Die Staatsstraße zwischen Prosselsheim im Landkreis Würzburg und Astheim im Landkreis Kitzingen ist eine Schlaglochpiste. Das finden der Auto Club Europa (ACE) und Mitglieder der SPD-Landtagsfraktion, die den Straßenabschnitt am Montagabend eingehend unter die Lupe nahmen.
"Die Aktion Holter-die-polter wurde von der Landtagsfraktion ausgerufen", erzählte der Schlaglochpate für Unterfranken, Landtagsabgeordneter Harald Schneider (SPD). Nach einer Umfrage befänden sich rund ein Drittel der schlechtesten Staatsstraßen in Unterfranken. Nur in Oberfranken und der Oberpfalz sei der Zustand noch schlechter.
Die SPD-Fraktion und der ACE wollen der Staatsregierung nun den Schlagloch-Oskar für den schlechtesten Straßenzustand in den sieben Regierungsbezirken verleihen. "Was wir gesehen haben, ist erschreckend", erklärte Schneider. Es sei deshalb mehr als notwendig, etwas zu tun. Oft sei gerade an den Staatsstraßen nichts gemacht worden. So kämpfe die Gemeinde Birkenfeld im Landkreis Main-Spessart seit 40 Jahren um einen Ausbau der St2299.
SPD-Fraktionsgeschäftsführer Harald Güller listete einen Sanierungsbedarf von rund 102 Millionen Euro für Unterfranken auf. Güller bezeichnete es als Verschwendung von Volksvermögen, wenn an Löchern und Rissen immer nur herum repariert werde. Er machte für die nächsten zehn Jahre einen Sanierungsbedarf von jährlich 70 Millionen Euro aus, wobei derzeit jährlich Schäden in Höhe von 100 Millionen Euro noch dazukämen. Der Jahresbedarf summiere sich nach seinen Berechnungen daher auf rund 180 Millionen Euro. "In den baye-
rischen Staatshaushalt sind aber nur 60 Millionen Euro eingestellt worden." Allerdings, so Güller, seien die Mittel im Nachtragshaushalt 2012 um 65 Millionen aufgestockt worden. Er rief die Staatsregierung dazu auf, nicht nur Straßenneubauten zu finanzieren, sondern sich vermehrt um den Unterhalt zu kümmern.
"Es geht nicht um die optischen Schäden, sondern um die Verkehrssicherheit und um Folgeschäden an den Fahrzeugen", stellte Petra Dieterich, Regionalbeauftragte Bayern des ACE fest. Vor allem Schäden an der Reifenkarkasse seien von außen nicht sichtbar. Aus Sicht des ACE müsse Schluss sein mit der Flickschusterei auf deutschen Straßen. "Der steuerzahlende Autofahrer hat ein Recht auf ordentliche Straßen", betonte sie.

Schlecht für den Tourismus


Eisenheims Bürgermeister An-dreas Hoßmann (UWG) sieht das ähnlich. Von den Bürgern hat er eine deutliche Rückmeldung erhalten. "Aus der Bürgerversammlung kam der Auftrag, den Straßenzustand an die Straßenbaubehörde weiterzugeben", berichtete er. Bei rund 9000 Fahrzeugen täglich habe sich der Straßenzustand in den letzten Jahren sehr deutlich verschlechtert. Der gegenwärtige Zustand ist für den 3. Bürgermeister des Marktes Eisenheim, Hans Holzinger (SPD), auch ein schlechtes Renommee für den Tourismus. Bei der Ortseinsicht zwischen den gegenüberliegenden Parkplätzen am Aussichtspunkt westlich der Vogelsburg mussten die Abgeordneten und ihre Begleiter feststellen, dass das Straßenbauamt offenkundig wenige Tage zuvor notdürftige Ausbesserungen vorgenommen hatte. Güller beklagte, dass der Oberste Rechnungshof seit Jahren auf den schlechten Straßenzustand hinweise, passieren würde aber nichts. Der Abgeordnete forderte, dass die Staatsstraßen flächendeckend nicht nur ausgebessert, sondern erneuert werden müssten.