„Stolz und durstig“ steht auf ihrer „Bären“-Brust. So trinkfest wie vor 27 Jahren, als sie zum ersten Mal den Auftakt des Fränkischen Weinfests in Volkach erlebten, sind Matthias Seger und seine Männerrunde nicht mehr. Der 62-Jährige aus Erlangen und seine zehn Mitstreiter sind „Stammkunden“ auf Frankens größter Schoppenfete. Drei, vier Flaschen Wein pro Nase waren früher keine Seltenheit am Abend. Beim Startschuss für das 67. Weinfest am Freitagabend lassen es die „Bären“ etwas ruhiger angehen.

Der Stimmung tut der geringere Weinkonsum keinen Abbruch. Knapp 10 000 weinselige Menschen erheben bei sommerlichen Temperaturen zusammen mit Segers Mannschaft ihre Gläser und stoßen auf fünf Tage Durchhaltevermögen an.

Hoheiten mit Bodyguards

Majestätisch zeigt sich das Bühnenbild nach dem Einmarsch der Ehrengäste. Weinhoheiten aus der Region und ihre Bodyguards (Symbolfiguren) schunkeln vor der Kulisse der „Frankenräuber“ im Walzertakt und bringen die Weinfreunde aus nah und fern in Partystimmung.

Lobende Worte für Frankens Winzer und die Gastgeber findet die Fränkische Weinkönigin Kristin Langmann bei der Eröffnung: „Der Frankenwein ist ein wichtiger kultureller Faktor in unserer Region. Wir können stolz auf die Arbeit und Ergebnisse unserer Winzer sein.“ Mit dem Ratsherrn Erwin Burger an ihrer Seite lädt Volkachs Weinprinzessin Selina Laskowitz die Gäste zu einer Probiertour mit 60 Weinen von elf Winzern ein: „Nehmen Sie die Herausforderung an, ihren Lieblingswein zu finden.“

Den richtigen Wein für sich haben Seger und seine Kollegen längst am Tisch stehen. „Es ist hier so schön wie früher, aber die markanten Sprüche des ehemaligen Oberfestdirektors Waldemar Sperling klingen mir heute noch in den Ohren nach“, schwelgt Seger in Erinnerungen. Den legendären Satz des „Englischfachmanns“ Sperling „The biggest firework of the world“ (Das größte Feuerwerk der Welt) wird Ruheständler Seger wohl nie vergessen können.

Nur 20 Meter von der Showbühne entfernt hat die muntere Männertruppe ihr feuchtfröhliches Partynest eingerichtet. Kennen gelernt haben sie das Weinfest bei einer Betriebsfeier vor 27 Jahren.

Das damalige Treffen ist zur Tradition geworden. Alljährlich setzt sich die Männerrunde – meist Biertrinker – Mitte August in Volkach unter den schattigen Bäumen zusammen und gönnt sich Rebensäfte. Eine Tradition, zu der Seger niemanden extra einladen muss. Es ist quasi ein Selbstläufer – dank Whatsapp-Gruppe.

Aus ganz Deutschland reisen die einstigen Arbeitskollegen an, um im schwarzen Partnerlook mit selbst entworfenen Bärengesicht den Alltag für Stunden zu vergessen. Als Weinprinzessin Selina in Ratsherrenbegleitung am Tisch erscheint, ist das Glück der „Bären“ perfekt.

Frühschoppen beim Heimspiel

Am nächsten Morgen kehrt schnell Ernüchterung ein, denn für Seger und einige Kollegen steht bereits die Heimreise an. Nicht so für Friedbert Nunn. Für den Lokalmatador aus Astheim ist das Weinfest ein echtes Heimspiel. Er erlebt am Samstag einen jazzigen Frühschoppen und den besucherstärksten Tag.

Am heutigen Montag will er auf der Schoppenparty noch einmal Gas geben. Nach dem Kindernachmittag ab 14 Uhr und dem Konzert des Jugendblasorchesters Volkach um 15 Uhr steht der Weinfest-Endspurt mit den „Partyvögeln“ ab 19.30 Uhr auf dem Programm. Eintritt frei heißt es dann am Dienstag, wenn die Rockgruppe „Race“ ein „Big firework of music“ abfeuert.