20 Zentimeter haben gefehlt. „20 Zentimeter und ich wäre vorbeigekommen!“ Irgendwie hadert B. (Name geändert) auch über zwei Jahre nach dem Unfall auf der Autobahn mit dem Schicksal. So knapp war es – übersetzt heißt das bei ihm nichts anders als: Was für ein Pech!

Dabei geht es um etwas ganz anderes: B. hätte mit seinem BMW im Oktober 2010 gar nicht auf der A 3 bei Rüdenhausen unterwegs sein dürfen, als er auf einen Kleintransporter auffuhr.

B. war – mal wieder – ohne Führerschein. Wie schon so oft davor. Darüber kann sich der Ukrainer indes so gar nicht aufregen – Schuld sind nur die fehlenden 20 Zentimeter. Als die Polizei am Unfallort eintraf, wusste der 30-Jährige, was ihm blüht: Wegen der vielen Schwarzfahrten stand er unter Bewährung, ihm drohten zehn Monate Haft.

„So gewöhnt zu täuschen, dass er schon gar nicht mehr weiß, wie er heißt.“

Die Staatsanwältin über den Angeklagten

Also machte B. das, was er schon öfter gemacht hatte: Er legte zunächst einen gefälschten litauischen Führerschein vor, um sich schließlich als seinen eigenen Bruder auszugeben. Was dazu führt, dass es zunächst zu einem Verfahren gegen den Bruder kommt, ehe die Justiz endlich den Richtigen auf der Anklagebank hat.

Kein Führerschein, dazu die falsche Verdächtigung – für B. ist es nur eine weitere Episode seiner unrühmlichen Karriere. Einer Karriere, in der bisher 15 Vorstrafen zusammenkamen und die den 30-Jährigen schon öfter ins Gefängnis brachte.

Aktuell sitzt er auch wieder. Weil er ohne Führerschein und mit falschen Personalien erwischt wurde, gab es zuletzt eine zehnmonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung. Da B. eine der gerichtlichen Auflagen – 200 Stunden gemeinnützige Arbeit – nicht erfüllte, sitzt er gerade die zehn Monate ab.

Die Zeit hinter Gittern verlängert sich jetzt für den Mann, von dem die Staatsanwältin sagt, er sei es so gewöhnt zu täuschen, „dass er schon gar nicht mehr weiß, wie er heißt“: Die zehn Monate eingerechnet, verhängt der Kitzinger Strafrichter eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten.

Die Wahrscheinlichkeit, in absehbarer Zeit an einen Führerschein zu gelangen, verringert sich auch immer mehr: Eine zweijährige Sperrfrist ist das vorerst letzte Kapitel in dieser schier unendlichen Führerscheingeschichte.