Gleich drei Geschäfte in der Kitzinger Innenstadt werden in den kommenden Wochen schließen: das Kinder- und Jugendmode-Geschäft "Polis", "Bags for Birds", das Taschen und Koffer verkauft, und das Damenmode-Geschäft "Theresa Store". Die Gründe für die Geschäftsaufgaben sind unterschiedlich, ebenso, wie es mit den Ladenflächen weitergeht.

Beste Qualität und Markenmode für fünf Euro pro Teil: Dass die Ansprüche mancher Kunden mit der Realität nicht viel gemein haben, hat Gabriela Hautsch in den gut zweieinhalb Jahren, in denen sie ihr Geschäft "Polis" in der Kaiserstraße 20 geöffnet hat, oft erfahren müssen. Am Ende zu oft. "Es war ein schleichender Prozess", sagt die 53-Jährige mit Blick auf ihren Entschluss, ihr Geschäft für qualitativ hochwerte Kinder- und Jugendmode Ende September zu schließen. Ihr hat einfach die nötige Kundschaft gefehlt.

Im Laden beraten – im Internet gekauft

Die Corona-Pandemie und die damit im Frühjahr verbundene Zwangsschließung der Geschäfte war für sie nur das "i-Tüpfelchen" in der ganzen Misere. Viel grundlegender habe ihr als kleiner Einzelhändlerin die große Konkurrenz des Internethandels das Wasser abgegraben. Das ging soweit, dass Kunden sich bei ihr im Laden haben beraten lassen, um dann die Ware bei irgendeinem Händler im weltweiten Netz zu einem billigeren Preis zu kaufen. Billigkollektionen in ihr Sortiment aufzunehmen, das kam für Hautsch nicht infrage. "Qualität hat ihren Preis" – dazu steht sie auch jetzt noch, mitten im Ausverkauf.

Hautsch hat, bevor sie "Polis" aufgemacht hat, ihren Spielzeugladen "Wichtelreich" verkauft. Sie wird künftig wieder in ihrem alten Büroberuf arbeiten. Für "Polis" gibt es keinen Nachfolger.

Geschichte des Geschäfts reicht bis 1924 zurück

Eine viel weiter zurückreichende Unternehmensgeschichte wird am 2. Oktober enden, wenn "Bags for Birds" seinen letzten Verkaufstag hat. Christiane Schwenzer hatte das Taschen- und Koffergeschäft im Herzen Kitzingens, Leidenhof 1, vor 20 Jahren von ihren Eltern übernommen. Diese hatten das am 24. Juni 1924 gegründete Geschäft Leder Frisch seit April 1981 geführt. Im Jahr 2015 hatte Schwenzer den Laden in "Bag for Birds" umbenannt.

Zu den Hintergründen der Geschäftsaufgabe möchte die Inhaberin sich gegenüber dieser Redaktion nicht äußern. In dem Laden arbeitete neben der Chefin selbst eine Mitarbeiterin, die sich laut Schwenzer jetzt um eine neue Stelle bewirbt.

Noch mehr im Dunkeln bleiben die Gründe, weshalb, nicht weit von "Bags for Birds" entfernt "Theresa Store" in der Ritterstraße 11 Ende des Jahres schließen wird. Der Versuch dieser Redaktion, mit der Geschäftsführung ins Gespräch zu kommen, scheiterte. Zu hören ist, dass das Geschäft für Damenmode im 18. Jahr seines Bestehens nicht aus wirtschaftlichen, sondern aus persönlichen Gründen zumacht. In den Räumen im Kitzinger Schwalbenhof soll dem Vernehmen nach ein neues Modegeschäft weiterbetrieben werden.

Dies deckt sich mit unbestätigten Infos, die Frank Gimperlein als Vorsitzender des Kitzinger Stadtmarketingvereins gehört hat. Ihn beunruhigen die anstehenden Geschäftsaufgaben in der Kitzinger Innenstadt nicht sonderlich. Es sei in den zurückliegenden vier, fünf Jahren immer so gewesen, dass zum Jahresende hin zwei, drei Geschäfte schließen. Doch bislang sei es "zu 80 bis 90 Prozent gelungen", in den Folgemonaten die Leerstände wieder zu füllen. Darauf vertraut er auch dieses Mal. Allerdings, meint er, habe die Corona-Pandemie und deren noch immer nicht zu überblickenden wirtschaftlichen Auswirkungen das Geschäfte-Sterben in diesem Jahr beschleunigt.

Mieten zu hoch, Leerstände in schlechtem Zustand

"Das Leerstandsmanagement muss höchste Priorität haben", gibt Gimperlein das Motto für Kitzingen aus. Er verknüpft damit zwei Forderungen: Manche Vermieter müssten ihre Mieterwartungen senken. Und gewerbliche Leerstände müssten zunächst saniert werden, bevor sie auf dem Mietmarkt angeboten werden. Schwierig sei der Umgang mit Dauerleerständen, vor allem, wenn deren Besitzer außerhalb Kitzingens lebten. Da sieht er wenig Handhabe, diese zu mehr Engagement zu bewegen.

Schlechte Erfahrungen mit zu hohen Mieten hat auch Raumausstatter Gerhard Heim gemacht. Pachtpreise von zehn Euro pro Quadratmeter in Kitzingen sind in seinen Augen heutzutage "nicht mehr tragbar". Auch wünscht er sich von der Stadt mehr Unterstützung der Einzelhändler, etwa durch eine Senkung der Gewerbesteuer.

Raumausstatter hat Konsequenz gezogen und ist zufrieden

Obwohl er selbst deutlich weniger als zehn Euro Miete pro Quadratmeter gezahlt hat, hat Heim sein Ladengeschäft in der Kaiserstraße 24 Ende Juni gekündigt – noch ein Leerstand. "Das war meine beste Entscheidung", sagt der 64-jährige Selbstständige. "Ohne das Ladengeschäft habe ich mehr Arbeit als zuvor." Er hat so viel mehr Zeit, zu seinen Kunden ins Haus zu gehen und dort zu beraten. Einen Showroom in Fröhstockheim hat er noch nach Terminvereinbarung geöffnet.

Der Raumausstatter sieht in seinem Schritt, sich von seinem Laden zu trennen, einen zukunftsweisenden Schritt, dem andere Dienstleister folgen dürften. "Anders denken als die anderen" sei sein Motto. Dass er jetzt den ganzen Tag bei seinen Kunden sein kann, das freue ihn so sehr, dass er sich vorstellen kann, "bis 85 zu arbeiten", sagt Heim halb im Spaß – und doch zufrieden.

Hinweis: Für alle drei genannten Geschäfte in Kitzingen, die in Kürze schließen werden, gilt, dass ausgegebene Gutscheine mit Geschäftsschließung ihren Wert verlieren.

Anmerkung: Zur Klarstellung einer Textpassage mit Aussagen von Raumausstatter Gerard Heim , wurde der Text an einer Stelle um die Information ergänzt, dass Heim persönlich nicht von in seinen Augen zu hohen Mietforderungen betroffen war.