Eigentlich sind Iphofen und die Region rundherum keine Spargel-Anbaugegend. Das könnte aber die längste Zeit so gewesen sein, benutzt man das Wort Spargel im spöttischen Sinne, wenn man eigentlich Windräder meint, die ebenso weiß und spitz in die Höhe ragen, im Gegensatz zu dem Gemüse aber nicht in der Erde stecken, sondern an der Oberfläche bis zu 140 Meter in die Höhe ragen.

Der Bauausschuss der Stadt Iphofen befasste sich am Montag mit Planentwürfen des Nürnberger Landschaftsarchitektenbüros Markert, das im Auftrag der Gemeinde Konzentrationszonen für Windkraftanlagen ermitteln sollte (lesen Sie dazu auch den Artikel rechts). Mit einem Ergebnis, das für reichlich Zündstoff sorgen könnte, wenn die Diskussionen weiter gedeihen.

Emotionales Thema

Vorab: Das oft emotional geladene Thema Windkraftanlagen steckt in Iphofen erst in den Kinderschuhen. Auf die Tagesordnung kam es, weil die Energiewende seit dem Atomausstieg Investoren beflügelt und eine Gemeinde lieber einen Flächennutzungsplan mit Bebauungsplan verabschiedet, bevor das Landratsamt unerwünschte Windkraftanlagen genehmigt. Das muss die Behörde nämlich tun, weil der Gesetzgeber es so will. Außerdem muss aber auch eine Kommune wie Iphofen der Energiewende Rechnung tragen und die Chancen solcher Anlagen als potenzielle Bürgerprojekte zumindest ausloten. Und es ist ein bisschen Eile geboten:

Denn derzeit ist Iphofen im Regionalplan der Region Würzburg „Ausweisung von Ausschluss-, Vorrang- und Vorbehaltsgebieten für Windkraftnutzung“ noch ein weißer Fleck. Würde dieser Regionalplan so fortgeschrieben, geschieht auf lange Zeit gar nichts. Hebt Iphofen aber den Finger und kündigt Überlegungen an, Flächen auszuweisen, muss dies in den Regionalplan mit aufgenommen werden. Dieser war 2008 verabschiedet worden, einer Zeit also vor Fukushima, in der noch in erster Linie dem Tourismus Rechnung getragen wurde.

Laut Peter Markert, der sein Konzept dem Gremium im Rathaus vorstellte, sind insgesamt 474 Hektar Fläche auf dem Gebiet von Iphofen und seinen Stadtteilen geeignet, um Windräder zu bauen. Darunter auch einige Kleinstflächen, die wenig wirtschaftlich seien, aber auch größere, zusammenhängende Gebiete, unter anderem am Iphöfer Kalbberg, zwischen Mönchsondheim und Nenzenheim sowie am Birklinger Rossberg. 474 Hektar – das klingt auf dem ersten Blick nach sehr viel. Ist es aber nicht, wie Markert erklärte.

Auf keinen Fall vor Birklingen

Seiner Erfahrung nach blieben nach Abwägung aller Pro und Contra bei dieser Größenordnung zwischen 50 und 100 Hektar übrig. Was darauf hinausliefe, dass man drei, vier größere Gebiete ausweist, auf denen sogenannte Windparks mit mehreren Anlagen gebaut werden. Nachdem Bürgermeister Josef Mend schnell erklärte, dass er sich am Kalbberg Windräder nicht vorstellen könne, fühlte sich Birklingens Ortssprecher Wolfgang Schwab auf den Plan gerufen, der auf gar keinen Fall Windräder vor seinem Ortsteil sehen wollte.

Mend entgegnete, dass man sich an der Energiewende beteiligen müsse, allerdings in Maßen. Windkraftanlagen dürften nur dort gebaut werden, wo es zum einen Sinn mache, zum anderen aber wenig bis keine Interessen dagegen stehen. Auch die Nachbargemeinden würden mit in die Überlegungen einbezogen.

Es war dann Peter Markert, der angesichts einer sich anberaumenden emotionalen Diskussion im Bauausschuss diesen auf den richtigen Umgang mit der Thematik hinwies: „Nehmen Sie die Bürger frühzeitig mit ins Boot, erklären Sie ihnen das Unterfangen und schaffen Sie ein Klima für lokales Investment. Windkraftanlagen können ansonsten schnell eine Dorfgemeinschaft sprengen.“

Der Bauausschuss einigte sich darauf, das Büro Markert mit der gezielten Analyse geeigneter Gebiete zu beauftragen und im Anschluss den Regionalverband davon in Kenntnis zu setzen. Wolfgang Schwab war als Einziger dagegen.