Seine 40-Stunden-Woche, sagt Heiko Bäuerlein, ist eigentlich Donnerstag früh zu Ende. Am 1. Mai hat er als CSU-Bürgermeister das Büro im Volkacher Rathaus von Peter Kornell (FWG) übernommen. Und seitdem war er fast jeden Tag dort. 30 bis 40 Termine pro Woche, von der Sitzung des Abwasserzweckbverbands über die Altmain-Demo in seinem Heimatort Astheim bis zu Corona-Krisensitzungen. Nun noch ein Termin mehr mit dieser Redaktion, zwei Stunden Zeit bis zum nächsten 90. Geburtstag.

Bäuerlein reibt sich die Augen. Diese ersten 100 Tage haben den 47-Jährigen gefordert. Doch nicht nur ihn, der neue Chef begegnete dem EDV-ler am Feiertag und der Personalerin am Sonntag: "Ich bin tief beeindruckt, was die Mitarbeiter hier leisten." 30 sind es im Rathaus, 40 im Bauhof, 40 in den Kitas und Fünf in der Kläranlage. Rund 115 Leute hat der gelernte Verwaltungsbeamte nun also unter sich. Da gilt es, die Motivation hochzuhalten. Das weiß Bäuerlein – und befüllt gleich mal die Schoko-Schüssel auf dem Tisch mit neuen Süßigkeiten. Zudem hat der Chef einen Kaffee-Vollautomaten gekauft. "Selbst bezahlt!"

Tricks für ein gutes Klima

Doch neben den kleinen Tricks für ein gutes Klima und verstärkter Öffentlichkeitsarbeit wie mit einem Wochenvideo online setzt Bäuerlein auf persönliche Kommunikation: "Ich bin ein Freund des Gesprächs." Mit E-Mails und Briefen komme man oft nicht weit. Der Nachteil: "Es kostet halt unheimlich viel Zeit." Und obwohl der Bürgermeister davon gefühlt immer zu wenig hat, will er Kompromisse suchen, vermitteln. Das habe er vor der Wahl als Ziel ausgegeben, dazu steht er. "Ich möcht' so bleiben, wie ich bin."

Geblieben ist auch die Sanierung des Freibads   als erster Punkt auf Bäuerleins Prioritätenliste. Also raus aus dem Rathaus, rein in die Mittagshitze. Der Gang durch die Altstadt führt an  vielen jungen Familien vorbei, die im "Urlaub daheim" während der Corona-Pandemie  die Mainschleife für sich entdeckt zu haben scheinen. Gerade für diese Zielgruppe sei ein saniertes Bad so wichtig, ist Bäuerlein überzeugt. "Ohne Freibad kann man es sich einfach nicht vorstellen, auch wenn es eine sehr teure Infrastruktur ist."

"Sobald man etwas Neues anfängt, bleibt automatisch etwas anderes liegen."
Volkachs Bürgermeister Heiko Bäuerlein (CSU)

Auf dem Weg dorthin wirft der Bürgermeister einen Blick auf die Baustelle in der Josef-Wächter-Straße, in der die Brücke über die Volkach saniert wird. Die Erweiterung des verkehrsberuhigten Bereichs ist eines von vielen laufenden Projekten wie die Neugestaltung der Mainlände, der Bau des Aldi-Kreisels oder die Erweiterung des Kindergartens Obervolkach. Diese vernünftig fortzuführen sei wichtig, denn die Ressourcen der Verwaltung seien begrenzt, sagt Bäuerlein. Die Personalsuche läuft, ist aber schwierig. "Sobald man etwas Neues anfängt, bleibt automatisch etwas anderes liegen."

Ihn freue aber, dass der lang erwartete Feuerwehr-Bedarfsplan nun angeschoben und eine Sammelbestellung für Material der Wehren erledigt sei. Als er das sagt, springt die Fußgänger-Ampel um auf Grün. Auf zum Bürgerpark, also dem Freibadgelände ohne Wasser. Der kurze Blick auf die Liegewiese mit den großen Bäumen zeigt viel Fläche, aber keine Besucher. Eine Aufwertung mit Planschmöglichkeiten sieht Bäuerlein aber nicht als Option. Lieber möchte er die knappe Zeit nutzen, um die Sanierung voranzutreiben oder sich auszutauschen zur Zukunft der Mainschleifenbahn. "Man möchte sich noch viel mehr kümmern, auch strategisch."

Bäuerlein vermisst das Volkacher Weinfest

Spaß machte es trotzdem, sagt der 47-Jährige. Die Zusammenarbeit mit seinen Stellvertretern und dem Stadtrat laufe prima. Und die kleinen Dinge sind es: hier etwas bewegen, dort eine konstruktive Sitzung. Ebenso schön wie ungewohnt war für ihn die erste Trauung vor einigen Wochen.

Einen Termin vermisst er allerdings: "Das Weinfest hätte ich sehr gerne eröffnet." Zwar hat auch er mehrere Abende des Kabarett-Sommers genossen, doch das Fest gehe ihm sehr ab. Als er das sagt, steht Heiko Bäuerlein auf dem schattigen Weinfestplatz, über sich die bunten Lichterketten. Zeit zum Bedauern bleibt allerdings keine, schließlich wartet schon der 90. Geburtstag.