Mit einer Geldauflage von 3000 Euro und der Einstellung des Verfahrens wegen Nötigung ist ein 32-Jähriger in Kitzingen davon gekommen. Der Mann soll mit seinem Audi dicht auf ein Fahrschulauto aufgefahren sein, es dann überholt und abgebremst haben. Auch wenn sich der Fahrlehrer sicher war, dass der Audifahrer und damit der Richtige auf der Anklagebank saß, der Fahrernachweis war nicht zu führen.

Es hatte ein bisschen was von Fernsehgericht, was der Verteidiger in dem Verfahren wegen Nötigung nach einem Einspruch gegen einen Strafbefehl inszenierte. "Mein Mandant sagt nichts zu den Vorwürfen", erklärte er gleich zu Beginn. Seinen Trumpf zog er, als der Fahrlehrer als wichtiger Zeuge seine Aussage gemacht hatte.

Fahrschulauto geschnitten und abgebremst

Der ehemalige Polizist beschrieb zunächst die Situation auf der Straße zwischen Rödelsee und Kitzingen. Der 71-Jährige war mit einer Fahrschülerin unterwegs, als ein Audi-Cabrio so dicht auffuhr, dass er das Kennzeichen nicht mehr erkennen konnte. Dann überholte der Drängler, scherte ganz knapp vor dem Fahrschulauto ein und bremste von gut 80 Stundenkilometer auf 40 ab. Der Fahrlehrer musste eingreifen und stark abbremsen. "Dann streckte er seinen Arm aus dem Fenster, vermutlich den Stinkefinger, und war weg", sagte er. So etwas sei ihm in 47 Jahren als Fahrlehrer noch nie passiert. "Weil ich verhindern wollte, dass der einmal jemand von der Straße schießt und verschwindet", habe er den Fahrer  angezeigt.

Um den drehte sich der Rest der Geschichte. Der Verteidiger wollte es genau wissen. Wie sah der Fahrer aus?  Wie kurz waren die Haare? Welche Sonnenbrille hatte er auf? Nach einigem Hin und Her und "würde sagen", legte sich der Ex-Polizist fest und sagte: "Der Mann auf der Anklagebank ist der Fahrer."

Fahrernachweis kaum zu führen

Dann holte der Verteidiger den Joker aus dem Ärmel und verwies den Zeugen auf die Zuschauerstühle. Dort hatte der Zwillingsbruder des vermeintlichen Fahrers Platz genommen.  "Kann es der auch gewesen sein", fragte er. Schweigen machte sich breit.

Auch wenn die Fahrschülerin als weitere Zeugin noch vor dem Sitzungssaal wartete, zeichnete sich ab, dass der "Fahrernachweis" nur schwer und mit viel Aufwand zu führen sein dürfte. Zudem war eine erste Einlassung des Mannes bei der Polizei wegen Verfahrensmängel nicht verwertbar.

"Ich rege die Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage an", sagte der Verteidiger. Die Reaktion von Richterin Patricia Finkenberger: "3000 Euro und  wer es zahlt ist mir wurscht", sagte sie, "am besten der, der gefahren ist". Das war dann auch so etwas wie das Schlusswort. Die  Beteiligten machten mit, wenn auch mit "deutlichem Zähneknirschen" auf allen Seiten. Damit ist der Angeklagte an einer Verurteilung wegen Nötigung vorbeigekommen. Den deutlichen Denkzettel in Höhe von 3000 Euro kann er offenbar verkraften.