Rund 700 Bäume säumen die Straßen und Plätze in Prichsenstadt mit seinen zehn Ortsteilen, der Wald nicht einberechnet. Und schon vor fast sieben Jahren hatte der Stadtrat beschlossen, kein Baumkataster zu erstellen. Hintergrund ist die sogenannte Verkehrssicherungspflicht, bei der eine Kommune in Haftung genommen werden kann, wenn etwa ein herabstürzender Ast ein Fahrzeug beschädigt oder eine Person verletzt. Um dem vorzubeugen, müssen die Bäume jeder Größe und jeder Art in einem Kataster erfasst und regelmäßig auf ihren Zustand überprüft werden.

Nun hätte der Rat das Baumkataster in sein Geo-Informations-System RIWA GIS per Modul einpflegen können. Allein die Kosten von fast 20 000 Euro wirkten sowohl auf den Rat als auch Bürgermeister René Schlehr abschreckend. So würde das Modul selbst 1200 Euro kosten, eine Stammdatenerfassung mitsamt Erstkontrolle 8190 Euro plus einer Nummerierung von nochmal 1610 Euro und einer Kartierung von 2170 Euro. Hinzu käme die Software, die 2810 Euro teuer wäre, und die monatlichen Folgekosten.

Fast 20 000 Euro Kosten

Angesichts des Betrages von exakt 19 031,08 Euro ohne Folgekosten "bekomme ich Bauchschmerzen", so Harald Rückert. Mit seiner Anfrage, diese Arbeit auf den Förster Hubertus König und den Bauhofleiter Hermann Lorey zu übertragen, fand er jedoch kein Gehör im Rat. Das, so Schlehr, sei nicht die Aufgabe des Försters.

Für Werner Hillger war das vorliegende Angebot "nicht ganz schlüssig". Das waren nicht nur die vielen kleinen Kostenpunkte, sondern auch der Umstand, dass die regelmäßige Kontrolle durch den Bauhof ausgeführt werden soll. Dort sah Hillger eher die Möglichkeit, dass ein Bauhofmitarbeiter ersten 100 Bäume mit besichtigen soll, "dann weiß er genug, um die übrigen zu übernehmen".

Zusatzausbildung absolvieren

Wolfgang Brosche sprach sich dafür aus, dass ein Bauhofmitarbeiter (ein Gärtner) eine Zusatzausbildung machen soll. "Um etwa einen Pilzbefall an einem Baum zu erkennen, braucht es qualifizierte Leute", sagte er. Ein Kataster der Bäume ließe sich auch durch eine Excel-Tabelle erstellen, die regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht werden könne.

Dieser Antrag von Brosche entwickelte sich im Laufe der Diskussion so weit, dass der Rat auf Anregung des Bürgermeisters den Antrag der Verwaltung für das teure Kataster einstimmig ablehnte und sich ebenso einstimmig für Brosches Antrag entschied. Nun arbeitet Schlehr einen Plan aus, wie ein Bauhofmitarbeiter für diese Aufgabe geschult werden kann. In einer der kommenden Sitzungen wird dieser Punkt dann wieder auf der Tagesordnung des Stadtrates zur Entscheidung erscheinen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version stand, dass vor sieben Jahren entschieden wurde, ein Baumkataster einzuführen. Das ist falsch. Der Stadtrat hatte im September 2015 einen Antrag von Bürgermeister René Schlehr mit 8:2 Stimmen abgelehnt und somit nicht, wie berichtet, eine Einrichtung dieses Katasters beschlossen.