Die Information kam fast beiläufig daher: Unter Sonstiges berichtete der Oberbürgermeister dem Bauausschuss des Stadtrats über den aktuellen Stand zum Kitzinger Bahnhof. Ausgangspunkt war der Hinweis von Jens Pauluhn (ÖDP), dass rund um das Gebäude nicht nur hohes Unkraut wachse, sondern auch Ratten zu sehen seien. Das habe ihm ein Nachbar erzählt.

Das bewog Güntner von einem Gespräch zwischen ihm und dem privaten Bahnhofsbesitzer, dem Unternehmen Aedificia, zu berichten. Am 30. Juli habe der OB angefragt, ob die Stadt das Gebäude kaufen könne. Doch der Besitzer habe ihm entgegnet, dass er das partout nicht wolle. Er sei Liebhaber von Bahnhofsgebäuden, habe er dem Oberbürgermeister erzählt. Er habe noch nie einen Bahnhof wieder verkauft. Eine Aussage, die diese Redaktion nach ausführlicher Recherche widerlegt hat.

Güntner: Bahnhof-Anblick ist Voll-Katastrophe

Der Hintergrund für die Anfrage Güntners waren allerdings weder Unkraut noch Ratten rund um das Gebäude – "Der Anblick ist eine Voll-Katastrophe" –, sondern der beständige Stillstand. Die Stadt hatte beim Verkauf des Bahnhofs durch die Deutsche Bahn selbst nicht zugegriffen; der Preis war ihr zu hoch. Von einer Million Euro war seinerzeit die Rede. Stattdessen hoffte man, der neue private Besitzer, die Aedificia GmbH, werde das Gebäude aus dem Dornröschenschlaf wecken, es renovieren und mit neuem Leben füllen. Quasi in diesem Kielwasser – so eine weitere Hoffnung der Stadtoberen – hätten dann die Bahnreisenden einen attraktiven Bahnhof mit Aufenthaltsraum, Toiletten und vielleicht einem Bäckerei-Café erhalten.

Doch alle Hoffnungen der Stadt, einen renovierten Bahnhof quasi zum Nulltarif zu bekommen, zerschlugen sich. Und auch die Pläne, auf dem – teils privaten – Vorplatz einen Busbahnhof bauen zu können, sind noch keinen Schritt weiter. OB Güntner: "Zu glauben, wir kriegen eine schnelle Lösung – da bin ich ernüchtert. Es ist eine untragbare Situation."

So kann er derzeit nur kleine Brötchen backen: Er versucht, über den Winter ein benachbartes Gebäude als Warteraum mit Toiletten für die Bahnreisenden zu öffnen. Das würde den Fahrgästen im wahrsten Sinne des Wortes Erleichterung verschaffen. Sie hoffen, dass nicht noch mehr Gras über die Sache wächst.