Es soll ein entspannter Spielplatz-Besuch werden. Der 45-Jährige will Ende Juli vergangenen Jahres seine beiden kleinen Nichten in Kitzingen ein wenig toben lassen. Doch es kommt genau umgekehrt – plötzlich tobt der Mann.

Was wohl an jenen fünf Kindern liegt, die sich bereits auf dem Spielplatz befinden. Als der 45-Jährige den Spielplatz betritt, hört er aus Richtung der Kinder einen Schmähruf, der sich auf ihn bezieht. Der Mann kann nicht an sich halten – wutschnaubend stürzt er auf die fünfköpfige Gruppe zu.

Ein 13-Jähriger sieht den Mann mit verzerrtem Gesicht auf sich zurennen, bekommt es mit der Angst zu tun und rennt weg. Der Angreifer glaubt, dass das nur der Rufer sein kann und nimmt die Verfolgung auf. Er erwischt den Jungen, wie der gerade über den etwa ein Meter hohen Spielplatzzaun klettern will.

„Der Mann war total in Rage und aggressiv.“
Eine Zeugin über den Angeklagten

Danach überschlagen sich die Ereignisse: Der Mann schubst das Kind über den Zaun und springt hinterher, weil er dem Kind eine Abreibung verpassen will.

Mindestens zweimal tritt er den 13-Jährigen, beschimpft ihn und will gerade mit der Hand zum Schlag ausholen. In diesem Moment stürmen zwei Frauen schreiend auf den 45-Jährigen zu. Die Frauen hatten laute Rufe gehört und waren so auf die Verfolgungsszene auf dem Spielplatz aufmerksam geworden. Weil sie ihren Augen nicht trauen, wie der Mann das Kind angeht, eilen sie sofort zu Hilfe.

Als die Frauen auf ihn zustürmen, lässt der Mann wohl oder übel von seinem Opfer ab und zieht schimpfend von dannen. Die Frauen greifen zum Handy und alarmieren Polizei und Krankenwagen. Wie sich wenig später im Krankenhaus herausstellt, war das Kind auf den rechten Arm gestürzt und hatte sich dabei das Handgelenk gebrochen.

Die Folge: Zwei Wochen Schmerzen, vier Wochen Gips. Dazu kommen noch Hämatome von den zwei oder drei Tritten im Bereich des Beckenknochens.

Vor dem Kitzinger Strafrichter Bernhard Böhm will der Angeklagte die Vorwürfe zunächst nicht wahrhaben. Er habe den Jungen zwar verfolgt, doch sei der von ganz alleine vom Zaun gefallen. Die Zeugen widersprechen sich bei der Darstellung des Geschehens teilweise, eines aber steht fest: Die Frauen beschreiben den 45-Jährigen als „total aggressiv“, er sei „in Rage gewesen“. Die Zeuginnen betonen, sie hätten Angst gehabt, „dass gleich noch Schlimmeres passiert“.

Wie soll man den Mann, der überwiegend arbeitslos ist, hin und wieder Gelegenheitsjobs hat und sich mehr schlecht als recht durchs Leben schlägt, für den Angriff auf dem Spielplatz bestrafen? Das Gericht stellt sich die Frage zunächst einmal genau anders herum: Wie ist dem Opfer am besten geholfen? Klar: mit Schmerzensgeld. Das müsste allerdings, wenn der normale Weg eingehalten wird, mühsam über eine Zivilklage erkämpft werden.

Weshalb sich die Beteiligten auf einen eher ungewöhnlichen Weg einigen: Das Verfahren gegen den Angeklagten wird zwar eingestellt, im Gegenzug muss er jedoch kräftig Geld abstottern: 1000 Euro setzte das Gericht als Auflage für das Opfer fest und zeigte damit einen ausgeprägten Sinn fürs Pragmatische.