großen Anbieter nicht gesehen und daher nicht privatwirtschaftlich realisiert wird, Voraussetzungen zum Netzausbau zu schaffen. Auch hat der Landkreis die Aufgabe, Entscheidungsträger in den Kommunen vor Ort, Bürger und Unternehmensvertreter zu sensibilisieren und auf dieses für unsere Zukunft entscheidende Thema hinzuweisen.