Eigentlich war alles anders geplant. Für den Besuch eines Festivals in Geiselwind Mitte Juni dieses Jahres sollte die Freundin den Part des Chauffeurs übernehmen, damit es der 28-Jährige mal so richtig krachen lassen konnte.

Dummerweise gab es dann einen Beziehungsstreit, die Freundin verweigerte den Bring- und Holdienst. Also machte sich der Mann alleine auf den Weg von Würzburg nach Geiselwind, um Spaß zu haben und es trotzdem krachen zu lassen – verbunden mit dem ausgiebigen Konsum von Alkohol.

Vor der Rückfahrt legte sich der 28-Jährige zunächst „einige Stunden“ in seinem Auto schlafen. Am nächsten Morgen, gegen 7.30 Uhr, machte sich der Mann – scheinbar ausgenüchtert – auf den Weg. Weit kam er nicht, weil er prompt in einer Polizeikontrolle landete. Das Ende vom Lied war ein Alkotest und ein sehr beachtlicher Restalkoholwert von 1,42 Promille. Damit ist der Führerschein von vorneherein sechs Monate weg, wenn es dumm läuft auch um einiges länger.

„Ich habe die Situation falsch eingeschätzt.“
Der Angeklagte zu seinen 1,42 Promille am frühen Morgen

„Ich habe“, gibt sich der Mann jetzt bei seiner Verhandlung vor dem Kitzinger Strafrichter Bernhard Böhm recht kleinlaut, „die Situation falsch eingeschätzt.“ Seit ihm an jenem Morgen der Führerschein weggenommen wurde, ist einiges anders im Leben des 28-Jährigen. Er spricht von einem „veränderten Lebenswandel“ und davon, dass er seit dem Schreck in der Morgenstunde völlig abstinent lebe. Weshalb er – freiwillig – an einem über sechs Monate laufenden Alkohol-Screening teilnimmt. Wegkommen vom Alkohol – darum geht es jetzt.

Und es geht darum, nicht arbeitslos zu werden. Denn wenn der Angeklagte etwas braucht, dann ist es sein Führerschein. Er ist als Berater im Außendienst tätig, sein Einzugsgebiet erstreckt sich neben Bayern auch auf ganz Baden-Württemberg. Wenn er jetzt über Monate wegen der fahrlässigen Trunkenheit im Verkehr seinen Führerschein verliert, droht im die Kündigung. Der Arbeitgeber versteht an dieser Stelle keinen Spaß.

In den vergangenen Wochen konnte sich der 28-Jährige einigermaßen über die Zeit retten, indem er Urlaub nahm und sich anschließend von seinem Vater oder seiner Freundin zu den Kunden fahren ließ. Wie aber geht es weiter? Wie lange kann dieser Zustand andauern?

Das möchte vor allem der Arbeitgeber gerne wissen, um die laut Angeklagten „schwebende Situation“ wegzubekommen. Das Gericht spielt mit, terminiert den Fall ungewöhnlich schnell, um eine Entscheidung herbeizuführen, die über die Zukunft des Außendienstmitarbeiters bestimmen wird.

Dass es am Ende in Richtung Mindestsperrfrist läuft und die führerscheinlose Zeit überschaubar bleibt, liegt wohl nicht zuletzt daran, dass der Angeklagte scheinbar seine Lektion gelernt hat. Weshalb es auf eine Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu je 70 Euro hinausläuft – sowie weitere fünf Monate Führscheinsperre.

Mit der Strafe im unteren Bereich könnte sich vielleicht auch der Arbeitegeber anfreunden, so die Hoffnung aller Beteiligten. An den Fahrdiensten vom Vater und der Freundin, das steht schon mal fest, werde es jedenfalls auch in den nächsten Monaten nicht scheitern.