Mit seinen 19 Jahren ist David Käuffer ein noch recht junger Metzgermeister. Seine Passion für das Metzgerhandwerk kommt nicht von ungefähr, betreiben seine Eltern doch eine eigene Metzgerei in der vierten Generation. Um neue Erfahrungen zu sammeln, Land und Leute kennen zu lernen, hat sich der Metzger aus dem Hochsauerland im Herbst vergangenen Jahres auf den Weg durch Deutschland gemacht. Nürnberg war seine erste Station. Aktuell ist er zwei Monate in der Klostermetzgerei in Münsterschwarzach. Danach geht es weiter nach Siegen und im Sommer zu einem Metzgerbetrieb am Bodensee.

Zwei Jahre soll David Käuffers berufliche Wanderschaft dauern, auf der ihn viele Erlebnisse, Abenteuer und neue Lebenserfahrungen erwarten. Weil sich die Zimmersuche wegen Corona schwierig gestaltete, kaufte er sich einen Wohnwagen, in dem er auf der Walz lebt. In seinem Heimatort Hüsten westlich von Dortmund ist er mit seiner Schwester aufgewachsen. Die Metzgerei der Eltern war von Kindheit an Teil seines Lebens. "Da mitzuarbeiten, hat mir schon immer Spaß macht." Kein Wunder also, dass er nach der Schulzeit eine Metzgerlehre absolvierte.

Afrika, Korea, Sauerland

Die Meisterprüfung im vergangenen September war das i-Tüpfelchen auf der noch jungen Fleischerkarriere. Spontan reifte sein Entschluss auf Wanderschaft zu gehen. "Eigentlich wollte ich erst einmal ein paar Tage verreisen, aber wegen Corona klappte das nicht." Als seine Eltern im vergangenen Jahr in Münsterschwarzach Urlaub machten, knüpften sie den Kontakt zur Klostermetzgerei. Meister Alfred Kolerus war sofort begeistert von der Idee. Auch die Verantwortlichen der Abtei stimmten spontan zu. "Ich habe schon Metzger aus Afrika, Korea und den Philippinen hier gehabt, dann komme ich mit einem Hochsauerländer auch zurecht", dachte sich Metzgerchef Kolerus scherzhaft beim ersten Kontakt. Seit fast 30 Jahren hat er das Sagen in dem Betrieb der Abtei.

Ein Metzger auf der Walz ist ihm in den vielen Jahren noch nicht begegnet. "Das ist schon etwas ganz Besonderes", sagt Kolerus. Die Zusammenarbeit der Metzgermeister aus Franken und dem Hochsauerland sehen beide als eine Art Win-win-Situation und als Chance, denn jeder lernt vom anderen. Während Kolerus seinem Kollegen erklärt, dass eine fränkische Bratwurst ohne Majoran nicht denkbar ist, winkt Käuffer ab. "Mit Majoran-Geschmack ist die bei uns nicht verkäuflich", sagt er und schüttelt den Kopf. Deshalb bringt er Kolerus und seinen Mitarbeitern die Rezeptur der Hochsauerland-Bratwurst bei.

Schlafen im Wohnwagen

Diese Bratwurstkreation hat in der Metzgertheke des Klosters neben dem fränkischen Pendant bereits ihren festen Platz. "Sie ist dicker, milder und bei den Kunden schon sehr beliebt", erzählt Kolerus. Dass in dem klösterlichen Betrieb der Bratwurstteig auch in Dosen abgefüllt wird, kennt Käuffer von Zuhause gar nicht. Eine pfiffige Idee, die er mit nach Hüsten nehmen wird – aber natürlich ohne Majoran. Auch die luftgetrockneten "Lausbuben", Hausmacher oder Presssack werden in seinem Handgepäck sein, denn diese fränkischen Wurstspezialitäten gibt es in der Heimat nicht. In seinem Tagebuch stehen wichtige Erkenntnisse aus Münsterschwarzach: Alle Produkte aus eigener Herstellung, die Rinder aus dem Klosterstall, die Schweine vom Landwirt nebenan und die eigene Schlachtung. "Diese einzigartige Konstellation gibt es kaum noch in Metzgereien", so Käuffer.

Heimweh hat er nicht, die Ferne macht ihm keine Angst. "Ich habe schon als Kind viel Zeit bei meinen Großeltern verbracht", erzählt der junge Mann. Seit einem Jahr hat er eine Freundin. Die Walz könnte die erste Bewährungsprobe für die noch junge Liebe sein. Ein Problem war sie bislang nicht. "Wir telefonieren jeden Tag miteinander, an den Wochenenden fahre ich regelmäßig heim zu ihr." 353 Kilometer sind es nach Hüsten. "Die Entfernung geht noch, aber wenn ich dann am Bodensee bin, ist das ganz schön weit", denkt Käuffer schon an die Sommermonate. Juni und Juli wird er in einer Metzgerei bei Überlingen baden-württembergischen Fleischern über die Schultern schauen. Nachdem er den fränkischen Dialekt mittlerweile gut versteht, wartet im Württembergischen die nächste sprachliche Herausforderung. Das gilt "für beide Seiten". In drei Wochen zieht er weiter mit seinem Gespann. Bis dahin wird er nach Feierabend vor seinem Wohnwagen noch den einen oder anderen Frankenschoppen genießen – mit Blick auf den Schwanberg am Horizont.