Dass in evangelischen Posaunenchören mehrere Mitglieder einer Familie und auch unterschiedlicher Generationen zusammen musizieren, ist keine Seltenheit. Doch die Familie der Hellmitzheimer Pfarrerin Christine Kern ist eine absolute Ausnahme, frönen doch neben ihrem Mann Nico auch alle ihre drei Kinder dem Musik-Hobby im Posaunenchor. "Wir könnten sogar eigenständig spielen, da wir alle Stimmen von Bass bis Sopran vereinen", sagt Nico Kern. Daher können sie eine kleine Hausmusik bilden und haben als Familien-Quintett schon manche Familienfeier verschönert.

Christine Kern ist im mittelfränkischen Oberdachstetten aufgewachsen und hinsichtlich der Musik erblich vorbelastet. Denn auch ihre Mutter war begeisterte Blechbläserin, Organistin und Chorleiterin. Daneben spielten zehn ihrer 13 Cousins auch in Posaunenchören. Daher verwundert es nicht, dass die gebürtige Nürnbergerin schon mit sechs Jahren begann, Trompete zu spielen. Nach einem Schulunfall wechselte sie wegen des größeren Mundstücks zur Tuba.

Der "Böhmische Traum" hat's dem Ehemann angetan

Ihre Begeisterung für das Musizieren steckte später auch ihren Mann Nico an, der vor zwölf Jahren als Spätberufener die musikalische Ausbildung begann, um auch so schöne Stücke spielen zu können wie seine Frau. Heute ist er in der Lage, sein Lieblingslied "Böhmischer Traum" zu spielen. "Und Weihnachtslieder könnte ich sogar im Sommer spielen", bekennt der gebürtige Pforzheimer.

Nach dem Vikariat im Diespeck war Christine Kern im Jahr 2004 als Pfarrerin nach Hellmitzheim gekommen und die Familie fühlt sich hier pudelwohl. "Im Posaunenchor zu sein, bedeutet Gemeinschaft", sagt der 48-Jährige und seine Kinder nicken zu.

Der älteste Sohn, Paul (17), hat sich der zweiten Trompete verschrieben und ihm gefiel es, zusammen mit Freunden im Dorf ausgebildet zu werden. Dabei genossen sie eine Sonderbehandlung, da es der langjährige Chorleiter Wolfgang Schneider arrangieren konnte, dass der Musiklehrer von der Iphöfer Zweigstelle der Musikschule Kitzingen sogar extra nach Hellmitzheim kam, um den Bläsernachwuchs zu unterrichten.

Umstieg von der Trompete zur Posaune

Der 15-jährige Anton probierte sich zuerst an der Trompete, stieg dann aber auf die Zugposaune um und er hat Spaß daran, mit Freunden zu üben oder zu musizieren. "Klar ist es schön, wenn mal eine Übungsstunde ausfällt, aber wir gehen immer wieder gerne zum Posaunenchor", plaudert Anton aus dem Nähkästchen.

Die 13-jährige Karla ist die Jüngste in der Pfarrersfamilie und auch die jüngste Musikantin im Posaunenchor. Sie besetzt mit der Trompete die Alt-Stimme und beherrscht zudem noch das Klavier. "Wir sind eine musikalische und sportliche Familie, in der auch gerne getanzt wird", sagt Christine Kern über ihre Familie. Wenn sie nicht gerade selbst Musik machen, dann werde auch viel Musik gehört. An dem Lied "Die Erde ist schön" kann sich Nico Kern gar nicht satt hören, während bei seiner Tochter die "Immer-wieder"-Polka ganz oben auf der Beliebtheitsskala steht.

Nico Kern, der am Scheinfelder Gymnasium Sport und evangelische Religion unterrichtet, weiß es sehr zu schätzen, wie eng vereint die Familie durch ihr musikalisches Hobby ist. Zuletzt erfreuten die Kerns einige Hellmitzheimer während der schweren Corona-Zeit mit den Ausgangsbeschränkungen. Denn dann gingen die Kerns immer abends nach dem 20-Uhr-Läuten ins Freie um die Menschen mit ihren Liedern zu erfreuen. Und sie freuen sich heute schon darauf, wenn die Pandemie-Beschränkungen endlich wieder fallen und sie wieder wie gewohnt mit dem Posaunenchor proben und aufspielen können.