Dass das Staatsarchiv und seine heftig diskutierte Verlagerung von Würzburg nach Kitzingen ein heißes Eisen ist und für so manchen dicken Hals sorgen kann, hat sich in den Haushaltsberatungen der Stadt Kitzingen gezeigt. Da sah sich UsW-Stadtrat Manfred Marstaller unter Rechtfertigungsdruck.

Die Frage war deutlich und kam von SPD-Bürgermeister Klaus Heisel. Der sprach Marstaller auf eine Veranstaltung der Gegner des Umzugs in Würzburg an. Und er fragte, wie der UsW-Fraktionssprecher dazu komme, sich für den Verbleib des Staatsarchivs in Würzburg auszusprechen.

Heisel sprach einen Bericht in dieser Zeitung über die von Umzugsgegnern um den Würzburger Ex-OB Georg Rosenthal organisierte Veranstaltung an. Der Satz, der für Aufregung sorgte: Am Ende war auch der Kitzinger Stadtrat Manfred Marstaller für einen Verbleib des Staatsarchivs in Würzburg.

Eine Haltung, die sich nicht mit dem deckt, was der Kitzinger Stadtrat mit 24 zu zwei Stimmen beschlossen hat. Aber Marstaller stellte klar: „Bei der Veranstaltung war der Privatmann Marstaller und die Meinung ist die des Privatmanns Marstaller.“ Er sei der festen Überzeugung, dass Heimatminister Söder eine falsche Entscheidung getroffen habe und glaube nicht, dass das Staatsarchiv nach Kitzingen komme.

Eine Aussage, die bei seinem UsW-Kollegen und Oberbürgermeister Siegfried Müller spürbar für einen dicken Hals sorgte. Der Stadtrat habe eine „ganz klare Aussage“ für den Umzug des Archivs getroffen, so der OB. Der erinnerte daran, dass sich auch der Würzburger Stadtrat nicht gegen einen Umzug ausgesprochen habe. Er sei es leid, dass Kitzingen in den einschlägigen Veranstaltungen in Würzburg als tiefste Provinz dargestellt werde, die quasi nicht erreichbar sei.

Es werde mit „an den Haaren herbeigezogenen Argumenten“ für den Standort Würzburg plädiert, so der OB. Das alles in einer Stadt, in der Einrichtungen im Gegensatz zu Kitzingen mit zig Millionen vom Freistaat gefördert wurden und werden. Das Staatsarchiv müsse in jedem Fall umziehen und Kitzingen sei ein guter Standort.

Tatsache sei: Derzeit werden drei Standorte in Kitzingen untersucht, darunter ein Bürogebäude im Innopark. Das Ergebnis stehe noch aus.

Verlagerung des Staatsarchivs für die meisten klar

Der Beifall zeigte, dass der Stadtrat hinter dem OB und der Verlagerung des Staatsarchivs steht. Jutta Wallrapp (Freie Wähler) erinnerte an den Auftritt von Heimatminister Söder in Kitzingen. Der habe den Umzug im Rahmen der Heimatstrategie der Staatsregierung, bei der über 50 staatliche Einrichtungen in ländliche Regionen verlagert werden, „tausendprozentig“ zugesagt.

Wallrapp erwähnte ein neues Schreiben aus dem Kultusministerium. Die von Kultusmister Ludwig Spaenle unterzeichneten Stellungnahme beinhalte die „eindeutige Feststellung, dass die Entscheidung Umsiedlung Staatsarchiv nach Kitzingen fest steht“.

Wallrapp gab bei der Gelegenheit, ihrem Parteikollegen und Landtagsabgeordneten Hans-Jürgen Fahn (Freie Wähler) eine Empfehlung mit. Der hatte sich ebenfalls für einen Verbleib in Würzburg ausgesprochen. Wallrapp: „Der soll in Zukunft besser einen großen Bogen um Kitzingen machen.“ Wieder Beifall.