Er kam immer wieder angesprungen. Wie ein Aufziehmännchen. Dafür, dass er bis zum Anschlag voll war, hüpfte er im Sommer dieses Jahres morgens gegen 2.15 Uhr noch recht agil auf der Tanzfläche in der Disco im Mainfrankenpark umher. Das Ziel der seltsamen Verrenkungen: Der 27-Jährige wollte zwei Frauen antanzen.

Ein Bekannter der Frauen wollte die nervigen Annäherungsversuche verhindern, stellte sich immer wieder vor den Springinsfeld und versuchte ihm klar zu machen: Junge, vergebene Liebesmühe, die Mädels sind in festen Händen. Nur: Die Botschaft kam – wohl aufgrund der Alkoholisierung – nicht an.

Seinen Einsatz sollte der Beschützer kurze Zeit später teuer bezahlen. Nach einem weiteren gescheiterten Anhüpf-Versuch rastete der 27-Jährige aus: Die Bierflasche, die er in der rechten Hand hielt, schleuderte er ins Gesicht des 22-jährigen Opfers. Knapp unter dem rechten Auge tat sich eine Platzwunde auf, dazu Hämatome und Schwellungen. Eine Woche war der Mann krank geschrieben, die Folgen wirken bis heute nach: Er kann nicht richtig nach unten schauen, eine Verletzung der Tränendrüse lässt das Auge immer wieder tränen.

Nicht zuletzt deshalb pocht das Opfer auch auf Schmerzensgeld, das normalerweise in einem zusätzlichen Zivilprozess erkämpft werden müsste. In diesem Fall jedoch wird alles in einem Aufwasch erledigt. Was an einer selten genutzten Möglichkeit liegt, die den sperrigen Namen Adhäsionsverfahren trägt. Dahinter verbirgt sich ein großer Vorteil: Der Strafrichter entscheidet über das Schmerzensgeld gleich mit.

Antriebslosigkeit

Am Ende werden es genau 2000 Euro sein, die der 27-Jährige für den brutalen Schlag mit der Bierflasche zahlen muss. Strafrechtlich kommt es ebenfalls ziemlich dicke für den Angeklagten: Nach zwei Vorstrafen mit Geldauflagen setzt es diesmal für die gefährliche Körperverletzung eine einjährige Freiheitsstrafe, ausgesetzt zu drei Jahren Bewährung.

Zudem bekommt der Schläger einen Bewährungshelfer zur Seite gestellt, um die Chance zu bekommen, dass etwas Ordnung in sein Leben einzieht. Die fehlt nämlich bisher völlig: Er hat sich seinen Alltag im süßen Nichtstun eingerichtet. Wenn es so etwas wie ein Markenzeichen gibt, dann ist das Antriebslosigkeit, wie ihm das Gericht in der Urteilsbegründung attestiert.

Dafür hat der 27-Jährige ein gewaltiges Alkoholproblem: Als er in jener Nacht in der Disco erschien, hatte er bereits einen Sechserpack Bier intus. In der Disco ging es dann mit Starkbier weiter – im Wert von 50 Euro. Was dazu führte, dass der Mann an jenem Abend den einen oder anderen Filmriss hatte: An den Schlag kann er sich ebenso wenig erinnern wie an den Heimweg. Damals wachte er nach eigener Aussage auf einem Acker auf und versuchte, nach Hause zu laufen. Wobei der Versuch damit endete, dass ihn die Autobahnpolizei in den Morgenstunden torkelnd auf einem Standstreifen an einer Autobahn entdeckte.

Wie der Angeklagte drauf ist, zeigte auch ein erster Verhandlungstermin, zu dem er nicht erschienen war und deshalb zur Fahndung ausgeschrieben werden musste. „Sie müssen an Ihrer Lebenseinstellung etwas ändern!“ war deshalb auch die letzte Warnung des Gerichts vor dem drohenden Einbuchten ins Gefängnis.