Die Abschlussfahrt einer Klasse von frisch gebackenen Handwerksmeistern aus Oberbayern führte nach Franken. Der Abschluss auf einem Weinfest ging dann aber völlig daneben. Zwei Meisterschüler fuhren mit einer blutigen Nase heim. Fünf von ihnen waren jetzt wieder in Franken, als Zeugen in einem Verfahren wegen Körperverletzung in Kitzingen.

Angeklagt war ein 24-Jähriger wegen Körperverletzung in zwei Fällen. Die Anklage ging davon aus, dass der Mann am 21. Juli 2019 gegen 2 Uhr, als das Obervolkacher Weinfest schon fast Geschichte war, zweimal mit der Faust zugeschlagen und zwei Männer verletzt hat. Davon wollte der Angeklagte aber nichts wissen. "Es handelt sich um eine komplette Verwechslung", sagte er gleich zu Beginn.

Acht Zeugen 

Am Ende der dreistündigen Verhandlung mit acht Zeugen wurde der bisher unbelastete  Mann dennoch zu einer Bewähungsstrafe verurteilt. Allerdings "nur" wegen eines Schlages. Weil der aber mit einem Nasenbeinbruch heftige Folgen hatte und auch als gefährliche Körperverletzung hätte angeklagt werden können, ging Richterin Patricia Finkenberger über den Antrag der Staatsanwältin hinaus. Die hatte für eine Geldstrafe in Höhe von 2800 Euro (70 Tagessätze zu 40 Euro) plädiert. Der Verteidiger hatte Freispruch gefordert. Finkenberger hielt fünf Monate Freiheitsstrafe und ein Schmerzensgeld in Höhe von 2000 Euro für tat- und schuldangemessen.

Auf Notwehr berufen

Für den zweiten Schlag gab es einen Freispruch. Wie die Verhandlung zeigte, ging die zweite blutige Nase auf das Konto eines Kumpels des 24-Jährigen. "Ich habe dem eine auf die Nase gegeben", sagte er dem Gericht als Zeuge und berief sich auf Notwehr, was aber nicht Gegenstand der Verhandlung war.

In der standen sich zwei Gruppen und zwei Aussagen gegenüber. Einmal der Angeklagte und drei seiner Kumpels, dann die zwei mit den blutenden Nasen mit ihren Schulkollegen. Es war wie oft, wenn es um Weinfestschlägereien weit nach Mitternacht geht: Viel zu viel Alkohol, Erinnerungslücken und Widersprüche. "Sehr schwer, den Überblick zu behalten", fasste die Staatsanwältin die Situation zusammen.

Geschubse und Gerangel

Einigermaßen klar war am Ende dann doch: Die beiden alkoholisierten Gruppen waren nach dem Ende des Weinfests aneinandergeraten. Aus einem "friedlichen Gespräch" wurde eine verbale Auseinandersetzung, dann ein Geschubse und Gerangel und die zwei Faustschläge.  Einer war nach der Notwehraussage schnell vom Tisch, um den zweiten wurde gestritten. Aus der Gruppe um den Angeklagten wollte von einem zweiten Schlag keiner was gesehen haben.

Blieb dennoch die gebrochene Nase. Die erklärten zwei Mitglieder der oberbayerischen Gruppe fast übereinstimmend mit dem Schlag des Angeklagten. Der habe im Lauf der Auseinandersetzung seine Jacke ausgezogen und zugeschlagen. Den Angeklagten indendifizierten sie als den, der zugschlagen hatte. Allerdings wohl auch, weil sie von Besuchern des Weinfests zwei Namen bekommen hatten und den Angeklagten am Tag danach auf Facebook fanden. Das Gesicht erkannten sie in der Verhandlung wieder. Dessen Kumpels allerdings nicht.

Der Rechtsanalt war sich sicher: "Es reicht nicht für eine Verurteilung." Staatsanwältin und Gericht sahen das anders. Am Ende war es eine Freiheitsstrafe. Ob die Bestand hat, wird mit großer Wahrscheinlichkeit in der nächsten Instanz überprüft.