Warum, weiß so richtig niemand. Fest steht: Für einen 17-Jährigen endete die Hohenfelder Kirchweih im September 2016 schmerzhaft. Auf dem Nachhauseweg wurde er auf dem Radweg nach Sickershausen von zwei jungen Burschen mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Auf der Flucht suchte er Hilfe bei einem Autofahrer, holte sich aber auch da einen Faustschlag ab – wieder ins Gesicht.

Die dunkle Nacht im Frühherbst wurde für den jungen Mann zu einem schwarzen Tag. Als die Begegnung vorbei war, wusste er, dass er ein geschwollenes Gesicht, Kopfschmerzen und ein blaues Auge hatte. Warum, ahnte er nicht einmal.

Das Motiv für die „Schläge aus dem Nichts“ bliebt auch nach der Verhandlung vor dem Jugendrichter im Dunkeln. „Es muss um irgendein Mädchen gegangen sein“, mutmaßte eine Zeugin. Dabei blieb es aber auch. Die Nacht hatte dennoch Folgen: Vier Angeklagte saßen vor dem Richter. Am Ende wurde einer freigesprochen.

Zwei wurden wegen gefährlicher, weil gemeinsam begangener Körperverletzung, zu drei Wochen Arrest, beziehungsweise 150 Stunden sozialen Hilfsdiensten verurteilt. Den Unterschied machte der Blick ins Bundeszentralregister mit teilweise einschlägigen Einträgen. Ein Erwachsener – die mutmaßliche Rettung mit dem Auto – muss 1200 Euro zahlen (60 Tagessätze), wegen vorsätzlicher Körperverletzung.

11. September 2016, nachts um 3.30 Uhr, Alkohol ist im Spiel und es ist stockdunkel: Keine guten Voraussetzungen für einen klaren Fall. Wie so oft, gibt es auch hier zwei Versionen. Die auf der Anklagebank wollen von Faustschlägen überhaupt nichts wissen. Das Opfer spricht von mehreren, alle auf die linke Gesichtshälfte. Die waren echt. Das bestätigten ein ärztliches Gutachten und ein Polizist als Zeuge.

Die Verletzungen waren nicht wegzudiskutieren. Staatsanwältin und Gericht waren sich nach der Beweisaufnahme einig: Die von einer Zeugin gestützte Opferversion ist die richtige.

Die geht ungefähr so: Ein Vater holt seinen Sohn von einer Kirchweihfete in Hohenfeld ab und nimmt drei Kumpels mit. An der Ortseinfahrt Sickershausen muss sich der Junior übergeben. Das Auto hält. Gleichzeitig stellen die drei Mitfahrer fest, dass sie einen Rucksack auf der Fete vergessen haben, mit allem Drum und Dran. Sie gehen auf dem Radweg zurück nach Hohenfeld.

Einer hält sich zurück

Das Trio läuft nebeneinander, als ihnen 400 Meter nach dem Ortsschild ein junger Mann und eine 22-Jährige entgegenkommen. Nach der Version des Trios soll es jetzt zu einer verbalen Auseinandersetzung und einer Schubserei gekommen sein – mehr nicht. Nach der vom Gericht favorisierten Version war es anders. „Aus dem Nichts“ schlägt einer der Drei dem 18-Jährigen direkt ins Gesicht, ein zweiter macht mit. Der Dritte hält sich zurück, was ihm später vor Gericht einen Freispruch einbringt.

Stänkereien vorher? Nein, sagte die Zeugin: „Da ist kein Wort gefallen“. Dafür aber weitere Schläge. Schließlich rannte das Opfer weg. Am Ortseingang von Sickershausen sah er den Mann an seinem Auto stehen und hoffte auf Hilfe. Was kam, war ein erneuter Schlag ins Gesicht.

Warum das jetzt? Der Autofahrer erklärte es damit, dass der Mann auf ihn zu rannte und er sich bedroht fühlte. Aber er habe nicht geschlagen, nur geschubst. Das nahm ihm das Gericht nicht ab.

Das geschlagene Opfer jedenfalls versteckte sich in einer Garage. Die junge Frau rief per Handy die Polizei. Als die kam, waren alle weg. Die Ermittlungen waren dennoch erfolgreich. Am Ende saßen vier auf der Anklagebank. Der mit dem Freispruch ist aus dem Schneider, die anderen Drei wollen sich überlegen, ob sie das Urteil annehmen. Eine Woche haben sie dafür Zeit.