„Chinesische Mauer“ oder hintersinniger „Klagemauer“ – das sind nur zwei Begriffe für die neue Lärmschutzwand, die derzeit in Rödelsee im Umlauf sind. Entstanden ist das auffällige Bauwerk am Rande des Baugebiets Schlossgrund zum Weingut Weltner hin. Niedriger, dafür aber länger, ist die Wand in Richtung Staatsstraße.

Das Fundament für die Lärmschutzwand, das Wort Mauer hört Rödelsees Bürgermeister Burkhard Klein nicht so gerne, ist schon seit längerer Zeit fertig. Das Errichten der Wand selbst ging dann ziemlich rasch: Stahlgerüst aufstellen, mit dem Fundament verankern, mit Matten auskleiden und mit Erde aus dem Baugebiet befüllen – fertig. Nicht ganz fertig, denn derzeit steht die Wand noch recht kahl da.

Grün mit einigen Farbtupfern geplant

Laut Bürgermeister Klein versieht die Firma die Wand aber noch mit Stecklingen. Verschiedene Rankpflanzen werden dann die Mauer mit der Zeit begrünen. Zwischendrin seien einige Blühpflanzen als Farbtupfer vorgesehen, sagt Klein. Zwei Jahre gibt es von der Firma eine Anwuchsgarantie. Wenn die Wand dann in zwei Jahren grün ist, wie in diversen Präsentationsfilmen von anderen Projekten im Internet zu sehen, dann könnte es tatsächlich ein Hingucker werden.

Lange war im Gemeinderat über den Lärmschutz diskutiert worden. Denn neben dem neuen Wohngebiet befindet sich das Weingut Weltner, dessen Bestand es zu schützen gilt. Mittlerweile ist in dieser Sache auch eine Normenkontrollklage beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof anhängig.

Erste Schallschutzgutachten hatten vor Jahren von einer 6,5 Meter hohen Lärmschutzwand gesprochen, neuere von einer fünf Meter hohen. Die Gemeinde hatte eine maximal drei Meter hohe Wand favorisiert, empfohlen wurden aber fünf Meter. Denn im Gutachten der Firma Ibas heißt es im Fazit: „Daher ist auf den unmittelbar zum Weingut benachbarten, lärmbelasteten Parzellen des Baufeldes Süd aus fachtechnischer Sicht (auch mit einer Drei-Meter-Schirmwand) Wohnen nur begrenzt umsetzbar.“

Fünf Meter hoher Lärmschutz

Insgesamt betrachtet ist der Schutz jetzt fünf Meter hoch geworden, allerdings konnte die Geländelage mitgenutzt werden. Die Wand zur Staatsstraße hin ist 2,5 Meter hoch.

Bürgermeister Klein ist nach wie vor überzeugt, dass dies alles nicht hätte sein müssen. Paul Weltner hingegen betont, dass es nie eine Alternative dazu gegeben habe – außer seinem Vorschlag, einen Wall aufzuschütten. Das wäre allerdings zu Lasten der ersten Baureihe gegangen, was wiederum die Gemeinde nicht wollte. Weltner bekräftigt, dem Wunsch der Allgemeinheit nach Bauland nicht entgegenstehen zu wollen, pocht aber auf Recht und Ordnung. Und danach gehe es eben nur mit der Lärmschutzwand. Das sei von vorneherein klar gewesen.

Im Baugebiet selbst war und ist die Bautätigkeit als rege. Familien haben ihr Traumhaus verwirklicht. Von 36 Bauplätzen sind laut Bürgermeister Klein 31 verkauft. Drei kleinere wurden für eine mögliche landwirtschaftliche Nutzung freigehalten, denn das Baugebiet Schlossgrund ist als Dorfgebiet ausgewiesen. Diese Ausweisung unterstützt „als ländliches Mischgebiet das harmonische Miteinander von Wohnen und Landwirtschaft“, wie es im rechtskräftigen Bebauungsplan heißt. Die erste Reihe gleich hinter der hohen Lärmschutzwand ist ebenfalls freigehalten worden, bis rechtlich alles geklärt ist.