Tiefe Erdlöcher, weggerissene Gehwege, hohe Bauzäune: Am Marktplatz in Volkach sieht es momentan aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Alte marode Versorgungsleitungen werden herausgerissen und gegen neue ausgetauscht. Die Sanierung des Altstadtzentrums ist in vollem Gange.

Die betroffenen Anlieger, Geschäftsinhaber, Gastronomen und die Besucher der schmucken Weinstadt müssen in den kommenden Wochen eine harte Durststrecke überstehen. Nichts ist vor dem Rathaus wie es einmal war, doch die Stimmung unter den Beteiligten ist gut. Die erfolgreich sanierte Untere Hauptstraße vor Augen beißen alle in den sauren Apfel – immer mit dem Gedanken im Hinterkopf: Dort haben sich die enormen baulichen Veränderungen, zwar begleitet von finanziellen Einbußen, letztlich gelohnt. Kaum einer meckert, alle sind sichtlich zufrieden.

Während Baggerschaufeln und Presslufthämmer am Marktbrunnen ohrenbetäubenden Lärm machen, lässt es sich in Richtung Unteres Tor gut flanieren. Die „Außenbestuhlungen“ sind aufgrund des Platzmangels am Marktplatz enger zusammengerückt. Bei schönem Wetter sind die Stühle gut besetzt – trotz Großbaustelle.

Der eine oder andere Zeitgenosse sucht förmlich die Nähe zum Baulärm, schafft sich sein ganz persönliches Fleckchen zum Plausch oder zum Genuss seines Feierabendbierchens. Am Wochenende wird schon mal der Bauzaun ein kleinwenig zur Seite gerückt und ein Wirtshaustisch auf Sand und Schotter aufgestellt. Cool bleiben, nur nicht vom Baustress anstecken lassen.

Zwischen Bauzaun und Tourist-Info sind Stehtische mit weißen Hussen aufgebaut. Ein junges Ehepaar, das sich gerade im Standesamt und anschließend in der Pfarrkirche die ewige Treue schwor, empfängt seine Gäste mit Sekt und Knabbereien. Das Leben pulsiert kräftig rund um den Marktbrunnen.

Kleine Rhythmusstörungen scheinen dem Patienten „Marktplatz“ nichts anhaben zu können. Im Gegenteil. Es gibt viel zu beobachten rund um die Baustelle, die sich über die Georg-Berz-Straße in Richtung Kreisverkehr an der Mainbrücke erstreckt. Dort hat man bei den Ausgrabungsarbeiten ein altes Fundament entdeckt. Die Bauarbeiter zeigen mit ihren schweren Maschinen viel Fingerspitzengefühl, wenn es um den historischen Bestand Volkachs geht. Die Herren der Denkmalpflege, welche die Ausgrabung sofort genau unter die Lupe nehmen, sind dankbar. Die Mauerreste scheinen ein Stück der alten Stadtmauer zu sein. Der Baggerführer bekommt ein dickes Lob.

Die Beengtheit rund um das Rathaus macht den Maschinenführern ganz schön zu schaffen. Nur nicht anecken, sonst wird?s teuer. Wegen der Absperrungen und des unübersichtlichen Schilderwalds ist gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenverkehr unabdinglich. Am besten man stellt sein Fahrzeug auf den Parkplätzen vor den Toren der Altstadt ab.

Fehlende Wendemöglichkeit

Die Untere Hauptstraße endet zurzeit am Marktplatz, der Verkehr kann über die Weinstraße abfließen. Die Georg-Berz-Straße ist vom Kreisverkehr kommend ebenfalls Sackgasse. Wegen fehlender Wendemöglichkeiten empfiehlt es sich, nicht dort hinein zu fahren. Lediglich durch das Obere Tor gelangt der Autofahrer (nur Anlieger) in Richtung Marktplatz, um über die Spitalstraße wieder in stressfreiere Zonen zu kommen.

Mindestens noch sechs Wochen sind für die Neugestaltung des Zentrums geplant. Ob ab der kommenden Woche bereits die Obere Hauptstraße aufgebuddelt wird, hängt vom Fortschritt am Marktplatz ab.

Wen man fragt, die Volkacher sind sich einig: Auf lange Sicht wird sich die Frischekur für die Altstadt auszahlen.

Voraussichtlicher Zeitplan

1. Marktplatz zwischen Unterer Hauptstraße und Spitalstraße: Fertigstellung Mitte Juni.

2. Marktplatz Georg-Berz-Straße: Fertigstellung Mitte bis Anfang August.

3. Obere Hauptstraße zwischen Marktplatz und Oberem Tor: Fertigstellung Mitte November.

4. Obere Hauptstraße zwischen Oberem Tor und Oberem Markt: Fertigstellung Dezember bzw. März 2016.