Eine Motorradwerkstatt im Iphöfer Wohngebiet Geiersberg hat in der Vergangenheit schon mehrfach die Nachbarschaft aufgeschreckt. Wenn der Eigentümer mit den Maschinen Tests und Probefahrten macht, kann das mitunter etwas lauter werden. Immerhin konnten sich die Anwohner damit trösten, dass die Betriebszeiten der Werkstatt auf wenige Stunden in der Woche beschränkt waren. Jetzt aber hat der Betreiber bei der Stadt den Antrag eingereicht, den Zeitrahmen deutlich zu erweitern. Der Stadtrat hat sich – mit einer Gegenstimme – gegen diese Öffnung ausgesprochen.

Zugelassen sind im Wohngebiet nichtstörende Gewerbebetriebe

Es ist ein heikler Fall. Weil der Antragsteller in seinem Hauptberuf auf Kurzarbeit gesetzt ist, will er die bisher nebenbei betriebene Werkstatt in der Schlesienstraße entsprechend mehr nutzen. Auch ein künftiger Haupterwerb in diesem Berufsfeld ist nicht ausgeschlossen. Das Problem: Diese Werkstatt liegt mitten in einem Wohngebiet. Für die in den 1960er-Jahren entstandene Geiersberg-Siedlung gibt es zwar keinen rechtsgültigen Bebauungsplan, wohl aber einen Flächennutzungsplan, der das Areal als allgemeines Wohngebiet definiert. Damit verbunden sind Auflagen und Einschränkungen. Zugelassen sind laut Verwaltung etwa „nichtstörende Gewerbebetriebe unter Einhaltung von Ruhezeiten und Lärmpegeln“.

Im Jahr 2019 hat der Bauausschuss die Werkstatt mit eingeschränkten Betriebszeiten – Montag bis Freitag von 16 bis 19 Uhr, Samstag von 8 bis 14 Uhr – genehmigt, nachdem alle Nachbarn den Antrag unterzeichnet hatten. Jetzt will der Eigentümer dort sechs Tage in der Woche von 8 bis 17 Uhr arbeiten. Diesmal liegen laut Verwaltung keine Nachbarunterschriften vor.

Der Stadtrat hat den Antrag nach kurzer Diskussion abgelehnt. Das Landratsamt sprach in einer Stellungnahme zwar von einem „gebietsverträglichen Betrieb“. Doch Bürgermeister Dieter Lenzer verwies darauf, dass es schon bisher die eine oder andere Beschwerde gebe. „Anwohner berichten, dass sie, wenn Motorräder getestet werden, nicht mehr auf der Terrasse sitzen können.“ Ein solcher Betrieb sei im Gewerbegebiet besser aufgehoben.

Das sah auch Stadträtin Peggy Knauer so. Der Antragsteller habe die Möglichkeit, die Werkstatt ins Gewerbegebiet zu verlegen, weil seine Familie dort schon mit einem Betrieb vertreten sei. „Im Wohngebiet tun wir uns damit keinen Gefallen.“ Nur Otto Kolesch stimmte am Ende für den Antrag. Er plädierte dafür, die erweiterten Betriebszeiten bis Jahresende zu testen.

Manche Autowerkstätte landet als Fall vor Gericht

Werkstätten in Wohngebieten beschäftigen hierzulande immer wieder auch die Gerichte. In Neustadt an der Weinstraße landete 2015 ein solcher Fall vor dem Verwaltungsgericht. Ein Mann wollte eine Garage als Mechatroniker-Werkstatt nutzen. Das Gericht lehnte das ab, obwohl die Betriebszeiten bereits begrenzt und Lärmgrenzwerte festgesetzt waren, und gab der Kreisbehörde recht.

Ob es sich bei dem Areal um ein reines oder um ein allgemeines Wohngebiet handele, war für das Gericht unerheblich. Bei der Werkstatt könne man nicht von einem Betrieb sprechen, von dem keine Störung ausginge. Das Verwaltungsgericht München gab 2015 dem Landratsamt recht, das die Nutzung einer Garage als Autowerkstatt im Wohngebiet – dem Charakter nach ein allgemeines Wohngebiet – untersagt hatte.